Karawa(h)nsinn - eine Wahnsinns Kampagne 2009/2010 des CVW

Erstellt: Mittwoch, 10. März 2010 00:00
Geschrieben von Dietmar Schneider

Zuerst konnte ich mich mit dem Kampagnenthema, das der Sitzungspräsident Tobias Jendreizeck vorgab, nicht recht anfreunden. Doch heute, am Wochenende nach der Kampagne, trifft es einfach zu. Eine wahnsinnige Kampagne konnten wir im und um den CVW erleben. Doch der Reihe nach in Einzelschritten die wichtigsten Punkte des Wahnsinns.

Der 1. Schritt begann damit, dass der CVW Vorstand am 17.07.2008 den Zug für das Jahr 2010 intern beschloss und am 1. Mai 2009 die ersten Verhandlungen zum Jubiläumszug >85 Jahre CVW< zwischen Bürgermeister Weimann, dem 1. Stadtrat Heil, dem Zugmarschall Heinz Berning und dem 1. Vorsitzenden des CVW stattfanden. Konstruktiv und sehr sachorientiert, was nicht nur an dem gewählten Verhandlungsort auf dem Waldackergeländes des CVW lag. Der offizielle Antrag, viele Mails und noch mehr Telefongespräche folgten bis am 03. November 2009 die Genehmigung des Zuges in Schriftform vorlag.

Das städtische Ordnungsamt führte Abstimmungen mit der Kreisverwaltung (Zuständigkeit für die Kreisstraße „Schillerstraße“), dem RMV wegen des Busverkehrs durch unsere Stadt und der Straßenmeisterei in Geisenheim wegen der zusätzlichen Ausschilderung an der B 42 und in Johannisberg durch. Der CVW führte sehr offene und informative Gespräche mit der Polizeistation Rüdesheim zur Straßensperrung und bei Bedarfsfällen zu Maßnamen wegen Alkohol und Randale. In mehreren Gesprächsrunden mit den Feuerwehren von Winkel und Mittelheim, sowie der Ortsgruppe des DRK, erstellte man gemeinsam unter Mitwirkung des Ordnungsamtes einen Notfalleinsatzplan entlang der Zugstrecke. Und parallel dazu hörte man handwerkliche Geräusche aus der Berlbud zur Erstellung der diversen Bauteile für die Zugwagen des CVW. In unzähligen Abendterminen stimmte der Zugausschuss von einem Grobkonzept alle weiteren Schritte hin zum Feinkonzept des Zugablaufplanes ab, auch für die geplanten 28 vom Verein getragenen Zugnummern. Der Aufwand im Vorfeld ist einfach schon „wahnsinnig“.

2. Schritt der 29. CVW Narrenspiegel erscheint mit „85 Jahre CVW und 25 Jahre Berlbud“
116 Seiten, davon 2/3 mit textlichen Informationen und Bildern zum Vereinsgeschehen der letzten beiden Jahre, nur 1/3 Werbung, die die Herstellung und den Druck dieses „wahnsinnigen“ Werkes finanzieren und Restmittel dienen der Zugfinanzierung.

3. Schritt die Kampagneneröffnung am 14.11.2009
Mit dem Eröffnungssatz zur Kampagne teilte der Sitzungspräsident den Gästen und Aktiven mit: „Dies wird meine letzte Kampagne als Präsident des CVW“. Einfach Wahnsinn – dachte ich mir und es folgte ein über 3 Stunden andauerndes Programm mit tollen Beiträgen besonders aus dem Nachwuchsbereich des CVW.

4. Schritt Kartenvorverkauf
Der schleppend anlaufende Vorverkauf zur Kampagne wurde dank des unermesslichen Einsatzen von Emmi Jendreizeck zu einer tollen Auslastung der Sitzplätze in der Narrhalla Eger geändert. Am besten verkauft war die Kindersitzung mit 96,7% der Karten, gefolgt von der Bobbesitzung. Und dann erklärt Emmi für 2010/11, dass sie den Vorverkauf nicht mehr weiterführen kann. Wahnsinn – was kommt nun auf den CVW zu?

5. Schritt die CVW- Sitzungen
Insgesamt 5 Sitzungen bot der CVW seinen Gästen und alle hatten ihre eigene Note. Begeisterte Zuschauer, erfreute Aktive und Stunden der Freuden. Mit der Karawane durch den Saal krönte Präsident Tobias die ausgelassene Stimmung im Saal: Karawa(h)nsinn!

6. Schritt Kindermaskenball in der Berlbud
Ja, er ist einfach nicht mehr aus dem fastnachtlichen Treiben des CVW zu streichen. Für die Kinder bis 11 Jahre ist er ein füllendes Pogramm zur Gestaltung des närrischen Treibens in unserer Stadt. Wahnsinn.

7. Schritt Der Zug 85 JAHRE CVW
Trotz des Konfettifalls vom Himmel über fast den ganzen Tag, trotz der Temperaturen um die minus 2 Grad, den Schnee- und Eisflächen in den Straßen bewegte der CVW Zug wieder über 1850 Personen und über 130 Zugnummern durch die wunderbar geschmückten Straßen von Winkel. Pünktlicher Start um 13:11 Uhr in Mittelheim und wunderbarer Zugschluss um 16:45 Uhr in der Hauptstraße Ecke Engerweg. Keinerlei Zwischenfälle, keine Einsätze von Ordnungs- und Rettungskräften, Lob für Organisation und Durchführung von allen Seiten und ein bisher nicht gekannter Zugabschluss im Engerweg für die jugendlichen Teilnehmern mit ihren „Bum Bum Wagen“ und für das reifere Publikum in der Berlbud mit Live Musik – einfach Wahnsinn!

8. Schritt Prinzenpaarball in Schorsch Eger`s Weinstadl
Das 9. CVW Prinzenpaar Franz-Georg I. und Sophie I. hatten ihre närrischen Untertanen geladen. Ein unvergesslicher Abend folgte mit einem abwechslungsreichen Programm an Büttenreden, Gesang und einer super Tanzeinlage der CVW Prinzengarde (das Männerballett in den ersten Kostümen der Kindergarde von 1990 – einfach zum schreien!). Ein Wahnsinnsabend.

9. Schritt traditionelles Heringsessen
Völlig cool lief dieser Programmpunkt der Kampagne ab – Wahnsinn?

10. Schritt Schlappe Abend
118 Gäste kamen nochmals zusammen um dieser Kampagne in alter Tradition zu gedenken, wie seit 57 Jahren in ununterbrochener Folge und seit 28 Jahren auf dem Fahrgastschiff Robert Stolz. Reichlich berechtigte Dankworte, hoffentlich wurde keiner vergessen, Freude pur zur vergangenen Kampagne strahlte aus den Gesichtern der Aktiven. Standing ovations- für den ersten Zugmarschall des CVW Heinz Berning, aber auch Tränen über das Ende einer schönen Zeit für das Kinderprinzenpaar Patrick I. und Christina II., für das CVW Prinzenpaar Franz-Georg I. und Sophie I. mit den Pagen und dem Herold und für die ausscheidenden Sitzungspräsidenten Tobias Jendreizeck und Konstantin Wachendorff konnte man bis kurz vor Mitternacht erleben. Wahnsinn!

11. Schritt Gesamtblick
Wieder wurde Erstaunliches an den unterschiedlichsten Stellen im Carnevalverein Winkel und in dessen Umfeld zur schönen Traditionspflege der Fastnacht geleistet. Winkel ist schon verrückt, wenn es wieder heißt: „Mer mache en Zuch.“ Anders kann ich es einfach nicht bezeichnen. Und schön ist es dies bewusst zu erleben, wenn groß und klein, heimische und „zugezogene“, Winkler, Mittelheimer, Hallgartener und Oestricher gemeinsam mit Unterstützung aus den Städten rund um uns herum an den schönen Stunden der Fastnacht partizipieren. Vereine, Verbände und lose Gruppierungen, ja Zufallscliquen, die sich vorerst nur für den Zug finden und alle vereint auf das große Ziel hin arbeiten: >Unser Zug in OeWi<.
Ja, es ist unser Zug, denn der CVW alleine könnte dies niemals in dieser Form stemmen. Der Vorstandsbeschluss aus dem Jahr 1949 war schon aus heutiger Sicht einfach „weise“. Alle 5 Jahre sind die Menschen offensichtlich bereit diesen Aufwand an Zeit, Geld und Arbeitsleistungen zu erbringen für  u n s e r e n  Fastnachtszug in OeWi. Und der CVW hat die Zeit über Jahre das anzusparen, was er dann an einem Nachmittag gezielt ausgibt. Und wenn dann die Reaktionen im Umfeld so sind, wie ich sie am Samstagmorgen beim Bäcker erleben durfte: “Es war en dolle Zuch, ganz fantastisch un schee! Herr Schneider, mer freie uns schun uff 2015!“, dann komme ich mit meiner kritischen Meinung zum Zug und seinen Kosten für den CVW ins schwanken. Ja, unsere Mitbürger hatten und haben ihre Freude am Zug – Wahnsinn!

Der Narr und die Elf. Ja, diese elf Einzelschritte zeigen aus meiner Sicht auf, dass unser Sitzungspräsident bereits im Sommer 2009 den richtigen Riecher für die Kampagne hatte. Es war einfach ein Wahnsinn, was wir alle miterleben durften. Schön war es dabei gewesen zu sein. Die alte Tradition der Winkler Fastnacht lebt und wird weiter getragen. Die „alle fünf Jahre“ Tradition der Züge wird ihre Fortsetzung am 15.02.2015 und dann am 26.02.2020 sicherlich erfahren.
Wer sollte denn bei einer solchen Resonanz durch die Menschen unserer Region den Mut haben wegen meiner Meinungen oder der Presseäußerung anderer Karnevalsvereine hier etwas zu ändern. Der Beweis ist erbracht, dass die alte Tradition in Winkel bewusst gepflegt wird mit einem erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwand.
Ich sage mit Respekt und Freude im Herzen: Danke an Alle.
Mer freie uns!


Dietmar Schneider