Carneval Verein -Narrhalla- Winkel/Rheingau 1924 e.V.
20 | 02 | 2020
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Prinzenpaare, Sitzungspräsidenten und närrische Märchen

Winkler Carnevalverein bewies mit großartiger Kappensitzung, dass Fassenacht die Welt regiert

Die Rheingauer Fastnacht ist das beste Mittel gegen den Politischen Irrsinn der Welt. Egal ob Trump oder Brexit, egal ob heimische Stadtdiener oder innerstädtische Konkurrenz, in Wahrheit ist es die Fassenacht, die die Welt regiert, mal mehr oder weniger närrisch. Das konnten  die Gäste der ersten Kappensitzung des Winkler Carnevalvereins NarrhalIa hautnah erleben: Die Winkeler Narren gestalteten ein fünfstündiges Programm voller Spaß, Witz, Humor und Kokolores und eben auch immer einem kleinen Funken Wahrheit.

Gleich zu Beginn ergriff der scheidende Sitzungspräsident Markus Stoll das Wort und verabschiedete sich ohne große Allüren nach neun Jahren im Amt. Er übergab seinen Bajazz symbolisch an Patrick Halbritter, der als neuer Sitzungspräsident überaus pfiffig und gut gelaunt durch den Abend und die Nacht führte. Jedoch nicht, ohne Markus Stoll für sein Engagement für den CVW zu danken. Neun Jahre lang machte Stoll seine Sache großartig, dem ehemaligen Kindersitzungspräsidenten, Kinderprinz, erwachsenen Prinz, Ehemann und Vater lag die Fassenacht einfach immer im Blut und riesiger Beifall des Publikums war ihm zum Abschluss der Ära Stoll gewiss.

Königliche Grüße richtete dann das diesjährige CVW-Kinderprinzenpaar an seine närrischen Untertanen: „Feiert die Fastnacht wie es Sitte und Brauch und liegt nicht zu Hause auf dem faulen Bauch“, forderten Prinz Alexander und Prinzessin Jil. Ganz cool stellten sich Alexander Scheer und Jil König dem Publikum vor und forderten gleich mehrfach ein Helau von ihrem närrischen Volk. Seine Tollität, Prinz Alexander, ist Herrscher der Töne und der Bretter, die die Welt bedeuten, Gebieter der närrischen statt sportlichen Elf, emigrierter Hochschulstädter zur Narrhalla Wincolorum. Ihre Lieblichkeit Prinzessin Jil trägt den Titel Regentin aller Fuß- und Beinakrobatik, edle Herrscherin der rollenden Bewegung zu Vinicella. Perfekt wurde der königliche Auftritt durch die CVW Nachwuchsgarde mit ihrem prachtvollen Gardetanz unter der Leitung von Melanie Derbeck-Lurz und Anna Krummeich.

Erster Höhepunkt des Abends war der Auftritt des neuen großen Prinzenpaares, das alle fünf Jahre gekürt wird. Das 11. Prinzenpaar des CVW trägt die Titel Prinz Johann I., Mächtiger Gebieter über alle flüssigen Mittel, fördernder Herrscher närrischer Nachkommenschaft mit einstiger Residenz am Boulevard des Philosophen zu Wincolorum und Prinzessin Tanja II., stammend aus edler närrischer Dy-nastie, große Gebieterin über Elemente und Moleküle, kenntnisreiche Vertraute aller närrischen Formeln zu Vinicella. Dahinter versteckt sich geballte Winkeler Fastnacht. Denn Tanja Halbritter wurde der närrische Schalk sozusagen in die Wiege gelegt. Bereits kurz nach ihrer Geburt trat sie als 500. Mitglied in den CVW ein. Die 26-Jährige ist die Tochter von Marion Halbritter, die aus dem Winkler Fastnachtsadel lmmerheiser abstammt. Vater ist der ebenfalls in der Winkler Fastnacht auf der Bühne und in den Reihen des Vereinsvorstandes engagierte Dr. Norbert Halbritter. Ihr zur Seite steht mit Johann Muno ein junger Mann, der sich ebenfalls schon um die Winkler Fastnacht verdient ge-macht hat. Er hat von Kind an bei vielen Sitzungen als Sänger, Schauspieler und Tänzer mitgewirkt und brachte sich vor einigen Jahren als Unterstützer der Kinderfastnachtssitzung im Organisationsteam ein, wo er immer noch tätig ist. Der 22-Jährige gelernte Bierbrauer, der zurzeit an der Hochschule Geisenheim Getränketechnologie studiert, regiert das Narrenvolk mit viel Humor und Witz.

Das närrische Protokoll wurde in gewohnt humorvoller Winkeler Art von Kanzler Michael Schäfer präsentiert. Er hatte wieder einmal alles festgehalten, was in Land, Kreis und Stadt passiert war und servierte alle diese Ereignisse wortgewaltig mit dem Blick in den Narrenspiegel: Vor allem Trump
mit „seim dumm Gebabbel und seim bleede Gesicht“ bekam sein Fett weg und wurde von Schäfer zum „gefährliche Despot mit Spatzengehirn“ degradiert.
Als gebeutelte Hausfrau kam Sabine Fladung in die Bütt und berichtete, wie es ist, wenn man einen Rentner im Haus hat: „Ich fraach: Was machst Du hier an eim ganz normale Arbeitstag?“ – „Ich wohne hier!“ – „Ja, aber nit vor vier!“
Eine echte Augenweide war das Tanzmariechen Aliyah Reinhard: Das neunjährige Mädchen präsentierte unter Leitung von Pauline Kirschke einen akrobatischen Tanz, der alle begeisterte. Und auch danach präsentierten sich die jüngsten Aktiven des Vereines in einem witzigen Familiensketch: Aus den Ergebnissen der Rhetorik-Seminare des CVW, in deren Rahmen die Nachwuchsnarren geschult werden, war ein Ausschnitt mit Jil König, Lukas Krummeich, Paula Firle, Regina Steinmetz und Rosalie Barske zu sehen, die unter der Leitung von Anna Krummeich und Kerstin Brudy mit gespielten und gereimten Witzen für Heiterkeit sorgten.

Nach einer kurzen „Pause“ mit einer Schunkelrunde mit den CVW-Musikern Franz Georg Eger und Dr. Axel Bau kam der nächste Angriff auf die Lachmuskeln. Aus ihrer Wahlheimat waren die gebürtige Winkelerin und frühere CVW-Aktive Annette Brandstätter und ihr Sohn Maurice gekommen, um über ihr Leben in Frankreich zu berichten. Die witzige Frankreich-reise endete natürlich in Winkel und wurde mit viel Beifall belohnt. Den nächsten Augenschmaus servierte dann die CVW-Garde, die einen temperamentvollen Tanz zeigte, den die Damenriege in neuen Kostümen unter der Leitung von Nicole und Daniela lmmerheiser und Yvonne Scheer-Bouffier einstudiert hatte. Später im Programm war die Formation auch mit ihrem fantasievollen Showtanz zu sehen: „Das Phantom der Oper“ war wie ein kleines Musical mit tollen Hebefiguren und wunderschönen Kostümen ein weiterer Höhepunkt.

Als „Der Stadtdiener“ gab sich Bürgermeister Kay Tenge in schrägem Outfit mit Frack und gescheitelter Pomadenfrisur ein Stelldichein in der Bütt, die ja, wie er gleich zu Anfang zu bedenken gab, eigentlich nicht sein Metier sei. Tenge berichtete, wie er, auf-gewachsen in einem 300 Seelendorf in Nordhessen, schon früh überlegt habe, in welchem Beruf er wohl unter dem Motto „08/15“ die ruhigste Kugel schieben könnte: „Als Koch dacht ich, hätte ich es immer warm und gut zu Essen“. Doch da ein Koch am Wochenende arbeiten muss, war das nichts für ihn. Schließlich wurde er Beamter und das war genau richtig: „De-legieren heißt das Zauberwort“, verriet der Stadtdiener und sah zu, dass er pünktlich nach 8 Minuten/15 Sekunden in der Bütt Feierabend machte.

Den Vogel kurz vor der Pause schossen Mathias Reinhard und Nils Carius ab. Als stilechte „Ritzamboo-Brothers“ waren sie passend gekleidet und auch größentechnisch wie ihr großes Kino-Vorbild im schwarzen Anzug mit Sommerbrille im Auftrag der Narren unter-wegs. Gott Jokus persönlich hatte sie beauftragt, den Ort zu finden, an dem die Fastnacht am Schönsten gefeiert wird. Die Reise führte über Rio, Köln, Bayern und Mainz natürlich nach Winkel und gemeinsam mit den närrischen Blues Brothers feierten die Narren in die Pause hinein.

Nach der Pause eröffnete die Tanzgruppe CVW-Tanzschläppschen das Bühnengeschehen mit einem Tanz der Extra-Klasse. Mit einer fast 15-mi-nütigen Show erinnerten die 13 Damen mit Trainerin Christina Charisee an der Spitze an die Tanzaufführungen aus den letzten fünf Jahren. Die schönsten Highlights mit verblüffen-den Lichteffekten oder Tanzelementen wie riesigen Flügeln gab es zu sehen. Als „S´ Gretche - en alt Jungfer“ schoss die „Ehrennärrin“ des CVW, Magda Miltner, mit ihrem Bericht von Eheanbahnungen im Alter den Vogel ab: „Ich hab schon mal ein Verlobungsring verlorn, mit nem · Mann dran. Kennegelernt habe mir uns beim Arzt. Ich war zur U80 da und er zur U90. Des hätt was wem könne mit uns, aber sei Mutter war dagege“. Für Superstimmung sorgte dann Tobias Jendreizeck als temperamentvoller Sänger mit den drei feschen Girls Juana und Rhoda Mulz und Ehefrau Myriam Jendreizeck. Unter dem Motto „Mein lieber Herr Gesangsverein“ brachte das Quartett auch diesmal mit beliebten Volksliedern den Saal zum Kochen und das Publikum sang lauthals mit. Als legendärer „Feuerwehrfranzl“ stieg in seiner Paraderolle Franz Georg Eger in die Bütt und plauderte aus dem Nähkästchen. Das konnte er prima, ist Eger doch auch im wirklichen Leben bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Schlicht für Atemnot sorgte die Männerballetttruppe „Many Monkeys“ aus Bretzenheim an der Nahe mit ihrem akrobatischen Showtanz „London er-hebt sich in die Freiheit“. Unheimlich beeindruckend war der Tanz mit vielen Hebefiguren und Kostümwechsel.

Eine besondere Variante einer Märchenstunde bot die Familie lmmerheiser-Halbritter: Märchentante Hannelore lmmerheiser hatte die berühmtesten Märchenfiguren, gespielt von Harald, Nicole und Daniela lmmerheiser und von Marion, Norbert, Patrick und Tanja Halbritter mitgebracht. Als Prinz hatte man Johann Muno neu verpflichtet. In der für den Fastnachtsclan bekannten köstlich-komischen Chose sangen und tanzten die Märchenfiguren für das Publikum herrlich schräg und echt närrisch und zum krönenden Abschluss durfte das heißgeliebte. Winkeler Fastnachtslied „Allez Hopp“ nicht fehlen.

Weit nach Mitternacht kam es dann zum Höhepunkt. Das CVW-Männerballett präsentierte eine rockige Tanzvorführung und verwandelte die Bühne in eine Rock'n Roll-Disco. In lustigen Kostümen und mit ihrem unschlagbaren Rhythmusgefühl ließen Andreas und Tobias Jendreizeck, Christian Kurth, Danny Scheer, Franz-Georg Eger, Markus Stoll, Nils Carius, Reiner Firle, Jan Wahlen, Jörg Wehr, Mario Kirschke, Mathias Reinhardt und Sascha Saewert die Lachtränen nur so fließen. Natürlich mussten sie eine Zugabe drauflegen und die Trainerinnen Michelle Greifenstein und Paulina Kirschke durften' stolz auf ihre Jungs sein.

Zum abschließenden Finale kamen alle Aktiven noch einmal auf die Bühne und feierten bis in das Morgengrauen hinein die Fastnacht.

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