Carneval Verein -Narrhalla- Winkel/Rheingau 1924 e.V.
19 | 11 | 2019
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Kokolores

Katz und Maus

Wir schreiben das Jahr 1400. Am Mittelrhein erheben sich rechts und links des Stromes zwei stolze Burgen. Es ist die Burg Katz und gegenüberliegend, die Burg Maus. Beide Burgherren beschlossen in das hl. Land zu ziehen, um dort die heidnischen Bewohner zu verjagen. Auf der Burg Katz bereitet sich der Burgherr auf seine Reise in das hl. Land vor. Der Abschied von seinem Eheweib ist gekommen.

 

Katz und Maus-2

 

Erster Akt:
Mein treuer Gatte du,
willst mich verlassen nun.
Lässt mich allein hier, auf die Rückkehr warten.
Seit Tagen hab ich keine Ruh,
Was soll ich ohne dich, in dieser kalten Burg nur tun?
Mein liebes Weib, es ruft die Pflicht, die Ritterehre.
Der hl. Vater war`s, der uns das schwere Los hat auferlegt.

Katz und Maus-3

Es bleibt dir hier Gesinde und dein Garten.
Nach Gottes Wille, ich zurück hier kehre,
um dann mit dir, mein Erben hier zu zeugen.
Bis zu dem Tag der Wiederkehr, mein Herz für dich nur schlägt.
Wir beide müssen uns dem schweren Schicksal beugen.
Mein treuer Knappe Kunibert, wird nun an dir zur Seite steh` n.
Er schwor den heilig Eide mir, dir treu zu dienen, Tag und Nacht.
An Johanni kommend Jahr, werd ich durch diese Burgtor reiten.
Zurück von Heidenland und nach gewonn`ner Schlacht.

Katz und Maus-4

Du mein Gemahl, ich kann der Tränen Flut,
ganz Nächte lang, nicht aus den Augen bannen.
Ich will, als angetrautes Weib, den schweren Abschied hier, dir nicht verleiten.
Mein Herz ist schwer und voller Hoffen.
Ich bin dein Weib und immer da dir gut.
Wohl war, dass mir viel Tränen rannen.
Beschütz der Herr dein weiter Wohl und Wehe.
Es ist der Schöpfer, er hält der Menschen Zukunft offen.
Mein Beten wir dir Schutz und Schilde geben.
Ich schau dir nach, bis in der Ferne ich dich nicht mehr sehe.
Der Herr soll schützen, unser beide Leben.

Katz und Maus-5

Auf Burg Maus bereitet sich ebenfalls der Burgherr auf sein Abenteuer im Land der Muselmänner vor.

Nun höre auf, mein Weib mit deinem ewig langen Greinen.
Es ist beschlossen Sach, ich kann den Rittereid nicht brechen.
Mein Schicksal liegt, seit meinem Sein, in Gottes Hand.
Des Schöpfers Wille ist`s, der nimmt und gibt den Seinen!
Ich will und muss, der Heiden Freveltaten rächen.
Bei Sonnenaufgang trägt mein eigen Pferd mich fort.
Am Berge Golgatha will ich des Heilands Leiden büßen.
Will Buse tun, damit ich rein einst, an der Himmelspforte stehe.
Ich eile hin, zu unser aller Herren Ort.

Katz und Maus-6

Wenn es mein Gott befielt, komm ich an deinen Schoß zurück.
Um dich mein treues Weib in großer Liebe zu begrüßen.
Wenn ich den weiten Weg, mit all der fremden Ritterschar jetzt gehe,
erwarte ich von dir mein Weib, dein Pflichtanteil zu tragen.
Ich trag dir auf, dein Beten alle Tag zum Himmel richten.
Die Jungfrau Gottes wird dein Fürbitt leiten, in des Heiland Herzen.
Du einfach Weib, hast nicht das Recht, nach all dem Sinn im Leben hier zu fragen.
Dein Zweck im Hier, ist seit dem Paradies, lang vorbestimmt.
Das Weib gebiert dem Mann den Erben unter Schmerzen.
Es hat geduldig und im Demut steht` s den Ehemann zu fragen.
Nun spute dich, im Festgewand mir eine Augenweid  zu schenken.
Bei Morgenlicht verlasse ich mein Heim.
So Gott will, er mir das Leben nicht in fremder Erde nimmt,
will ich voll Sehnsucht an mein Weib hier denken.
Will dann, im nächsten Sommer wieder bei dir sein.
Ein wichtig Sach ist hier und jetzt zu klären.
Mein treuer Knappe Heribert ist nun an fest an deiner Seite.
Das Burggesind und all der Bauern in der Dörfer mein,
hat seiner Worte unbedingt zu hören.
Du bist die Herrin auf Burg Maus.
Es trägt mich fort in fremde Weite, dem Kaiser treu, der Ritter Ehren.

Katz und Maus-7

Es sind fünf Tage ins Land gezogen.  Im kleinen Weindörfchen St. Goar geht das Leben der Menschen seinen gewohnten Gang. In einem der vielen Weinschänken treffen sich, in den frühen Abendstunden, Winzer, Händler, Knechte und Fuhrleute.  Diesmal sind die beiden Knappen beider Burgen beim Wirte zum grünen Kranze eingekehrt.  Der Zufall will es, dass beide der Männer am gleichen Tisch sich einfinden. Nach einigen Worten der Belanglosigkeiten erkennen beide, sie sind sich so ähnlich, kein Unterschied ist zu erkennen. Mein Tischnachbar bin ich und ich bin mein Tischnachbar. Vor Erstaunen schweigen beide Männer. Es dauert einige Minuten, ehe beide gleichzeitig rufen: Wer bist du? Beide greifen nach dem Arm des Anderen. Komme mit, hinter dem Schankraum dort ist ein kleiner Fischteich.  Sie stehen beide auf und eilen zum Teich. Beide stehen dicht zusammen und starren auf die Wasseroberfläche. Sie sehen sich jetzt zum ersten Mal gemeinsam. Nur ihre unterschiedliche Kleidung lässt es zu, dass sie sich selbst erkennen. Beide sind richtig erschrocken. Voller Furcht treten sie einige Schritte zurück. Ein Teufelswerk. Da ist Zauberei im Spiel. Langsam beruhigen sie sich und gehen zurück in die Schänke.

Katz und Maus-8

2. Akt
Kunibert: Wer bist du Fremder, bist du mein fremdes Ich?
Hat Hexenwerk uns hergeführt?
Man nennt mich Kunibert, den Drachentöter.
Heribert: Dann Prost mein Ebenbruder, dein Name mich berührt.
Mich nennt man Heribert, den wilden Wüterich.
Mein Ritter ist im heil`gem Land.
Ich tat den Eid dem Ritter schwören, das ich beschütz sein Herd und Weib.

Kunibert: Wohlan, den gleiche Schwur ich musste sagen, auf Knie`en ich sprach den Eid.
Mein Herr ist ebengleich, ein edler Graf im Ritterstand.
Er folgte seinem Kaiser Ruf, der Christenheit zurück zu geben,
wo unser Heiland einst gelebt.
Mein Ritter tat es nicht aus Zeitvertreib.
Er strebt nach Gott und ewig, selig Leben.

Heribert: Sei wie es sei, der Herr im Himmel es befahl.
Heb an den Krug, der Abend ist noch lang und durstig ist die Kehle.
Des Teufels Lob, lasst uns den Rheinwein hier genießen.
Ein durstig Mann, hat in der Schänke keine andre Wahl.
Heut ich am Tische, zu gerne, zwischen Wein und Wasser wähle.
Wobei der Gänsetrunk für uns im Dorfteich bleibt.
Wir Knappen, beide werden diese Nacht begießen.
Es lebt sich gut, hier an des Flusses schmalen Tal.

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Kunibert:  Ich sprech dir recht, Dein Red klang gut in meinem Ohr.
Nenn mir den Ort, der Kindheit frühe Tage.
Ich wurde groß, in einem adlig, feiner Wohne.
Schon früh ich einst, mein Elternaus verlor.
Bredel von Abenheim in Worms am Rhein,
und seinem klugen Eheweib, der schönen Kunikunde,
sie gaben Schutz und meiner Kindheit Heim.
    Sie sind im Himmel, nah des Herrgott Throne.    
Als Jüngling dann, da ich von Adel bin, ward ich zum Knappe hier berufen.
He Wirte du, bring einen Krug vom edlen Wein.
Es kratzt die Kehl und Trockenheit spür ich im Munde.

Heribert:   Auch mir fließt edles Blut in meinen Adern.
Die Mutter lieb`st, das Kindbett war ihr Tod.
Mein Vaters Herze brach, noch in der selbig Nacht.
Ich will mit meiner Kindheit Zeit nicht hadern.
Ich litt kein Hunger, war niemals in Not.
Zu Nackenheim man mich gebracht.
Dort lebte ich, der Jugend frohe Stunden.
Bis mich der Graf hier auf die Wehrburg nahm.
Mein Adelshaus ist der von Büllesheim.
Ein alter Adel, Burg und Lehen hier am Rhein.

Kunibert:   Das gleich Geschlecht ist meiner Ahnen Blut.
So sind wir Brüder, gleichem Blutes und der Väter.
Mein Bruderherz lasst uns zusammen trinken.
Der Wein im Krug ist kalt und schmeckt uns gut.
Was nun geschieht, der Morgen ist das neue Später.

Katz und Maus-10

Heribert:   Hast du ein Weib, der deinem Bette Gast.
Ich wär zufrieden mit des Ritters süßen Eheweib.
Die nun allein das Linnenkissen drückt.
Dies Weib, die keusche Blütenfee, sie hätte mir zur Nacht gepasst.
Bis diese Nacht, ich züchtig brav, der fremden Schlafstatt fern ich bleib.

Kunibert:   Ich könnte jetzt die gleichen Worte sagen.
Mein Herz brennt wie ein Feuer, glühend heiß.
Das Ehebett drückt dort die junge Maid.
Hoch auf der Burg, dort hör ich jede Nacht ihr Klagen.
Geh ich zu ihr, ist Höllenqual für mich der Preis.
Mein Eid kann ich vor Gott nicht brechen.
Ich wär verdammt bis in die Ewigkeit.

Heribert: Was ist zu tun, die reifen Früchte voll Saft.
Wir stellen uns der Gärtner Erntepflichten.
Ich seh die Erntezeit jetzt kommen.
Wir sind bereit und voller Männerkraft.
Den Eid, den Schwur, den brechen wir bei Nichten.
Wir zieh`n als Knappen in die erste Schlacht.
Wenn du die andre Burg zur Heimat erst genommen,
Kommt Erntedank, bald jede Nacht.
Ich auf der Katz, will junges Kätzchen streicheln,
und ihr Nächte schlaflos machen.
Will ihr Umkosen und ihr Schmeicheln.
Lernt nun von mir ganz neue Sachen.

So wechselten beide Knappen in die andere Burg. Ihre Ähnlichkeit war so groß, sie mussten nicht befürchten, ihr böses Spiel wird entdeckt. Beide hatten nur ihrem Ritter den Eid geschworen. So schlugen sie dem Teufel ein Schnippchen. Vor dem Herrgott behielten sie ihre weiße Weste und er sah keine Veranlassung, sie in die ewige Verdammnis zu schicken. Schon immer deuteten die Menschen am Rhein, die klugen Worte eines echten Rheinländers richtig. Leben und Leben lassen, ist dem Himmel gerecht und der Rheinländer Freude.

3.Akt
Die Gemahlin des Ritters auf Burg Katz:
Wie ist die Sommernacht so schwül, ich spüre große Hitze.
Die Nacht ist lang, mein Herz ist schwer.
Mir fehlt des Mannes nächtlich Werk, wenn ich in meinem Bette wühl.
Mein Gott mich vor der Sünd  beschütze.
Ich bin allein, mein Bett ist leer und trostlos ist die Nacht.
Ich hör ein Klopfen an der Tür.
Der Teufel kommt steht´s durch die Luft.
Kommt durch das Fenster, wenn das offen.
Wer ist`s der draußen steht dafür und hat die Tür schon aufgemacht?
Ich rieche starken Männerduft, die mich wohl gleich betäubt.
Ein Mann steht nackt im Schlafgemäuer
Jetzt kann ich keusche Kunikunde, auf wache Nächte hoffen.
Es ist die Biene die bestäubt, der Wiese Blütenmeer.
Kunibert nun komm schon her, du liebes Ungeheuer….

Die Gemahlin des Ritters auf Burg Maus:
Im Burgfried sitz ich ganz allein, denk an den Ritter in der Ferne.
Ich schau der Tauben Gurren zu.
Weit unten fließt der breite Rhein.
Es leuchten hell die Sterne.
O Brunhild du, im golden Käfig hier gefangen.
Zu jung und nach der Liebe schmachten, bist du verlassen und verraten.
Was hilft mein Warten und mein Bangen, darf ich nicht nach Liebe trachten?
Der Knappe Heribert soll zu mir eilen.
Mein Ritter sei er dann und wann, und brav die Pflicht im Bett erfüllen.
Im Ehebett soll er verweilen und machen das was er gut kann.
Als Knappe ist er mir zu Willen, weil Schlechtes steht nicht auf dem Schilde.
Auf der Burg Maus leb ich, Brunhilde.

Katz und Maus-11

Prolog.
Das Jahr ging zur Ende und der neue Sommer zog ins Land. An Johanni warteten die Ehefrauen auf Ihre tapferen Ritter. Der Tag endet ohne ein frohes Wiedersehen. Ihre Männer kamen nicht zurück.
Nach drei weiteren Jahren kam die Nachricht, beide Kreuzritter fanden den Tod. Die Pest hat sie dahingerafft.
Nach einem Jahr der Trauer heiraten die Knappen die jungen Witwen. Sie lebten friedlich und zufrieden noch viele Jahre. Viele Nachkommen zeugten die beiden.

Amen!

Katz und Maus-12

Ihr seht, liebe Leser, es gab schon sehr früh viel Narren am Rhein. Meist lebten sie in Burgen und Schlösser.

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