18 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

Die große Fremdensitzung des CVW folgte dann am 8. Februar in der Rose. Hier kamen nun die Gastredner befreundeter Vereine mit manchmal recht langen Vorträgen zu Wort. Erfreulichere Beispiele waren die gesanglichen Darbietungen  Pfarrer Lehnerts, Kaspar Kloos,  der ehem. Winkler Bub brillierte in gewohnter Weise und der sehr humorige Geisenheimer Narr Osenberg. Weniger lustig wurde dagegen der Redner aus einer  Nachbargemeinde empfunden, der hoch alkoholisiert in der Bütt nur noch lallen konnte, er war ein Opfer des allzu langen Wartens geworden. Der Gipfel falsch verstandener Büttenkomik aber kam mit dem „Dünnes“.

Dieser war dem Elferrat angepriesen worden als Ass des Humors, und was weiß ich noch. Was kam war ein Witzerzähler, der harten Kölner Dialekt sprach, von wenigen im Publikum verstanden wurde und sich zum Dauerlangweiler entwickelte. Mit sanfter Gewalt mussten wir schließlich das Bürschchen aus der Bütt entfernen. Ohne eines Teiles der Gastredner wäre das Programm sicher mehr als gut gewesen. So zeigte erstmals die Clowngruppe Billigen-Heyer, die sich in der Folgezeit mit von Brentano-Lauer-Eger etc. erweiterte, ihre große Qualität im fröhlichen Blödsinn und konnten den ersten großen Erfolg verbuchen. Hans Immerheiser, der Mann mit der Pauke und natürlich mit dem „Kurtchen“ seinem Sohn, das „Ballett“ zeigte sich erneut in guter Form, die Weinkönigin Elisabeth, mit launigen Versen, der Spielmannszug lautstark und gut trainiert. Die Winkler Kolpingfamilie wartete mit zwei Clowns auf und der Höhepunkt waren nach wie vor die „Blaue Fünf“. Mit der „Berliner Ballade“ wurde sicherlich der Vogel auch diesmal abgeschossen, und riss die närrische Menge von den Stühlen.

Der Elferrat beschloss nach der Sitzung, strenger auf die Länge der Vorträge zu achten, vor allem die Vorträge vorher einmal zu prüfen. Leider hat sich das als kaum durchführbar erwiesen, die Empfindlichkeiten der lieben Narren stand dem und manchem anderem im Wege.

Diese Empfindlichkeit sollte sich im Lauf des Jahre 1953 besonders stark bemerkbar machen. Vorerst herrschte noch eitle Freude und die Narrensonne strahlte. Der Staatsakt auf dem Kerbeplatz war inzwischen fester Bestandteil der Winkler Straßenfastnacht geworden. Die ausländischen Delegationen, die närrische Admiralität und die Honoratioren wurden entsprechend empfangen und die Schlüsselübergabe feierlich durch die Narren vorgenommen. Dann fuhr die Wagenkolonne durch die Winkler Straßen. Am Lindenplatz wurde durch den Spielmannszug dem Ehrenpräsidenten ein Ständchen gebracht und der Sitzungspräsident Heinz Kloos dankte Chambes Berg für seine Arbeit in der Winkler Fastnacht. Die Vorbereitung zu diesem fröhlichen Spektakel war wiederum vom Bürgermeister Wiss und der Gemeindeverwaltung vorgenommen worden. Der Erfolg war entsprechend und ein ganz prächtiges Wetter bracht eine große Menge Leute auf die Beine, die sich gegenseitig in die Ohren sehen konnten und aus vielen Orten kamen. Es hatte sich herumgesprochen, dass in Winkel an Fastnacht immer etwas los ist. Einen entsprechenden Betrieb konnten die Lokale und Straußwirtschaften verbuchen. Manche  Beobachter, zum Beispiel Leute von der Presse sprachen oft davon, dass in Winkel die Fastnacht von einem Großteil der Einwohner gefeiert wird, im Gegensatz zu vielen Orten im Rheingau, wo sich das närrische Geschehen fast nur innerhalb einzelner Vereine abspielt.

Der Rosenmontagsball in der „Rose“ brachte dem Verein nochmals ein übervolles Haus und entsprechend zufriedene Vorstandsgesichter. Die Kampagne hatte dem Verein eine ganze Reihe neuer Mitglieder zugeführt.  Auch die Zahl der tätigen Mitstreiter nahm erfreulicher Weise zu.

Man wird es mir nachsehen, dass ich nicht mehr Einzelne nennen möchte. Die Gefahr, besonders verdiente Mitstreiter oder jene, die sich dafür halten, zu vergessen und da können die Narren ganz schön närrisch werden. Kurz und gut, die Fastnachtszeit blieb allen in guter Erinnerung. Wie gewohnt folgte die den Narren eigene schöpferische Pause.

Ende April 1953 wurden einige Vorstandsmitglieder vom Vorsitzenden zu einer notwendigen Besprechung gebeten. Dabei ging es um den Ausflug nach Eibingen und um den Spielmannszug. Am 30. Mai folgte dann eine Sitzung des Gesamtvorstandes zur Vorbereitung der Generalversammlung im „Alten Brauhaus“. Der Ausflug nach Eibingen bei bestem Wetter brachte vor allem die Aktiven auf die Beine und in die richtige Stimmung. Auch die Jahreshauptversammlung verlief in voller Harmonie. Alles Friede, Freude, Eierkuchen! Am 29. August erhielten dann alle Vorstands- und Elferratsmitglieder die Einladung zu einer fröhlichen Runde ins Haus Brentano, eine Geste unseres Elferratsmitglied Achim von Brentano, der, so weit ich mich erinnere, alle gerne nachkamen. Eigentlich recht fröhlich begonnen, endete die Zusammenkunft weniger lustig. Da hatte der Vertreter des Sitzungspräsidenten Kloos einem ehemaligen Rheinbankbündler und Elferrater, der sich rar gemacht hatte, den Orden für Nichterscheinen oder mit einer ähnlichen Formulierung überreicht. Dieser, natürlich in närrischer Befindlichkeit, zog sich schmollend ins Eckchen zurück  Heinz Kloos erbot sich nun die verfahrene Situation wieder ins Lot zu bringen.

Da sprang der Erste Vorsitzende mit einer wenig humorigen  Betroffenheit auf, um dann in wenig schmeichelhaften Worten und noch geringeren fastnachtlichen Gestus seinen Vereinesvorsitz den verdutzten närrischen Kollegium hin und vor die Füße zu werfen. Wütend verließ er die gastliche Stätte, mit ihm drei seiner Mitstreiter. Keiner, von uns armen Würstchen in der Runde konnte sich diesen gewaltigen Ausbruch erklären. Da hatte offensichtlich jemand sein Humor verlassen und den Schlüssel vergessen! Der Anlass eigentlich eine Lappalie und allgemein unverständlich. Am nächsten Tag lagen bereits dem Verein drei Austrittserklärungen vor. Das war es dann! Oh alter Narren, Herrlichkeit! Uns Jungcarnevalisten, die wir noch waren,  überraschte zwar diese Explosion närrischer Darstellungskunst, doch sicherlich waren wir nach dem ersten „Baff“ und dummen Gesichtern nicht gerade traurig gestimmt. Denn die Vereinsführung hatte öfter als gut war, nach Gutsherren-Art gehandelt und uns eben nicht immer mit Freude erfüllt. Es zeigte aber auch uns „Nachwuchs-Carnevalisten“, dass im Rheinbankbund wohl auch nicht immer die Narretei thematisiert wurde, oder vielleicht doch?

Der  Rest des Vorstandes kam dann überein, dass Heinz Kloos dem Verein vorstehen sollte, bis die Hauptversammlung einen neuen Vorstand wählt, damit ging es zur Tagesordnung.

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