24 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

In den Jahren 1951-52 gab es „Holzhackaktionen“ beim zweiten Vorsitzenden Anton Graf. Da wurde jeweils Samstags Nachmittag von Vorstands- und Elferratsmitgliedern Holz gespalten, damit die Heizung des Saales für die Sitzungen und Maskenbälle gewährleistet werden konnte. Zum Vorheizen wurden in den eiskalten Saal dann jeweils –zig Stunden vorher eiserne Kokskörbe gestellt. Nun zählten die Brennmaterialien auch noch Jahre nach der Währungsreform (1948) zu den begehrten Raritäten der Zeit. Die organisierten Kohlen, Brikett – Koks und Holzbestände mussten daher entsprechend gesichert werden. So wurde ein Wachdienst eingerichtet. Wilhelm Vollmer (Knopphut) und Johann Freimuth (Troppeschwitzer) haben diesen Dienst in den Nächten vor den jeweiligen Veranstaltungen übernommen.

Neben der Aufstellung eines Spielmannszuges, startete eine neue Truppe nahezu unbemerkt ihr Wirken auf der närrischen Bühne: Das Be-Ro-Ballett. Der Name wurde von dem Vorsitzenden Gottlieb Heinrich Eger erfunden. Nach seiner Version war Berg der Initiator und Roscher der Instruktor, also Be-Ro-Ballett. Dazu kann ich als direkt Beteiligter folgendes zum Entstehen unserer Garde sagen. Über eine längere Zeit gab es dazu schon Absichten im Vorstand die Sekretärinnen stärker in das närrische Geschehen einzubinden.

Diese Überlegungen stießen aber auf wenig Gegenliebe. Auch waren einige der Damen bereits stärker liiert und das Interesse am Carnevalverein hatte dadurch stark abgenommen. Unser lieber Kanzler Peter Berg erfreute uns aber auf jeder Vorstandssitzung mit seinem „Mir müsste e‘ Ballettche hawe“ und darauf  konnte ich ihm nur erwidern:„dann müssen wir eben eines aufbauen“ und  damit hatte ich schon den Auftrag eine Tanzgruppe oder Garde aufzustellen. Zum Glück stand mir hier auch Gustav Gorgus hilfreich zur Seite. Mädels gab es reichlich, die gerne mitmachen  wollten. Das Problem lag bei den Eltern, da bedurfte es bei den Meisten großer Überzeugungskraft bis die „Kinder“ mittanzen durften. Die Kinder waren damals immerhin zwischen 16 und 18 Jahren alt! Zu meinem Glück gab es noch kein Fernsehen, und auch andere Vergnügungsmöglichkeiten waren dünn gesät. So brachten die wöchentlichen Proben für die Mädels eine willkommene Gelegenheit dem Alltagstrott zu entkommen. Proben?  Dazu brauchten  wir Musik, Gustav besaß ein altes Grammophon mit kaputter Feder und entsprechend waren die Proben. Dann versuchte sich eine willige aber wenig Geübte am Klavier mit dürftigem Erfolg. Endlich gelang es mir Peter Giez zu überzeugen, dass sein Filius Bernd Hans, damals gerade fünfzehn geworden, bei uns der geeignetste Begleiter zu unserer Tanzerei sein müsste. Von da  an ging es bergauf. Die Stimmung stieg, die Proben wurden mit Begeisterung besucht und der Zusammenhalt unter den Mädels war bestens. Nun blieb noch das Problem mit den Kostümen und Uniformen.

In Frankfurt habe ich die Kaufhäuser abgeklappert und preiswert  Stoffe besorgt, genäht wurde von Luise Träuptmann und Anhang. Die Eltern von Ernst Grimm, haben in Tag und Nachtarbeit die Stiefel erstellt und dafür nur einen geringen Materialwert berechnet. Die Uniformverzierungen und die Mützen wurden von den Mädels bei „Roschers“ in der Stube in abendlichen Nähstunden gefertigt. Es würde wirklich zu weit führen, all die vielen  Misshelligkeiten darzustellen, die den Beginn der Garde begleiteten. Heute, wo man bei Einzinger in München oder sonst wo nach Maß die Uniformen und Kostüme mit allen Pi-pa-po bestellen kann, wird unsere Arbeit nur so manchem Frackfastnachter ein müdes Lächeln abringen. Trotzdem: Diese Mädels waren der Grundstein einer langen über fünfzigjährigen, ununterbrochenen Tradition der Winkler Garde. Ich freue mich, den Aufbau dieser Truppe mitgestaltet zu haben und bin stolz auf meine Mädels von damals.

Zur ersten Garde des CVW, die sich 1952 gründete, gehörten die Mädels:

Marianne Wengel Hildegard Strohschnitter
Edith Keppler Ria Strohschnitter
Herma Vollmer Gitti Jirsch
Lisa Kienberger Elli  Jirsch
Helga Fleck  


Einige Zeit später erfolgte nach längerem Bitten und der Zusage die Uniformen selbst schneidern zu lassen, die weitere Aufnahme von Emmy Vollmer und Marlies Bruchhäuser in die Garde. Obwohl die Tanzgruppe noch nicht öffentlich aufgetreten war, bestand bei den Winkler Mädels ein starker Anreiz Mitglied der Garde zu werden. Wir mussten weitere Bitten abschlägig bescheiden, denn die Gruppe sollte überschaubar bleiben.

Am 25. Januar 1953 stellte sich die neue Garde unter den Klängen des Narrhalla-Marsches in der “Rose“ auf der ersten Sitzung vor. Mit tosendem Beifall wurde dann der Vorbeimarsch des 6 jährigen „Generals“ Angelika Roscher bedacht. Es war die gelungene Überraschung, ein Kind in einer Phantasieuniform auf der Bühne als Chef der Garde. Im zweiten Teil der Sitzung stellten sich dann die Mädel in einem „Schwarz-Weiß-Tanz“, einer Stepp-Imitation vor und bestanden damit ihr Debüt vor dem begeisterten Publikum glänzend. Seit dieser Zeit ist die Garde Teil des Carnevalvereins und zählt zu den ältesten Garden des Rheingaues.

Am 1. Februar 1953 folgte ein Preismaskenball in der überfüllten „Rose“ der weit über die Grenzen Winkels hinaus den guten Namen des CVW  bekannt machte. Für die Zeit Anfang der 50iger Jahre waren die ausgelobten Preise recht beachtlich. Die Jury, die aus vier Gästen aus Frankfurt und Darmstadt und zwei Damen aus Winkel gestellt wurde, hatte bei der Vielzahl ideenreicher, witziger und prächtigen Masken eine schwierige Aufgabe. Dabei waren die allermeisten Masken, Kostüme, Phantastereien, die sich dem staunenden Publikum zeigten, in oft wochenlanger Arbeit selbst verfertigt worden. Bestellungen per Katalog zählten zu den Fremdwörtern jener Zeit. Dem Verein wurde von vielen Seiten bestätigt, dass die Jury sehr fair und unparteiisch die Preisträger ausgewählt hatte, und die Reihenfolge der Sieger allgemeine Zustimmung fand.

ALL-INKL.COM - Webhosting Server Hosting Domain Provider