24 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

In das Jahr 1955 fiel auch das Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr. Am Festprogramm beteiligte sich der CVW mit einer erweiterten Bero-Gesangsgruppe. In dem überfüllten Festzelt ernteten wir mit den Schlagern „Ja, was sind wir doch für Kerle“ und „Das alte Haus von „Rocky-Docky“ stürmischen Beifall. Für die Gruppe war dies eine sehr willkommene Unterbrechung der Sommerpause und gleichzeitig Ansporn für die weitere Arbeit im Verein. Der Sommer hatte für Vorstand und Elferrat reichliche Arbeit gebracht und nun musste recht schnell der 11.11. vorbereitet werden, der kurz vor der Tür stand und der in den letzten beiden Jahren bereits einen Spitzenplatz im fastnachtlichen Treiben beim CVW einnahm. Natürlich sollte manches anders werden. Peter, unser Urnarr und Ehrenkanzler, schimpfte wie ein Rohrspatz über die „Fratzekräm“ weil man einigen „Elferrätern“ immer nachlaufen müsse, und die Orden und die Kappen. Der Elfte kam, wurde zum guten Erfolg und es gab nur fröhliche Gesichter. Peter brachte den Mädels vom Bero-Ballett wieder die obligatorische Schokolade mit, unsere Eleonore, die Gräfin Matuschka kam wie immer mit ihrem ganzen Hofstaat von Vollrads und es erschienen die Familien Strieth, Höltge und Ohligs und wurden von unserem Präsidenten lange und Wortreich begrüßt. Es waren unter Anderem die Gönner, die den Verein immer unterstützten. Diese Extra-Begrüßungen unseres Heinz Kloos wurden allerdings von Einigen, die nicht in den Genuss der namentlichen Begrüßungen kamen, ärgerlich aufgenommen. Da fällt mir Peter Bamm ein, der meinte: „Wenn die Fastnacht kommt mit seinen heiteren und leichtsinnigen Festen, mit dem wir dem Winter so viel von seiner Strenge nehmen, setzen  die Leute, die von Hause voll tragischer Würde sind, die Narrenkappe auf. Und die Narren, die von Natur voll bezaubernder Albernheiten sind, werden oft sehr streng und hängen sich die Maske der Würde und Gerechtigkeit vor’s Gesicht“!

Damit ist eigentlich alles gesagt was sich in der „Tollen Zeit“ so tut und  bewegt und manch kleiner Narr hält den Größeren für den Kleineren!  Trotzdem  konnte die Stimmung nicht besser sein.  Joachim Gehrig, sprach mit seinem kritischen Prolog zu den vielen hitzigen Debatten über die Wiederbewaffnung, die bevorstand und eine gewisse Nachdenklichkeit machte sich im Saal breit, die aber sofort verschwand als der Ehrenkanzler in seinen mundartlichen Kapriolen die „Spatz un Spätzerche“ flatschern lies. Ich habe in der Folgezeit manchen „Rheugauer Mundartartisten“ gehört, davon haben die wenigsten an die unnachahmliche Art von unserem „Alten Peter“, der im normalen Umgang oft so griesgrämig sein konnte, herangereicht. Unsere Mädels vom Bero-Ballett gefielen nicht nur dem Peter und erhielten reichen Beifall für ihre tänzerischen Leistungen. Exprinz Hans ließ im kurzen Rückblick seine Prinzenzeit Revue  passieren und Heinz Billigen und der „Knopphut“ kalauerten in gewohnten Clowns-Manier. Für seinen Lokalvortrag hatte sich übers Jahr so manches angesammelt, dass der Präsident Heinz Kloos seinem lachenden Volke parodierend und singend zum Besten gab. Heinz Billigen, der inzwischen auch zu den erfolgreichen Akteuren des CVW gehörte, konnte mit „Knorzels Umzug“ einen weiteren Erfolg verbuchen.

Dann folgte unsere Gesangsgruppe mit ihrem „Jahres Panoptikum“ mit den umgetexteten Melodien beliebter Schlager sangen sich die Mädels und Jungs in die Herzen ihrer Zuhörer. Mit dem Ehrenmitglied Josef Lay und seinem „Ergötzlichem“ stand die „Gute alte Zeit“ (die auch nicht immer so gut war!) wieder auf.  Uns, das „Zwiegespräch Roscher-Grimm“ begrüßte man stürmisch. Inzwischen hatten wir ja so was wie Status-Symbol erreicht und wurden bei jedem Auftritt gefeiert. Nach einer Strophe seines, des Winkler Liedes, stieg Joachim Gehrig, der großartige Kommentator des politischen Zeitgeschehens in die Bütt und brachte mit seinem Vortrag den Saal zum Kochen und die Eröffnung 55/56 zum Höhepunkt.  Die Sitzung konnte sich sehen und hören lassen.

Nachdem das „Prinzenjahr 55“ mit dem Festzug und allen anderen Primborium für manchen von uns doch recht anstrengend war, ergaben sich auch einige Veränderungen. So schied unser beliebter Urnarr Hermann Becker aus dem Präsidium aus. Da er gleichzeitig noch Präsident der Kolpingfastnacht war, wurde ihm die Doppelbelastung zu viel. Dazu kamen gesundheitliche Probleme. Hermann Becker ist seiner „Narrhalla“ trotzdem immer freundschaftlich verbunden geblieben. Der CVW hat ihm, gerade in den Jahren der Widergründung, manches zu danken. Darüber hinaus blieben seine exzellenten Vorträge, die stets gekonnt von dem Routinier alter Schule dem begeisterten Publikum in seiner unnachahmlichen Art serviert wurden, noch lange im Gedächtnis. Besonders war es sein Parade-Vortrag „Da rappelt der Wecker, dann is‘ es soweit“, der die Erinnerung an einen lieben alten Freund und Erz-Komödianten lange wach hielt.

Gustav Bareuther und Horst Dietmar Lauer hatten sich zu einen prächtigen Schriftführerteam entwickelt, die Kasse lag weiterhin in den bewährten Händen von Herbert Lang und Jakob Welz. Helmi Heyer, Sänger, Clown und Elferräter, wurde immer mehr zum Beschallungsexperten. Mit seinem treuen Gehilfen Willi Kern begann eine lange Lötkolben-Zeit. Wo und wann immer in den folgenden Jahren Mikrophone und Lautsprecher gebraucht wurden, der Lötkolben war immer in Tätigkeit Bernd Hans Gietz war inzwischen zum Allround-Musikus des CVW aufgestiegen und die Beisitzer-Riege hatte sich um einige Mitglieder vergrößert. So konnte die Saison mit der 1. Sitzung am 21. Januar 56 mit frischer Kraft starten.

Mit dem Fanfarenruf der letzten beiden Fanfaren des entschlafenen Spielmanns-Zuges, (Hans Ohlig, Siegfried Richter, Ernst Grimm und Gustav Gorgus stießen ins Horn) begann das übliche Zeremoniell, Einmarsch etc. Das Protokoll, wurde nach der Begrüßung durch Heinz Kloos, von dem nunmehr fest etablierten Alois Basting gehalten. Es tanzte das Ballett, gern gesehen und stürmisch gefeiert. Fine Basting sang ein umgetextetes Weinlied, die Clown Billigen und Eger debütierten und hatten natürlich die Lacher auf ihrer Seite.  Ihr „Na und Schambes?“ wurde bei uns bald zum geflügelten Wort, wenn es mal einen „Hänger“ gab. Wegen dem Tod eines nahen Verwandten war Joachim Gehrig verhindert und Gustav Bareuther brachte daher Gehrigs Vortrag zu Gehör.

Nach dem Beifallumrauschten Vortrag unseres Ehrenmitglied Margret Göttert ging es in die Pause. Leider war unser lieber Bürgermeister und Rheinbankbündler Meder wieder verhindert und nach einem etwas holprigen Fine Basting-Liedes (Texte von gemeinsam zu singenden Liedern müssen nun mal mit den Melodien harmonieren!) mussten Grimm-Roscher in die Arena und die leicht lädierte Stimmung wieder ins Lot bringen. Unser lieber Alt-Narrhallesse Edo Graf war aus Bremen angereist und ließ mit seinem „Bunten Allerlei“ alte Zeiten auferstehen. Die Bero-Gesangsgruppe parodierte „Der deutsche Film bittet zu Tisch und das Publikum ist restlos bedient“ und wurde dafür mit einem Riesenbeifall bedacht. Der steigerte sich noch bei den Clownerien von Billigen-Knopphut-Lauer. Für die folgenden Beiträge von Hirschmann und Hans Ohlig war es dann schwer diese Stimmung zu halten. Danach wurde geschunkelt und geschunkelt und Heinz Kloos ließ wieder einmal die Madam‘ Ev‘ hochleben und warb für den Staatsakt am 12. Februar. – „Und wieder ging ein schöner Tag zu Ende“ konnten die Karnevalisten mit Fug und Recht sagen.

Die Wiederholungssitzung am Sonntag den 22.Januar verlief etwas ruhiger, jedoch in gemütlicher Atmosphäre und Gäste wie Akteure konnten auch mit diesen Abend zufrieden sein.

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