20 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

Besonders unangenehm wurde es für den Verein durch den Wegfall der „Rose“. Es musste wieder in den wesentlich kleineren Saal bei „Merscheid“ umgesiedelt werden und damit stand erneuter Ärger mit den Eintrittskarten ins Haus. Dazu die erste Sitzung am Samstag 29.01. und die Wiederholung dann am Sonntag den 30.1. 55. Die Prunksitzung setzte dann noch eines drauf mit Mittags- und Abendsitzung. Da war für alle Beteiligten natürlich Stress eingebunden. Die Programme der Sitzungen  waren  recht ausgewogen. Einsame Klasse wie immer Gehrigs außenpolitischer Vortrag,  die Garde zeigten erneut mit Holzschuh- und  Matrosentanz  den Spitzenplatz des Beroballetts in dem närrischen Szenarium. Alois Basting und Ernst Grimm gaben ihr Debüt in Einzelvorträgen, die Clownerien Billigen-Heyer und Co wie immer gern gesehen. Exprinz Wilhelm und sein Kumpan Edo Graf waren aus der Ferne angereist und stiegen mit Erfolg in die Bütt. Die Gesangsgruppe gefiel mit politischen Parodien und die Zwiegespräche Roscher-Grimm hatten sich bereits vordere Plätze in der Publikumsgunst erworben.

Heddernheim war auf der Prunksitzung mit einer Abordnung vertreten und die Kolpingfamilie wartete mit Gastvorträgen auf. Natürlich sprach auch der Prinz und es gab die Orden und,  wie es halt so üblich ist. Allerdings zeigte sich, dass zwei Sitzungen an einem Tag nicht das Gelbe vom Ei sind. Die Abendsitzung wurde träge und es fehlte das gewisse Etwas, der Funke, der von den Akteuren zum Publikum überspringt und wieder zurückkommen muss. Alles im Allen waren die Veranstaltungen einschließlich des Preismaskenballes recht erfolgreich und finanziell durchaus zufrieden stellend. Der Carnevalverein hatte inzwischen einen beachtlichen Ruf erreicht, das darf ohne falschen Stolz festgehalten werden.

Am Rosenmontag, den 21. Februar 55, gab es einen Empfang im Hause des Prinzen Ohlig für Elferrat und den Vorstand des CVW.  Exprinz Wilhelm aus Bremen und einige Ehrenmitglieder waren mit von der Partie, so wurde der Nachmittag zu einer Erinnerungs-Sitzung. Da lebte der Rheinbankbund so richtig auf, sie standen  wieder da, die kuriosen, alten Fastnachter längst vergangener Tage, garniert mit einem Schuss Sentimentalität, einer gut gewürzten Portion Humor, weich oder deftig gezeichnete Menschen, von den närrischen Kumpanen vergangener Tage zum Leben erweckt. Wir Jungen saßen, staunten, wurden jedoch auch recht nachdenklich, wie wenig es eigentlich braucht um fröhlich zu sein!

Die närrischen Tage klangen mit dem schon obligatorischen Heringsessen bei Pitt Kellershof aus. Alle Narrhallesen groß und klein hatten sich nach der hektischen Kampagne und dem   Drum und  Dran eine Pause redlich verdient.  Vorstand und Elferrat traf sich am 4. Mai erneut in der „Alten Bauernschänke“ zu einer Abschlussbesprechung. Dazu waren auch alle die  Vereinsvorsitzenden, der sich aktiv am Fastnachtszug beteiligten Vereine, eingeladen. Die Anwesenden zeigten sich recht zufrieden über den Ablauf des Zuges. Selbst der Bahnübergang an der Johannisberger Straße hatte kaum zu Beeinträchtigungen geführt und alle Beteiligten waren begeistert über die große Resonanz im Ort und die tolle Stimmung bei der Masse an Zuschauern, die aus vielen Orten nach Winkel kamen, um den Zug zu sehen. Da einige Vereine auch Zugplaketten verkauft hatten, erhielten diese ihren Anteil vom Reinerlös. Am 11. August traf sich Vorstand und Elferrat erneut um die Termine festzusetzen und es sollte auf der Mitgliederversammlung über die Eintragung ins Vereinsregister berichtet werden. Dann waren ja die „Elferräter“ irrtümlich mit roten Halsorden ausgestattet worden, diese mussten natürlich gegen „blauen“ eingetauscht werden, da die „roten Orden“ nur Prinzenhälse zu zieren hatten!

Am Kerbemontag trafen sich die Mitglieder zum traditionellen Frühschoppen gemeinsam mit den Sängern der Sängervereinigung im „Goldenen Anker“, der natürlich Stimmungs bedingt erst am Abend endete.

Die Generalversammlung des Vereines fand am 24. August im Gasthaus „Zum Taunus“ statt. In der Zusammensetzung des Vorstandes gab es geringe Veränderungen. Eine Aufstellung kann ich mir hier ersparen, da diese im jeweiligen Narrenspiegel ersichtlich ist, auch der Kassenbericht befindet sich in den Vereins-Annalen, muss also hier nicht nochmals aufgeführt werden. Die Neugründung eines Spielmannszuges war ein heiß diskutiertes Thema und erregte die Gemüter. Der Vorstand wurde beauftragt entsprechende Schritte zu unternehmen. Beklagt wurde, dass sich im Verein in der Sommerzeit zu wenig tue, dazu gab es nun natürlich sofort recht abenteuerliche Vorschläge, diverse Ausflüge, Wanderungen, Sommerfest etc. Davon realisiert wurde später ein Besuch der Straußwirtschaft unseres Carneval- und Clownfreundes Achim von Brentano. Das Wetter war herrlich, der Garten so schön. Der Wein war so gut und so preiswert, Heinz Kloos sprühte vor Witz und die Stimmung konnte nicht besser sein - da wurde es sehr, sehr spät. Mit einem Kameradschaftsabend der Tanz- und Gesangsgruppe am 19. Sept. im  „Rheineck“ (hier hat die Gruppe wiederholt Proben abgehalten) dankte der Vorstand den Mitgliedern für ihre Mitarbeit.  Dabei waren auch einige Gäste aus Heddernheim.

Seit geraumer Zeit versuchten Wiesbadener Carnevalisten den CVW zum Beitritt zur Dachorganisation „Wiesbadener Karneval 1950“ zu bewegen. Am 3. August traf erneut ein Brief bei unserem Präsidenten Heinz Kloos ein. Der Vorstand war der einhelligen Meinung, dass es für den CVW nicht in Frage kommen kann, da bereits unter den Rheingauer Carneval- Vereinen die Absicht eine Dachorganisation zu gründen, feste Formen angenommen hatte. Hier sollten vor allem die Termine der einzelnen Veranstaltungen, Umzüge, Haftungsfragen, Gema etc. abgeklärt werden. Diese Vereinigung der Rheingauer hat dann bald auch zu einem regen Austausch von Büttenrednern, Teilnahme an Fastnachtszügen geführt. Als Präsident fungierte Dr. Emil Dahlen aus Lorch, der mit seiner Frau und Töchtern öfters bei unseren Sitzungen präsent war. Vertreten wurde er von unserem Präsidenten Heinz Kloos, Kiedrich und Geisenheim waren ebenfalls im Vorstand der Rheingauer Vereinigung vertreten.

Nach einer Mitteilung des Schriftführers der Rheingauer -Narren-Vereinigung hat die Gründungsversammlung am 1.Oktober 1955 in Mittelheim stattgefunden. Bis zu diesen Zusammenschluss hatte es allerdings einige Vorgespräche gegeben die sich über eine lange Zeit hinzogen. Der Bund stellte eine gute  Lösung dar und führte über viele Jahre zu einem sehr guten und freundschaftlichen Miteinander der Rheingauer Karnevalisten.

ALL-INKL.COM - Webhosting Server Hosting Domain Provider