20 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

Am 27. September erfolgte die Einladung zu einer außerordentlichen Generalversammlung in das Jugendheim zum 3. Oktober. Es war der Elferratspräsident zu wählen. Dazu stand eine Änderung der Satzung an. Der Vorstand sollte um drei Mitglieder erweitert werden. Am wichtigsten aber war die Aussprache über die Zukunft des Spielmannszuges. Da zu dieser Versammlung auch die jungen Spielleute eingeladen waren, verlief die Aussprache natürlich recht lebhaft. Beklagt wurde die Perspektivlosigkeit, die jungen Spielleute wollten verständlicher Weise oft bei Veranstaltungen außerhalb des Ortes auftreten. Das war selbstredend immer mit ziemlichen Kosten verbunden, doch zu deren Übernahme sah sich der Carnevalverein nicht mehr in der Lage. So kam man schließlich überein, einen eigenen Verein zu gründen.

Da dieser ja auch für andere Vereine und örtliche Veranstaltungen tätig werde, sagte der anwesende Bürgermeister Meder noch die Unterstützung der Gemeinde zu. Damit endete eine Blitzkarriere die so erfolgreich begann, dann so kläglich endete, dafür waren mehre Gründe ohne große Mühe auszumachen: Zum einen gab man den jungen Leuten „Spielzeug“ in die Hände, ohne finanzielle Gegenleistung. In den meisten Spielmannszügen die es zurzeit gab, hatten sich die Mitglieder ihre Instrumente selbst kaufen müssen! Dann bestand berechtigter Zweifel ob der bezahlte Ausbilder die geeignete Führungspersönlichkeit für die Spieler war. Zum Letzten fehlte der geeignete Ansprechpartner im Vorstand des CVW. In einer solchen Gruppe junger Leute, da werden auch Ideen geboren, die nicht zu realisieren sind, da soll jemand da sein mit dem man reden kann, der sich auch durchzusetzen versteht ohne deshalb in Gutsherrenart zu fallen. Ich weiß wovon ich rede, denn meine erfolgreiche Arbeit mit der Tanzgarde und Gesangsgruppe in den Anfangsjahren sind ein sicherer Beweis, dass es Spaß macht mit jungen Menschen zu arbeiten und sie für Narretei und den Verein zu begeistern.

Der Elfte im Elften stand vor der Tür nur das Programm stand nicht dabei! Der ereignisreiche Sommer wirkte da ein wenig nach. Der Abend zeigte wieder erneut, dass der „Elfte Elfte“ wegen der langen närrischen Enthaltsamkeit des Jahres ein besonders guter Einstieg in die Saison sein kann. Unbestrittener Höhepunkt war wie immer der Außenpolitische Vortrag Gehrig, Präsident und Kanzler brillierten in mundartlichen Kapriolen, der ehemalige Rheinbankbündler „Knopphut“ stand erstmals wieder in der Bütt mit seinen „Kennste den“ Witzen. Grimm und Roscher konnten nun endlich ihr erstes Zwiegespräch vortragen und gehörten seit dem über viele Jahre zum festen Repertoire des CVW. Zur Aufbesserung der Kasse gab es Saaltoto. Es konnte gewettet werden auf Sieg oder Platz beim Windbeutelwettessen unserer Gardemädels. Es wurde eine Mordsgaudi und das Publikum wie die teilnehmenden Damen hatten einen Riesenspaß. Erstmals wurde der musikalische Rahmen von Bernd Hans Gietz und seiner Combo gestaltet. Bürgermeister Kloos aus Erbach schwelgte in Winkler Erinnerungen und nicht zu letzt waren es das Bero-Ballett und die Gesangsgruppe, die zu großen Erfolg des Abends beitrugen. Der Lohn für die Mühen unserer Mädels war eine Tafel Schokolade, spendiert von unserem Kanzler Peter.

Am 30.11. fand eine Sitzung der Vereinsvorstände wegen des Fastnachtszuges statt und der Vorstand des CVW tagte dann am 6. und 15. Dezember wegen der Vorbereitung zum Zug. Die Zeit drängte und das Jubeljahr näherte sich mit Riesenschritten.

An Neujahr 1955 besuchte eine größere Abordnung des Vereins die Eröffnungssitzung der Heddernheimer Freunde in deren Clubhaus. Von den vielen ordensbehangenen Frankfurter Mimen und Fastnachts-Päpsten wurden wir anfangs so als quasi Dorfdeppen wahrgenommen. Dies änderte sich schlagartig bei dem Vortrag von Joachim Gehrig. Nach dem üblichen anfänglichen Gemurmel wurde es fast unheimlich still und nach dem Gehrig geendet hatte, setzte ein Beifallssturm ein, wie ihn der Heddernheimer Saal wohl selten erlebt haben mag. Danach versuchte mancher Frankfurter Promi Gehrig als Gastredner zu gewinnen. Für uns war dies der Beweis, dass ein Verein bei Gastbesuchen möglichst nur vom besten Vortragenden vertreten werden sollte. Leider kann man bei Fremdensitzungen zu oft das Gegenteil erleben. Da tummeln sich die Schwätzer und Selbstüberschätzer mit Wandervorträgen von anno Dazumal und langweilen das Publikum.

Einige Tage später, am 6. Januar tagte bereits der Zugausschuss. Der alte Kämpe Jakob Welz hatte den Vorsitz übernommen, Gustav Gorgus und Dietmar Lauer standen ihm zur Seite. Lauer, ein Neffe des Präsidenten Heinz Kloos, einer der talentiertesten Nachwuchskräfte begann damit seine erfolgreiche Tätigkeit im Verein. Über die Sitzungen des Zugausschusses, der in rascher Folge tagte, sind die Protokolle vorhanden und es muss darüber nicht gesondert berichtet werden. Natürlich gehört zum 30. Geburtstag des Vereines nicht nur ein Zug sondern es musste auch ein Prinzenpaar geben. Das brachte  gleich ein kleines Problem, denn die ausersehene Prinzessin hatte ihre 18 Lenze noch nicht ganz erreicht. Nach dem Jugendschutz Gesetz hätte sie zu den Sitzungen abends nicht öffentlich auftreten dürfen. Mit einer Sondergenehmigung konnte dies schließlich gelöst werden. Prinzenpaar wurde Johannes Ohlig jun. und Ilse Riesche, es war natürlich eine gute Wahl wie sich nachher wiederum erweisen sollte. Meisterte doch das Prinzenpaar all seine Aufgaben auf den Sitzungen mit Bravour  und da nach beim Fastnachtszug wurde das hübsche junge Paar von der großen Narrenschar herzlich und begeistert begrüßt. Der Zug brachte ein neues Problem, denn einige Tage vor Fastnacht-Sonntag hatte der Winter mit Schneefall eingesetzt und hielt sich hartnäckig. Da eine ganze Menge Pferde im Zug gebraucht wurden gab es Überlegungen ob man wegen der Rutschgefahr (Streudienst moderner Prägung war noch ein Buch mit sieben Siegeln) nicht den Zug aus fallen lassen sollte. Doch trotz mancher Hemmnisse im Vorfeld gab es einen feinen Zug, gutes Wetter und eine Menge fröhlicher Zuschauer.

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