18 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

Am 28. Februar folgte dann der zur Tradition erhobene Staatsakt. Damit das Ganze einen größeren Rahmen erhielt (ein Fastnachtszug hatte sich wegen zu geringer Beteiligungsbereitschaft der Winkler Ortsvereine nicht realisieren lassen) musste halt der CVW, unser Verein mehr Tamtam machen. So wurde jeder Minister vom Elferrat in einen PKW verfrachtet, bekam eine stramme Gardistin zum Schutz zur Seite. Ein Spielmannszug war ja schließlich auch da,  der sollte mit klingendem Spiel der Wagenkolonne voran ziehen. Damit dies alles noch kunterbunter wurde, gab es auch eine Reiterstaffel. Die Aufstellung erfolgte am Bartolomäer Dreieck. So gegen 11 Uhr zockelte dann der Pseudo-Zug  mit dem entsprechenden Tsching-Bumm und Trara und noch mehr Hellau zum Kerbe-Platz. Hier gab es noch mehr Hellau und unter den Klängen des Narrhalla-Marsches holte die Garde den Bürgermeister aus dem Rathaus. Dieser übergab nun natürlich mit humorigen Worten die Gemeindeschlüssel an den Präsidenten Heinz Kloos. Der erwiderte selbstverständlich noch närrischer und das Volk wurde immer fröhlicher. Nachdem die Lustbarkeiten nicht mehr zu überbieten waren formierte sich der Zug wieder und bewegte sich über Obere Schwemmbach – Taunusstraße – Johannisberger Straße. Dort an der Bahnschranke warteten wir geduldig das Vorbeirattern von -zig Güter- und sonstigen Zügen ab, und gelangten über die Hauptstraße endlich wieder zum Kerbe-Platz, wo sich alles auflöste. Die Carnevalisten zog es freilich zum „Hackes“ um den Fastnachts-Sonntag gebührend ausklingen zu lassen.

Am Montag sah der Saal „Rose“ wieder alles was Beine hatte beim Rosenmontags-Maskenball. Beinahe wäre es bei dieser Veranstaltung zu einem Vorfall wahrlich „närrischer Güte“ gekommen. Der Vorstand hatte frühzeitig die Tanzkapelle bestellt, da es erfahrungsgemäß in der Fastnachtszeit weit und breit an Musikern mangelte. Nach und nach trudelten die Notenakrobaten ein – nur der Schlagzeuger nicht! Da war guter, vor allem schneller Rat gut und teuer. Mit allerlei Tricks und Drehs wurde der Pauckenmann einer anderen Kapelle, die im Saal der Bauernschänke spielte, abgeworben und in die „Rose“ verschleppt. Meines Wissens waren es Herbert Lang, Alois Basting etc. denen diese „Pauckenpiraterie“ gelang. Zum Verständnis der damaligen Situation sollte man wissen, dass es feste Kapellen sehr wenige gab.

Da wurden einzelne Tonartisten vom Arbeitsamt vermittelt, die dann mit Freizeitmusikanten zusammen spielten. Das ergab oft die wunderlichsten Kombinationen, denn mit den Notenkenntnissen manches Stehgeigers oder Trompeters war sicherlich kein Staat zu machen. Sehr oft gab es nach Fastnacht nicht nur gebrochene Herzen sondern noch mehr strapazierte Ohren.

Nachdem unser Kunstverständnis für diese „Bands“ nunmehr reichlich arg strapaziert war, da zog der Vorstand aus diesen Vorkommnissen die notwendige Konsequenz und legte fest dass, in Zukunft mit Musikern gleich welcher Couleur, Verträge grundsätzlich nur schriftlich abzuschließen sind. Die Fastnacht 54 endete dann ohne weiter Vorfälle am Aschermittwoch bei Pitt Kellershof in der Bauernschänke, der dem Carnevalverein aber den „geklauten Paucker“ nicht verübelte, zum Heringsessen. Es gab einen gemütlichen, lang andauernden Abschied von der Fastnacht. Im Vorstand kehrte für Wochen Ruhe ein. Wurde doch unser Präsident Heinz Kloos, wie bereits erwähnt, in den nächsten Wochen mit den Vorbereitungen für das Sängerfest stark in Anspruch genommen.

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