24 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

Mit recht trüben Vorzeichen begann das Jahr 1954, doch brachte der Maskenball in der Zwickmühle für den Verein bereits einen recht beachtlichen Erfolg. Gleich gut verlief die erste Sitzung am 7. Februar im Saalbau „Rose“. Leider hatte sich am Zustand des Hauses trotz vollmundigen Versprechens des neuen Pächters nichts geändert. Die sanitären Einrichtungen waren in einem erbärmlichen Zustand und so manches andere lag im Argen. Nach wie vor kaufte der Verein Heizmaterial, das musste bewacht werden, die elektrischen Leitungen waren nahezu Lebensgefährlich. Man konnte auf nichts mehr zählen, musste aber in der Rose mit Allem rechnen! Das jedoch war vergessen als der Spielmannszug mit klingenden Spiel in den Saal einzog, die Elferräte ihre Plätze einnahmen, die Garde dem Präsidenten gemeldet wurde und Heinz Kloos in seiner ureigensten Art die Besucher der überfüllten Narrhalla begrüßte .

Dann tanzte die Garde von den jubelnden Gästen stürmisch begrüßt und der Kanzler Peter Berg mit seinem närrischen Protokoll in die Begeisterung mit eingebunden. Danach folgte die Winkler Weinkönigin, der Präsident gab einiges aus dem Flecken, von der „Gardesupp“ bis zu den letzten „Heckewertschafts-Geheimnisse“. Das Ballett des CVW zeigte gekonnt und parodierend „Bayrische Tänze“. Lang anhaltender Beifall war der Lohn wochenlangen Übens.

Es folgte ein Zwiegespräch aus Frankfurt-Heddernheim. Ich hatte beruflich in Frankfurt  den Vorsitzenden der Heddernheimer Narren kennen gelernt und dessen Wunsch nach einer Verbindung zum CVW dem Vorstand überbracht. So kamen die Gastredner auf unsere Bühne.
Josef Issinger brachte sein „Siehste nit moi Kapp“ und der Erfolg war ihm sicher. Dann gab es die üblichen Ordensverleihungen, die natürlich die Stimmung etwas sinken ließ (zu lang bis jeder seinen Orden hatte, war für die Mehrzahl der Besucher uninteressant, wurde später geändert.) Der Bürgermeister war entschuldigt und Margreth Göttert wurde geehrt. Josef Lay brachte einige Erinnerungen aus der guten alten Zeit zu Gehör. Die Pause war nach dem überlangen ersten Teil redlich verdient. Die Kinderkrankheiten der Anfangsjahre, Überlängen durch Nebensächlichkeiten, Ehrungen, Ordensverleihungen, etc. sind für die wenigsten Gäste von Interesse. Die Besucher wollen unterhalten werden, wollen Fastnacht erleben.

Im zweiten Teil stellte sich Hans Ohlig jr. vor, der als Prinz für das Jahr 1955 vorgesehen war, denn da sollte das 25-jährige Jubiläum des CVW gefeiert werden und dazu gehört nun mal ein Prinzenpaar und einen großen Festzug sollte es natürlich auch geben mit allem drum und dran. Dann brachte die Weinkönigin ihr Verslein zu Gehör, das Ballett wartete mit einem weiteren Tanz auf,  dann folgte schließlich  Joachim Gehrig mit seinem lang erwarteten Vortrag über die politischen Kapriolen unserer Zeit. Die sagenhafte Rhetorik , die Brillanz so wie die scharfsinnigen und präzisen Verse waren wie immer ein Hochgenus. Da war es für die nachfolgende Gesangsgruppe nicht leicht den Beifall noch zu steigern. Die urkomischen Darstellungen der Billigen-Eger-Clowncompanie setzte dann das i-Tüpfelchen drauf. Das Schlusswort mit dem Winkler Lied beendete eine der großen Sitzungen unseres CVW.

Am 4. Februar tagte der Vorstand im Jugendheim, es ging hauptsächlich um die verflossene Sitzung und dem Wunsch(wieder einmal) in Zukunft die Sitzungen zu straffen. Reimann bat um Mithilfe zu der Busfahrt seiner Spielleute nach Pfungstadt zu einem befreundeten Tambourcorps. Da hatten sich wohl einige Organisations-Probleme ergeben.

Am 21. Februar gab es die Fremdensitzung, die in weiten Teilen Programmpunkte der Sitzung vom 7. Februar enthielten. Da brillierten die alten Kämpen Wilhelm Basting und Edo Graf und natürlich Pfarrer Lehnert der großen Beifall für seinen gesanglichen Vortrag erhielt. Ärgerlich empfand man die Pfungstädter Gäste, die unverfroren Zugplaketten ihres Fastnachtszuges verkauften und den Ablauf der Sitzung störten. Unsere Freunde aus Oestrich hatten wegen der langen Wartezeit dem Alkohol reichlich zugesprochen und so geriet ihr Auftritt zu einer negativen Lachnummer. – Ernst Grimm und meine Wenigkeit wollten uns erstmals im Zwiegespräch versuchen. Da aber Mitternacht längst überschritten war, verzichteten wir doch lieber auf unser Debüt. Wie nicht anders zu erwarten war es nach zwei Uhr in der Nacht bis der Letzte die Bühne verließ und das letzte Helau verklang!

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