21 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

Wer sich der zeitintensiven Arbeit eine CVW Geschichte, über den zweiten Frühling bis in die achtziger Jahre zu schreiben erdreistet, stellt sich zu allererst die Frage: Wem nutzt das Ganze und wird überhaupt mal Einer in die Unterlagen des Vereines schauen, oder orientiert man sich lieber an Geschichten und Histörchen, die über die unmittelbare Nachkriegszeit und den Wiederbeginn des Winkler Vereinslebens im Umlauf sind und leider öfter als es gut sein kann, recht wenig mit den damaligen Begebenheiten zu tun hatten. -  Wer sich jemals an eine Vereinshistoriegraphie wagt, kann entweder nicht recht bei Trost sein oder gehört zu der „seltenen“ Spezies Vereinsmeier. Mancher mag finden, dass Beides auf mich zutreffen könnte. Oft, jedenfalls öfters als einem lieb sein kann, gleichen solche Chroniken  eineiigen Zwillingen. Das hat einen simplen Grund: Die Meriten der Institution Verein (welcher Couleur er ja auch immer sein mag) sind in große Worte zu fassen! Es zwingt das arme Schreiberlein vor allem die hohen Verdienste des Vereinsadels in das strahlendste Licht zu stellen. Das lässt sich zurückverfolgen bis zum „Anton den Heuschnupfigen“, der Anno Tobak die erste Antiliga gründete. Leider ist bei allem Licht auch jener Schatten, in dem die Vielen derer, die oft die meiste Arbeit für den Verein geleistet haben, stehen, und deren Verdienste unter den Tisch fallen.

Sucht man sich heute eine Vorstellung von der Fastnacht nach dem Kriege zu machen, kommen Dinge in Betracht die Jeden der die Zeit nicht erlebt hat, irrsinnig vorkommen und völlig unverständlich erscheinen müssen. Für junge Menschen, die in die Zeit der Fülle hineingeboren wurden, wird es kaum möglich sein, die damaligen Situationen richtig einzuschätzen. Wer kann sich heute wohl in diese Jahre nach dem Krieg hineinversetzen, in dem dürftige Straßenbeleuchtung schon zum Genuss zählte! Wie schön es empfunden wurde, am Abend die Fenster nicht verdunkeln zu müssen – ohne Strafe – und keine anfliegende Bomber drohten mit Tod und Vernichtung. Selbst Jahre nach dem Kriegsende steckte das alles noch in den Knochen. – Die Stimmung war nicht unbedingt vom Alkohol abhängig. Wer sich in diesen Zeiten einen richtig hinter die Binde gießen wollte, musste sich seinen Stoff schon mitbringen, dafür durfte dann das beliebte „Stoppegeld“ bezahlen. Die kargen Berichte der wenigen von der Militärregierung zugelassenen Zeitungen die es damals gab, spiegeln kaum die abenteuerlichen Verhältnisse in den ersten Jahren nach 1945 wieder.

Josef Lay schreibt richtig im Narrenspiegel, dass man sich im Juli 1949 auf Initiative des Heimatvereins im Hotel „Merscheid“ traf und einen Elferrat zusammenstellte. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass der damalige Bürgermeister Wiss hierzu den Anstoß gab. Er war es der in den Monaten vorher immer wieder versuchte die „Ehemaligen“ zusammenzubringen. Er suchte „Neue“ wie Joachim Gehrig und mich für den Elferrat zu gewinnen. Sicher lag dem alten Mainzer Wiss die Fastnacht in Winkel richtig neu zu beleben, sehr am Herzen. Doch da gab es auch noch Wunden aus der zurückliegenden Zeit, die noch nicht vernarbt waren.

Dazu kamen die alltäglichen Sorgen um das karge Leben, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit beherrschten trotz Währungsreform den Alltag. Eigentlich war da wenig Platz für Frohsinn und Narretei. Der vor wenigen Jahren beendete Krieg saß noch mit seinem Elend und Schrecken in allen Winkeln und Ecken, besonders in den Köpfen der meisten Menschen. Viele warteten noch auf die Heimkehr von Vater oder Bruder aus der Gefangenschaft, dazu die vielen Frauen, die auf die Rückkehr ihrer vermissten Männer hofften, oder wenigstens ein Lebenszeichen ersehnten. Dazu die riesigen Flüchtlingsströme aus den ehemaligen  Ostgebieten, aus Pommern-Ostpreußen, aus Schlesien und der Tschechei, Ungarn und Rumänien und von wo weiß ich, noch immer kamen. Dies stellte die Gemeinden vor schwierigste Aufgaben der Unterbringung und Versorgung. Der mögliche Wohnraum war größtenteils bereits von den ausgebombten Familien aus umliegenden Städten und dem Ruhrgebiet belegt. Dass dabei die entstehende Enge durch Überbelegung in den Ortschaften bei den Einwohnern nicht immer auf das nötige Verständnis stieß, darf als sicher angenommen werden. Dazu war die Entnazifizierung noch nicht abgeschlossen und entsprechende Ressentiments nicht aller Orts überwunden. Kurz gesagt: Friede –Freude – Eierkuchen- Stimmung war nicht angesagt, als Willi Wiss den zweiten Versuch mit der „organisierten Fastnacht“  in Winkel startete.

Der erste Versuch, mit einem zeitgemäß geschmückten Obstwagen und mit dem Transparent „Die elf klorschten  Kerle vun Winkel“ versehen, am Fastnachtsonntag 1949 die Straßenfastnacht in Winkel zu beleben, musste als ein ausgemachter Flop angesehen werden. Zum einen nahmen die meisten Winkler keine Notiz von diesem „Festwagen“, und ob die auf dem Vehikel Versammelten nun gerade das „Gelbe vom Ei“ waren, darf mit Recht bezweifelt werden. (Ich gehörte übrigens auch dazu!)  So startete nun der zweite Versuch über die Ortsvereine, der „Narrhalla“ neuen Odem einzuhauchen. Wenn man Zettel, Randnotizen, Hinweise, Belege sichtet, von Personen, Dingen, Begebenheiten, die heute kein Deibel mehr kennt, ja, bestenfalls mal was davon gehört hat. Da fragt man  sich schon ab und zu einmal: Wozu das alles? Irgendein kluger Kopf soll einmal gesagt  haben, „dass Erinnerung der einzige sichere Besitz ist!“  Hoffentlich hat er Recht. Als einer der Restdinos, die seit Wiedergründung des CVW dabei waren, möchte ich belegbare Fakten zu Papier bringen, Dinge, Situationen, die erlebt wurden, eben „Vereinskräm“ aufschreiben, die zum Vergessen zu schade wären. Vereinsgeschichte erlebt und erlitt, nicht nur das chronologische  Festhalten oder gar verherrlichen von närrischer Gloriosa sondern einfach Sachzusammenhänge aufzeigen und durchaus auch Kritisches anmerken.

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