24 | 11 | 2017

Winkler Fassenacht hat Tradition ...

Josef  Lay, einer der Gründerväter der Narrhalla schrieb dazu im Leitartikel des 1. Narrenspiegels im Jahre 1952:

Vor nahezu 100 Jahren mit der Gründung des Gesangvereins „Liederkranz“ im Jahre 1854 nahm der Karneval in Winkel/Rheingau schon feste Formen an. Besonders die karnevalistischen Veranstaltungen dieses Vereines waren stets Anziehungspunkt für Winkler Bürger, die dann in launischer Art erfuhren, was sich in Winkel besonders zugetragen hatte. Als aber das Maß einmal voll war, schlossen sich Ende der siebziger Jahre junge Burschen von Winkel zusammen und brachten der Bevölkerung am Fastnachtsonntag in wohlgesetzten Versen die Neuigkeiten von den „Liederkränzlern“, die die Jahre vorher alle Anderen verulkt hatten.. Das war der Anfang karnevalistischer Streiche. Später kam dann im Gasthaus Petri (der heutigen Bauernschänke), die „Bacheracher“ auf, die ihr Tagungslokal an den Fastnachtstagen durch die Aufstellung einer überlebensgroßen Puppe, die fast vier Meter hoch ausgeschert werden konnte, kenntlich machten. Außerdem hatten sie ein Schild angebracht, auf dem ein biederer Bürger Richtung Eingang zog mit dem Hinweis: „Daar geht aach bei die Bacheracher!“ Auch diese Stammtischvereinigung sorgte für gute Stimmung an den Fastnachtstagen. Führend war hierbei Herr Josef Berg, ein Onkel unser „Berge-Buwe“ Schambes und Peter.

In den neunziger Jahren wurde dann im Ortsteil „Bartholomä“ die „Narrhalla“ aufgezogen, die ihre ersten Tagungen im heute nicht mehr bestehenden Gasthaus „Eger“ abhielt. Ihr erster Präsident war Adam Lay, zu den Beisitzern gehörten Adalbert Adelmann, Ludwig Mayer, Heinrich Eger (Vater des heutigen Vorsitzenden) usw. Als Zeremonienmeister wirkt achtungsgebietend Philipp Zorn und als „Zugpolizei“ Robert Schneider.

Um die Jahrhundertwende veranstaltete diese „Narrhalla“ wohl gelungene Fastnachtsumzüge und zwar 1901 den Boxeraufstand darstellend, und 1902 die Buren und Engländer, mit jeweils über dreißig Zugnummern. Damals gab es noch keine Autos und Lastwagen, die zur Verfügung gestellt werden konnten, sondern alles wickelte sich mit Pferdezug ab, und es war erstaunlich, wie geschlossen sich ganz Winkel beteiligte. Die Ortsvereine nahmen sämtliche teil und überboten sich mit ihren Leistungen. Ein Prunkstück waren die „Vereinigten Mächte“, „Kanonenboot Iltis“ usw.  -  Der heute noch lebende, jetzt sechsundachtzigjährige Ludwig Mayer, verfasste alle Lieder und fand damit ungeteilten Beifall. Wenn man mit ihm heute in einer Straußwirtschaft oder der Zwickmühle zusammentrifft, kann man manches noch hören. Im Gasthaus Sauermann traten dann die „Knorweler“ auf, die ebenfalls an Fastnacht ihre Streiche ausführen.

Ihnen folgten dann im „Amer“ dem heutigen Gasthaus zum Hasensprung, die „Baageeser“, ein geselliger Zusammenschluss junger Leute, die sich ebenfalls am Karneval beteiligten und unter der Benennung „Fidelitas“ an Fastnacht ihre Aufzüge veranstalteten. So fuhren sie auf ihren, zu Rennwagen umgestalteten Fahrrädern, 1908 das „Gordon –Bennet-Rennen und 1909 einen Zeppelin-Zug“. Neben diesen Sondergruppen traten die Ortsvereine mit ihren Masken-Bällen (Preismaskenbällen) auf, die stets volle Häuser mit froh gestimmten Besuchern hatten. Bis zum ersten Weltkrieg hatten die Fastnachtstage immer einen guten Zuspruch und bei dem traditionellen „Schnorren“ am Fastnachtsmontag, an dem sich  Jung und Alt beteiligte, konnte man von so mancher „Alten Frau“ seine Schandtaten aufgedeckt bekommen.

1923 und 1924 trafen sich dann in der „Gut Stubb“ dem grünen Eckzimmer beim „Onkel Karl“ (Weinhändler Karl Derstroff) unter Führung von’s „Berge-Buwe“, den beiden urnärrischen Cousins Schambes und Peter Berg, junge Leute zusammen, die sich im Sommer schon auf einer Rheinbank zusammengefunden  und nach ihr dann den Zusammenschluss den „Rheinbankbund“ nannten. Als treuer Mitläufer kam Jahr für Jahr aus Geisenheim der „Knopphut“ als Stimmungsmacher mit seiner „Senta“ zum Rheinbankbund. Er war auch ein kräftiger Mitarbeiter bei der Ausgestaltung des Narrenschiffes, mit dem der Elferrat 1926 durch den Rheingau fuhr. 1925 trat dann der „Rheinbankbund“ nachdem er sich eine Fahne zugelegt hatte, erstmals im „Hotel Rheingauer Hof- Vatter Fritz un de Baas“ (das waren Fritz Altenkirch und Lena) auf, unter der Leitung von Chambes Berg als dem Präsidenten und Peter Berg als Kanzler, denen sich in den nächsten Jahren als Mitglieder des Elferrates die Herren Hermann Becker, Heinrich Meder, Philipp Berg (der spätere Liederdichter), Hans Stumpf, Philipp Mayer, Heinz Kloos neben den beiden bravsten Mitgliedern Wilhelm Basting (Prinz Karneval im Jubeljahre) und Edo Graf anschlossen. Das elfte Mitglied Hans Nonella fand leider im 2.Weltkrieg den Tod. Nach langer unfreiwilliger Ruhepause wurde dann durch den Heimatverein Winkel im Juli 1949 in einer schwungvollen Sitzung der Elferrat der „Narrhalla Winkel“ wie sich der ehemalige „Rheinbankbund“ nannte, neu aufgestellt und für die ausgeschiedenen Mitglieder Wilhelm Basting, der nach Bremen verzog und Edo Graf, der anfänglich nach Miltenberg übersiedelte, aber dann seinem Busenfreund Wilhelm auch nach Bremen folgte, Ersatz in den Herren Heinz Roscher, Joachim Gehrig und Wigbert Freimuth (für Hans Nonella) berufen- - - - - - - - - - -

soweit der Bericht eines der Gründerväter der Narrhalla oder besser des „Rheinbankbundes“ Josef Lay im Narrenspiegel 1952.

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