Schlappeabend

50 Jahre Schlappeabend (Bericht aus unserem Narrenspiegel 2003/04)

Der Vorsitzende Herr Dietmar Schneider hat mir im Vorfeld der Fastnacht 2003 den ehrenvollen Auftrag gegeben, ich sollte recherchieren, seit wann, wieso und warum es den gemütlichen Abend, der "Schlappefreitag" heißt, überhaupt gibt. Ich kam dieser Aufgabe gerne nach und traf mich am 31. Januar 2003 beim Ehrenvorsitzenden Herrn Herbert Lang mit den Ehrenmitgliedern Gustav Gorgus, Ernst Grimm und Heinz Roscher. Dabei hat sich folgendes ergeben:


Zur Vorgeschichte:

Es gab in Winkel einen Urnarren, mit Sicherheit Mitglied des CVW seit der Wiedergründung am 11. November 1949, namens Martin Schweikert. Ob er vorher bereits Mitglied war, konnte nicht mehr festgestellt werden. Er betrieb Weinbau und hatte jedes Jahr Straußwirtschaft. Herr Schweikert trat nie auf der Bühne oder bei Sitzungen in Erscheinung aber er besuchte immer die Sitzungen des CVW und vor allem maskierte er sich bei den damals sehr beliebten Maskenbällen in einer unnachahmlichen Art, einfach toll.
Schon während den Fastnachtstagen und ganz besonders am Aschermittwoch beim schon damals traditionellen "Heringsessen" im Jahr 1954 kamen der Elferrat und einige Aktive mit Herrn Schweikert überein: nachdem man sich seit beinah einer Woche fast jeden Tag traf und feierte, wollte man noch einen Tag (den Donnerstag nach Fastnacht) dranhängen. Das Treffen sollte bei Herrn Schweikert in der Lindengasse in den Räumen seiner Straußwirtschaft stattfinden. Man vereinbarte: Metzgermeister und Kanzler Peter Berg spendiert die sogenannte "Schiffsworscht". Warum die "Schiffsworscht" "Schiffsworscht" hieß konnte nicht geklärt werden. Der Vorstand organisiert Brötchen und Herr Schweikert lieferte preiswert den Wein (Weck, Worscht un Woi). Übrigens: Kanzler (später Ehrenkanzler) Peter Berg spendierte auch zum Bühnenaufbau immer die "Schiffsworscht". Einige Namen dieses ersten "gemütlichen Abends" waren: Liese Lotte und Joachim Gehrig, Annemarie und Heinz Roscher, Therese und Heinz (Bob) Kaiser, Heinz Kloos, Luise und Hans Träuptmann und noch einige Aktive von damals. Der Abend war ein voller Erfolg für alle Beteiligten. Also wurde sofort beschlossen, diesen "gemütlichen Abend" auch künftig zu feiern.


Vom "gemütlichen Abend" zum "Schlappeabend"

Die Kunde vom "gemütlichen Abend" bei Martin Schweikert donnerstags nach Fastnacht sprach sich natürlich in Vereinskreisen rum und so kamen im darauffolgenden Jahr 1955 einige Leute mehr. Auch Herr Johannes Ohlig (der Großvater des jetzigen Chefs) wollte gerne zu Martin Schweikert, da er es einigen Herren des CVW versprochen hatte und auch Frau sprach: "Papi, nachdem Du jetzt so toll Fastnacht gefeiert hast, und gestern Abend das "Heringsessen" auch ziemlich feuchtfröhlich ausgegangen ist, bleibst Du aber heute zu Hause." Scheinbar hatte sie irgendetwas von dem vereinbarten Treffen gehört. Gegen 20.00 Uhr sagte Herr Ohlig zu seiner Frau: "Mami, ich muss noch mal nach der Heizung sehen ". Er erhob sich aus seinem Lehnsessel, suchte heimlich ein paar Schuhe, fand aber keine, weil sie wahrscheinlich von "Mami" versteckt worden waren. Da er jedoch seine Frau nicht belügen wollte, ging er zum Heizungsraum, sah nach der Heizung und ging, da er keine Schuhe gefunden hatte, in Pantoffeln zum Treffen in die Lindengasse. Dort wurde er mit viel Hallo begrüßt und man amüsierte sich köstlich, dass es ihm auch ohne Schuhe gelungen war, "Mami" zu überlisten.
Der "gemütliche Abend" wurde deswegen in "Schlappeabend" umbenannt und ab 1956 erschienen alle Teilnehmer in Hausschuhen (Schlappen). Wenn das Wetter schlecht war, ging man auf der Straße mit normalen Schuhen, die jedoch im Haus Schweikert gewechselt wurden. Der "Schlappeabend" erfreute sich immer größerer Beliebtheit und die Teilnehmerzahl wurde immer größer. Da der "Schlappeabend" meistens sehr feucht fröhlich verlief, wurde er im Jahr 1963 auf Freitags gelegt, weil samstags sehr viele Teilnehmer frei hatten. Daher der Begriff "Schlappefreitag". Irgendwann im Jahr 1964te teilte Herr Schweikert dem CVW Vorstand mit, aus Altersgründen (Herr Schweikert war damals 73, seine Frau 62 Jahre alt) könne er den "Schlappefreitag" nicht mehr bestreiten. Der Vorstand möge sich einen anderen Veranstaltungsort suchen. Dank der sehr guten Beziehungen des CVW zu Schloss Vollrads (Gräfin Eleonore war Exprinzessin des CVW) wurde der "Schlappefreitag" ab 1965 im Gartensaal des Schlosses gefeiert. Auch in Vollrads wurde der Gartensaal nur in "Schlappen" betreten. Die Schuhe wurden im Vorraum abgestellt. Oft wurden die Schuhe von "bösen Buben oder auch Mädchen" zusammengebunden aber nicht unbedingt paarweise. Gelegentlich wurden sie auch versteckt, kurzum es wurden an den "Schlappeabenden" auch schon bei Schweikerts allerlei Schabernack getrieben. Bei Schweikerts saß man bei einem "Schlappeabend" einmal so eng, dass einige Leute durch das Fenster klettern mussten, wenn sie mal "mussten". Sehr schön waren auch immer die Fackelzüge nach Vollrads. Man ging nämlich zu den "Schlappeabenden" immer gemeinsam und mit Fackeln, Lampions. Viele von uns können sich sicherlich noch an einen Fackelzug nach Vollrads erinnern, bei welchem die ganze Vollradser Allee bis zum Schloss hoch festlich illuminiert war. Das wurde damals von Winkels jungem Bürgermeister Klaus Frietsch "gemacht". Die "Schlappefreitage" in Vollrads hatten einen so tollen Ruf, dass sie auch sogenannte "Schnutetunker" anlockte. Der Vorstand des CVW beschloss daraufhin: es muss ein Obolus von jedem Schlappefreitagsgast bezahlt werden und die Aktiven bekamen einen Bon, für den sie eine Flasche Wein (oder auch Wasser) bekommen konnten. Das Essen war immer für alle Besucher frei, wurde dann aber aus der Vereinskasse bezahlt. Damals musste auch Gräfin Eleonore Eintritt in ihr Eigentum bezahlen, was sie auch ohne weiteres tat, war es doch auch für "ihren" unseren CVW.

 

Weil gerade vom Essen die Rede war, es gab immer heiße Würstchen und Wurstplatten mit Brötchen. Bei den "Schlappefreitagen" auf der Robert Stolz wurde 1985 zum 60 jährigen Jubiläum des CVW ein Essen mit heiß – kalten Buffet angeboten und von da an beibehalten. Für das Buffet spendieren seit dieser Zeit die Damen der Aktiven die Salate und den Nachtisch. Für Unterhaltung an den Schlappeabenden sorgten Aktive mit kleineren oder größeren Reden. Jeweils aktuelle Gesangsgruppen Beludies, Wikatos, Hohner - Sänger und wie sie alle hießen trugen Lieder vor. Musiker des CVW (Bernd - Hans Gietz, Karl Betz, Kurt Immerheiser, spielten auf, und in den letzten Jahren erklang Musik vom KurWaidDuo) kurzum: die Schlappenfreitage waren immer ein Erlebnis. Durch strukturelle Veränderungen im Schloss Vollrads konnte der "Schlappefreitag" im Jahr 1983 nicht im Schloss gefeiert werden. Aber der CVW wäre nicht der CVW, wenn er sich durch solche Lappalien vom Feiern abhalten ließe. Dietmar Schneider kam auf die Idee: man könnte mit Familie van de Lücht reden, da das Schiff "Robert Stolz" im Winter kaum fährt, könnte man die "Robert Stolz" als Festlokal benutzen. Der Vorstand verhandelte mit Erfolg mit Familie van de Lücht, und der erste "Schlappefreitag" auf der "Robert Stolz" fand am 18. Februar 1983 statt. Die CVW'ler zahlen ihre Getränke selbst und der Verein übernimmt die Kosten für das Buffet. Auf der Robert Stolz wird der Schlappeabend auch heute noch gefeiert und an diesem Termin erfolgt traditionell die offizielle Danksagung des CVW an das amtierende Kinderprinzenpaar mit Überreichung von Urkunden und den Sonderschlappen. Die Schlappen sind in Handarbeit in Ordenform mit Schnur zum Umhängen hergestellt, eine Idee unseres verstorbenen Ehrenmitgliedes Marianne Hilsdorf, diese Idee wird heute von Waldemar Christ fortgeführt. Seine Fell- oder Lederschlappen sind immer am Abend zu erwerben und der Erlös fließt in die CVW-Jugendarbeit. Das Kinderprinzenpaar hält einen Rückblick auf Besonderheiten ihrer Regentenzeit und enthüllt oft bis dahin unbekannte Ereignisse. Auch von den Büttenrednern ist so der eine oder andere "Lapsus", das eine oder andere Highlight der Kampagne an diesem geselligen Abend zu erfahren.

 

Aus den Ausführungen können Sie, liebe CVW'ler, unschwer erkennen: 2003 hatte der CVW Jubiläum: 20 Jahre Schlappefreitag auf der "Robert Stolz". Außerdem war 2003 der 50. Schlappeabend, denn der "Schlappeabend" - zuerst "gemütlicher Abend" wurde seit 1954 ununterbrochen jedes Jahr gefeiert.
Wer jetzt genau nachrechnet, im Jahre 2004, genauer am 27. Februar 2004, kann der CVW »50 Jahre Schlappeabend« feiern (eine Besonderheit ohne Gleichen in unserem Verein, eine Veranstaltung ohne Unterbrechung seit nunmehr 50 Jahren) und wie man den CVW kennt, wird er dies auch tun.

Sind Sie, bist Du als "Aktiver" dann auch dabei?

Mer freie uns!