21 | 11 | 2017

Eine tolle Idee - ein Theaterfilm als Rhetorikförderung des CVW Nachwuchses

Warum gab es eigentlich in Winkel keine Ritter, eine Frage die sich sicherlich nicht nur der CVW schon einmal gestellt hat, oder?
Nein, sie bewegte mich schon über viele Jahre, seit ich in Winkel wohne. Der Ritter Hilchen, die Brömser, die Sickinger und wie sie alle im Rheingau hießen. Was war also im Mittelalter in Winkel nur los?
Und warum gibt es in Winkel die Namen Freimuth und Allendorf so oft und die Familien gleichen Namens sind noch nicht einmal miteinander direkt verwandt?
Der Stoff aus dem die Träume sind – oder die Ideen aus denen ein Theaterstück entstehen kann. Ja, und wenn dies dann aus den Köpfen von Karnevalisten stammen wird, dann sind auch unlogische Querdenkweisen absolut zulässig und letztendlich auch lustig. So der Ansatz.

Soweit zur Vorgeschichte und nun zu den absoluten Fakten. Meine Idee des Theaterstücks gibt es seit vielen Jahren und sollte die Umsetzung als letzten Baustein der Rhetorikseminare des CVW sein. Mit den Organisatoren der 3 Blöcke zum Rhetorikseminar diskutierte ich diese Idee bereits im Seminar 2009 auf der Loreley. Ergebnis: Wir fahren auf eine Burg, wir sammeln gemeinsam Ideen zum Theaterstück und dann kann es losgehen, dachten wir.
Die Burg zu finden war ein Thema für sich. In unserer Wunschzeit ausgebucht auf Jahre und die gewünschten Räume – na ja. Die Grafenburg zu Dietz war dann eine Möglichkeit, jedoch nicht preiswert. Beim ersten Treffen im Schnitterweg 95 am 25. Februar 2010, zur mannigfaltigen Ideenfindung ging es schon hoch her. Dieses „warum“ mit den fehlenden Rittern in Winkel brachte so manch kuriose Idee aus den Köpfen der Teilnehmer. Dann kam der Drachen des Fastnachtszuges 2010 ins Gespräch und schnell war der wahre Grund gefunden. Ein Drachen war es, der sein Unheil im alten Winkel trieb. Und nun noch die Verbindung knüpfen zu Freimuth, Allendorf und Halbritter und die Handlung steht. Wenn noch irgendwelche Ritter, das Lenchen und der Vollradser Geist ihren Auftritt erhalten, ist das Geschehen perfekt.
Die Erkenntnis reifte: die Burg in Dietz ist für unser Vorhaben nicht nützlich.
Es gibt Handlungsfelder an verschiedenen Rheingauer Stellen und natürlich in Winkel, wie soll das in Dietz darstellbar sein? Also kein Vertrag mit Dietz sondern das Theaterseminar läuft direkt in Winkel ab, es werden Teilszenen als Film vor Ort an den historischen Stellen gedreht und dann Zwischenszenen auf der Bühne live vorgetragen. Konzept erkannt – Umsetzung muss folgen.
Marion Halbritter übernahm nun die schwierige Aufgabe unsere Bruchstücke des Theaterstücks in eine brauchbare Schriftform umzusetzen. Ich kann nur sagen – es ist ihr fantastisch gelungen – so war auch die einhellige Meinung, als erneut im Schnitterweg am 04. März die Welturaufführung von: „Winkel anno dazumal“ (so der Arbeitstitel des Theaterfilms) vor den CVW´lern erfolgte.

Die erste brauchbare Urfassung wurde durch geringfügige Ergänzungen „veredelt“ und zur Grundlage für den Termin am 17. und 18. April bei Schorsch Eger genutzt. Hier erhielten 16 Jugendliche zum ersten Mal Kontakt zu den ihnen zugedachten Rollen. An den beiden Tagen, die auch genutzt wurden zur Besichtigung der Drehorte im Sommer 2010, entstand eine Begeisterung bei den Teilnehmern für den Theaterfilm, die die anstehende zeitliche Belastung sicherlich aufwiegen wird.

theaterseminar_2010
Zwischenstopp auf ein Eis in Oestrich auf dem Marktplatz am 17. April 2010

Am 24. April war der Kostümtag in der Berlbud für alle Darsteller im Theaterfilm. Die Schneiderinnen legten Maß an und hatten so für die nächsten Tage reichlich Arbeit erhalten.
Nun folgten ab Mai die Drehtage an verschiedenen Orten. Die Jugendlichen des CVW und ihre Erwachsenen Begleiter streiften seit Tagen durch unsere schöne Stadt und nahmen an den verschiedensten Stellen die Filmszenen zum Theaterfilm auf. Leider waren die äußeren Umstände wie Wetter und Umwelteinflüsse oft hemmende Faktoren.
Mittwoch 12.05.10    15.00 Uhr   
Treffen mit einigen Kindern in der Berlbud. Nachdem Kostüme und Requisiten verladen waren, wir fast ein Kind vergessen hatten, fuhren wir zum ersten Drehort: Friesental.
Es war bitterkalt, der Dreh musste öfter wiederholt werden, die 5 Kinder froren in ihren Kostümen. Besonders Ritter Patricius in seinem PVC Panzer und den dünnen Leggins. Als seine Mutter ihm die Beine warm rubbelte und eine dicke Jacke umhängte, fühlte er sich aber verwöhnt wie ein Boxer!
Zweiter Drehort eine 3/4 Stunde später: ausgeschlagenes Weinbergsgelände am Plankener, kurz vor der Honigwiese. Dort pfiff uns der Wind dann richtig um die Ohren. Als ein Kind sagen musste: "Die Sonn, die brennt mer uff de Rücke" sahen wir uns nur sehr betroffen und schweigend an. Szene im Kasten, ob sie überhaupt verwendbar war - bei dem Wind - wussten wir nicht. Ein chaotischer Drehtag war zu Ende.
Samstag 22.05.10    10.00 Uhr   
Der zweite Drehtag begann bei Familie Werschnik im Keller. Dem Kameramann war der Keller zu klein. Wir wollten noch ein bisschen Wand rausschlagen, hätte aber zu lange gedauert. Schließlich ging es auch so.
Anschließend folgten Aufnahmen in der "verbotenen Stadt" von OeWi. Bei schönem Wetter klappte alles prima an der Kirchenmauer. Toller Drehort und dann zurück in die Heimat.
Mittagspause, und Fortsetzung mit anderen Schauspielern an der Dachsbergmauer. Die Flugzeuge am Himmel und diverse Traktoren nervten. Sonst lief alles richtig gut.
Samstag 29.05.10   10.00 Uhr   
Dritter Drehtag. Heute sollen alle Drachenszenen gedreht werden mit Unterstützung durch tatkräftige Männer aus den CVW Reihen.
Bevor der große Kampf auf der Honigwiese begann, fuhren wir erst mit den 3 Kindern zum Vollradser Wäldchen. Diese Szene musste am Vorabend noch schnell zusätzlich neu geschrieben werden, da ein "Knappe" einen Fahrradunfall hatte und nicht laufen konnte.
Der Drachenkampf auf der Honigwiese verlief gut. Den verletzten "Knappen" konnte man dekorativ in die Szenen einbauen. Man wird es sicherlich später nicht bemerken, so unser Kameramann.
Anschließend Aufnahmen auf dem Dachsberg. Der Drachen lief an der Dachsbergmauer entlang, schaute neugierig durch deren Maueröffnungen und stolzierte durch und aus dem nahe gelegenen Wald. Besucher der Flötenwegwanderung waren erstaunt über das Drachentreiben in der Winkler Gemarkung und posierten stolz für Erinnerungsfotos neben dem bisher noch namenlosen Drachen.
Nächster Drehort wieder das ausgeschlagene Weinbergsgelände am Plankener, kurz vor der Honigwiese. Eine Kurzszene mit dem Drachen wird noch gebraucht. Alles aus den Autos raus, Kostüme an und Laufszene des Drachen abdrehen und Kostüme aus, Drachen einpacken und weiter geht’s.
Ins Friesental. - Schock -   Genau am Drehort fuhr ein Spritztraktor. Der Winzer gewährte uns 10 Minuten. Also wurde diese -sehr wichtige Szene- in absoluter Rekordzeit gedreht und ein anstrengender Drehtag ging damit zu Ende.
Jetzt neue Energie tanken und dann kommt der aufwendigste Drehtag: das Ritterturnier am 12.06. am Schützenhaus. Wir hoffen auf gutes Wetter und gute Gesundheit unserer Schauspieler und Verantwortlichen.
4. Drehtag am 12.06.10: Schon um 8.30 Uhr
Treffen an der Berlbud. Der größte und aufwendigste Tag liegt vor uns. Alle Schauspieler sind beim großen Ritterturnier gefordert. Ein kleiner Aufbautrupp fuhr schon zum Schützenhaus. Sehr aufwendig war die Szene vor dem Turnierbeginn. Sechs Versuche - Schauspieler schon sehr genervt. Als die Regie zu den Kinder "Szene gestorben" rief, gab es beinahe eine Revolte. Mühsam musste die Regie erklären, dass dies beim Film alles OK und fertig heißt. Die Gemüter beruhigten sich. Vor dem Mittagessen noch schnell eine Dialogszene. Wir wollten gerade anfangen, war in Johannisberg Sirenengeheul. Kommt einmal im Jahr vor. Ausgerechnet jetzt, also Mittagessen. Nach einer halben Stunde zweiter Versuch, wieder Geheul. 3 Minuten Pause, dann konnte man endlich drehen. Gegen 14.00 Uhr waren wir fertig.
5. Drehtag am 17.06.10: 15.30
Treffen zum großen Rittermahl. 8 Kinder gingen nach dem Umziehen zur Familie Brudy. Die Pergola - eine tolle Drehstätte. Wir wurden mit offenen Armen empfangen. Die Schwiegertochter brutzelte schon die Hähnchen. Nach einer kurzen Dialogszene kam das große Essen dran. Mit dem mittelalterlichen Knigge freundeten sich die Schauspieler sehr schnell an. Schmatzen, rülpsen, Knochen wegwerfen, herrlich.17.15 Uhr war alles aufgegessen. Glücklich und knüppelsatt hatten die Schauspieler Feierabend.
6. Drehtag am 19.06.10
Letzte Massenszene soll heute gedreht werden. Das Filmteam fuhr aufs Waldackergrundstück der Familie Mulz. 2 Kinder hatten nur eine Stunde Zeit, so dass die Szenen mit den Beiden zuerst sehr zügig gedreht wurden. Die Liebesszene fiel dem betreffenden Pärchen erst etwas schwer, klappte aber ganz hervorragend. Zwei absolute Profis. Pünktlich zum Abholen der 2 Kinder war alles im Kasten. Jetzt große Massenszene. Alle wussten, was sie zu tun hatten - da kam ein Aufschrei: Patricius hatte eine kleine Kröte gefunden. Nach Bewunderung und Streicheleinheiten konnte es jetzt weiter gehen. Um 12.00 konnten die meisten Kinder nach Hause. Mit nur noch 4 jugendlichen Schauspielern fuhr man an die Dachsbergmauer. Die schon erfahrenen und sehr talentierten Teenies drehten locker und zügig alles ab. Einziger Wermutstropfen, ein Hubschrauberrundflug. Er kostete uns eine halbe Stunde. Gegen 14.00 war auch dieser aufwendige Tag zu Ende.
7. Drehtag 22.06.10
Kleiner Minidreh um 19.00 unter Hannelores Pergula mit Nachwuchsgarde und Trainerinnen. Um das Rittermahl abzurunden tanzten sie auf Boccerinis Menuett. Ihr Auftritt war genauso professionell und gekonnt, wie man es auch von den Sitzungen von dieser Gruppe gewohnt ist.
letzter und chaotischster Drehtag 24.01.10
Mit 8 Kindern fuhren wir gegen 15.30 Uhr an den Plankener um zuerst die misslungene Ernteszene noch mal zu drehen. Dort angekommen der erste Schock. Ein Winzer arbeitete mit einer sehr lauten Spritzmaschine. Er wurde von Eveline gebeten, kurz während der Dreharbeiten aufzuhören. Dies tat er auch prompt. Vielen, vielen Dank für so viel Verständnis. Dieses Mal stimmte der Satz: "Die Sonn, die brennt mer uff de Rücke." Es war sehr heiß. In Windeseile wurde gedreht. Dann mit nur noch 5 Kindern zur Dachsbergmauer. Die 2 Szenen dauerten sehr lange. Endlich war man fertig. Alle waren müde und verschwitzt. Nur noch zu einem kleinen Minidreh aufs Schützenhaus, und dann nix wie heim - dachten wir. Die Szene war ruckzuck im Kasten, dann kam der große Schock. Wir hatten vergessen Patricius ein blaues Auge zu schminken. Drei Kinder mussten Ihre Kostüme wieder anziehen, alles wieder zurück zur Dachsbergmauer und erneut drehen. Bei allen Beteiligten lagen die Nerven blank. Nach knapp 30 Minuten war es dann endlich vollbracht. Der große Filmepos ist jetzt komplett im Kasten. Nun schauten wir vertrauensvoll auf unseren Kameramann und Cutter Stefan, der aus den vielen Puzzelsteinchen ein Meisterwerk zusammensetzen musste. Nochmals Danke an alle netten Personen, die uns Kostüme, Requisiten usw. geliehen hatten und denjenigen, die uns ihre Grundstücke zur Verfügung stellten. Ihre Namen sind selbstverständlich im Abspann des Theaterfilms festgehalten worden.
Am Sonntag, dem 12. September, in der Berlbud im Engerweg 5 erfolgte die Welturaufführung des nun benannten Theaterfilms.

>>Winkel anno 11 hundert 11<<


Dietmar Schneider in Zusammenarbeit mit Marion Halbritter

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