20 | 11 | 2017

Mariele von der Alm, armes Dier, Märchenonkel und Ballett-Festival

Grandiose CVW Bobbesitzung bot fünf Stunden lang Rheingauer Fastnacht vom Feinsten


Winkel (sf) - Aus den Sitzungen des gastgebenden CVW, des Eltviller Carnevalverein, der Rauenthaler Reschhinkel, aus Hallgarten, Johannisberg und aus Taunusstein setzte sich am Dienstagabend das grandiose Programm der diesjährigen Bobbesitzung zusammen, dass bei knapp 300 .Bobbe" für Furore sorgte. Souverän leitete die Sitzungspräsidentin Anita Basting die vor zehn Jahren vom Winkeler Carnevalvereins Narrhalla ins Leben gerufene „Bobbesitzung", aber sie hatte auch ein leichtes Spiel, denn jede Nummer war ein Kracher für sich. Und mittlerweile Ist die Frauensitzung im Bürgersaal des Weinstadl Schorsch Eger schon echter Kult und auch am Dienstag feierten die „Bobbe" mit geradezu überschäumendem Temperament, ausgelassener Stimmung und viel Kokolores mit ihren Gästen aus dem gesamten Rheingau ihre Fastnacht.

Über fünf Stunden tobte der Bär auf der Bühne des CVW, aber auch im Publikum. Frauen haben viel Humor und verstehen es prächtig die Fastnacht zünftig zu feiern, wie sich wieder einmal im Rahmen dieser Sitzung zeigte. Bei fast jedem Musikstück standen die Bobbe auf und sangen, schunkelten und klatschten kräftig mit.

Fetzig und temperamentvoll hatte der Abend begonnen. als die neue Sitzungspräsidentin Anita Basting und die CVW-Nachwuchsgarde gemeinsam mit dem munteren .Elferrat", der bei den Bobbe aber doppelt so viele Mitglieder zählt, die Bühne erstürmten. „Um Trübsaal zu blasen, sind wir zu jung“, meinte Anita Basting und brachte damit sofort alle Damen im Saal auf ihre Seite. Schließlich stand da noch die Präsidenten-Drohung: „Grießkrämer lehren wir heute Mores, wir machen heute alle nur noch Kokolores." Anita Basting ließ die Damen im Saal dann wie es schon Tradition bei der Bobbesitzung ist, feierlich auf das gemeinsame Fastnachtsfeiern der Bobbe schwören. Diese närrische „Vereidigung" ist nicht nur äußerst witzig, sondern war auch sehr beeindruckend, als fast 300 Frauen die Finger zum Eid hoben und zum Beispiel den „Diäten abschwören" oder auf die „weiblichen Reize“ schwörten. Die Chose auf der Bühne eröffnete dann die CVW-Nachwuchsgarde mit einem prachtvollen Gardetanz in tollen Kostümen und sicherten sich damit den begeisterten Beifall des Publikums für diese sehenswerte Darbietung.

Ein gelungenes Debüt in der Bobbe-Bütt brachten die beiden „Jammerlappen" Günter Schneider und Klaus Neu: Musikalisch gaben sie herrlich schräg die Qualen der Rasur wieder. Und nicht nur Bart und Beine wurde närrisch rasiert, man ging auch weiter in den intimen Bereich, was die Frauen zum Kreischen brachte. “Ihr seid schon jetzt für das nächste Jahr engagiert" rief Anita Basting den beiden Winkeler Narren zu.

Zum Euro-Gipfeltreffen luden die Liedertafel- Singers mit Roland Koch, Anni Kienberger, Karin Witschonke und Michaela Schmid ein. Als Euros aus Griechenland, Frankreich und Italien kamen sie auf die Bühne und hatten als ganz närrischen Rettungsschirm die „gut, alt D-Mark", die sich scheinbar jeder zurückwünscht, gleich mitgebracht. Zu stimmigen Liedern mit umgedichtete Texten reflektierten sie das politische Geschehen rund um die angeknackste Währung. So bekam Berlusconi, der besser Pornostar geworden wäre, sein Fett ebenso weg wie Angele Merket, die munter an die „armen" Länder das Geld verteilt, um diesen aus der Schuldenkrise zu helfen.

Ganz großartig war dann auch die kesse Blondine Laura Müller, eine Hälfte des Präsident-Duos des Johannisberger Carnevalvereines. Zu köstlich waren ihre Bekenntnisse wie ihr tolles Farben-und Formen-Feeling, ihr Hobby „Powershopping• und das sie Bildung satt habe, weil sie Jahrelang ihren Body gebildet habe. „Die süßeste Praline der Welt" erklärte das Blondinen- Witze nur deshalb so kurz seien, damit auch Männer sie verstehen und das sie nie ein Blatt vor den Mund nehme, denn so große Blätter gäbe es ja gar nicht. Für den gelungenen Vortrag gab es die verdiente erste Rakete des Abends.

Kaum noch ein Halten gab es dann, als das Rauenthaler Männerballetts „Die Berschböbbscher" ein regelrechtes Ballettfestival an diesem Abend eröffneten. Fünf Männerballetts und vier Garden, eine Gruppe schöner als die andere, waren zu sehen. Die Rauenthaler „Reschhinkel"' kamen in holländischen Kostümen als „Frau Antje" mit echten Holzschuhen und ließen die Bühne wahrlich erbeben. Mit blonden Zöpfen und weißen Häubchen sahen die zehn Tänzer, die von Anja Klar und Tanja Haberland trainiert werden, zum Anbeißen aus und auch tänzerisch hatten sie echt was drauf. Die Damen im Saal waren von dem holländischen Tanz einfach restlos begeistert.

Faustdick hinter den Ohren hatte es auch der Taunussteiner Jubiläumsprinz Peter Beuth, der mit seiner Lieblichkeit Claudia den Bobbe gekonnt königliche Grüße „von hinnerm Gebück" überbrachte. Und der CDU-Landtagsabgeordnete mit Strumpfhose, Schnabelschuhen und Federhut plauderte auch aus dem Nähkästchen: „Als der Rössler zum ersten Mal im Kabinett neben Angola Merkel Platz genommen hat, ist ihr spontan Milch eingeschossen".

Die Taunussteiner Hoheiten hatten auch ihre eigene Garde mitgebracht, die unter der Leitung von Michael Eifert und Anke Fink einen erstklassigen Gardemarsch hinlegte. Und die Taunussteiner Gockel hatten außerdem ihr fulminantes Männerballett im Schlepptau, die als Offiziere in weißen Uniformen mit Hebefiguren schon beim Einzug zwischen den Besucherreihen den ganzen Saal zum Beben brachten. Als die Hotten Jungs dann auch noch die Hüllen fallen ließen und im Disco-Outfit weiterrockten gab es fast kein Halten mehr: Die Damen waren völlig aus dem Häuschen.

Keine Gnade gab es für die Lachmuskeln des Publikums, denn mit einem weiteren närrischen Renner ging das Programm sofort weiter. Als .Märchenonkel" schoss der ECV-Star Siegfried Schön auch in d1esem Jahr bei der Winkeler Bobbesitzung wieder mal den Vogel ab und war ganz unbestritten einer der Glanzpunkte des Abends in der CVW-Bütt. Mit fernsehreifer Stand-Up-Comedy erklärte Schön, dass die heutigen Computerspiele, die er auch schon mal mit seinen Enkelkindern spiele und dabei auch mal einen Skispringer über die Schanze fallen ließe, doch gar nichts seien gegenüber der Brutalität der Märchen, mit denen er früher abends ins Bett gebracht wurde. Dabei erinnerte Schön mit geschliffenen Zitaten an den Struwwelpeter, in dem man mit „abene Daume“, verbrannte Kinner und einem Kreuz für den Suppenkaspar den Kindern einst Angst gemacht habe. Und auch die Geschichte von Max und Moritz sei eigentlich ein Kinderdoppelmord stellte Schön fest. Gar nicht zu sprechen von Grimms Märchen und den vielen bösen „Stiefmutterern“ Hänsel und Gretel zum Beispiel, die weil die Eltern nix mehr zu Essen hatten, „hinner Presberg in des Grohloch“ geschickt worden seien: „Heit wer des gar nit mehr möglich, die Kinner würde ihr Handy rausholen und de Hubschrauber alarmiern un die wärn schneller widder deham wie ihr Alte" Nicht nur Kokolores, sondern auch viel Wahrheit steckte in dem gekonnt dargebrachten Vortrag, was den Damen im Saal sehr gefiel. Ganz klar dass es für diesen köstlichen Bericht Standing Ovationen von den Frauen gab.

Als nächstes kam das Schnippseldänsjer Kolping-Männerballett mit einer großen Tanzshow auf die Bühne: Während der Zauberer Gerhard Pauly versuchte, sich ein hübsches Mädchen zusammen zu brauen, erschienen Achim Gunkel, Klaus Herbst, Roland Lesch, Mart1n Kunz, Roland Poliart, Pavlos Stavridis, Nico Piscitelli und Kai Winkel als unheimliche Hexen, die einen verrückten Besentanz aufführten. Doch dann verwandelten sie sich ganz schnell in blondgelockte, süße Schönheiten mit Röckchen und Bustier und verzauberten das ganze Publikum mit einem rassigen Tanz. Die gestandenen Tänzer und Trainerin Nicole Kühn bekamen riesigen Applaus für diese gekonnte Tanzshow mit Kostümwechsel und Hebefiguren.

Und dann ging es non-stopp weiter mit den Lachtränen: Magda Miltner, eine der Redner-Größen des CVW, hatte als „ganz arm Dier" mit einem ständigen bedauernswertem „Ach ja, so isses" alle Lacher auf ihrer Seite. Vor allem als sie mit ihrem Traummann „Schorsch Clooney" ins Ausland reisen wollte. Sicher war sie schon mal „fort gewese": „ln Estrich und auch uff de Hallgaader Zang und wenn de do schun mol warst, dann kann der im Ausland nicht viel passiern". Dass das „arm Dier" von seinem Verlobten sitzen gelassen wurde, das hatten sogar alle Glocken in Oestrich-Winkel verkündet: „Ei, wer war es denn“? fragte die Hallgartenor Glocke", .Ei en Estricher", sagte die Mittelheimer Glocke, „ls jo klar, so sin die", kommentierte die Winkeler Glocke. Magda Miltner war unbestritten wieder einmal einer der Glanzpunkte des Abends.

Blind Temptation

Zum Glück ging es dann erst mal in die Pause. Mit einem fantasievollen Showtanz der bekannten Tanzgruppe „Blind Temptation" von den Rauenthaler Reschhinkel ging es dann weiter. In tollen Kostümen entführten die jungen Mädchen ins Weltall und zeigte einen sehr akrobatisch anmutenden Tanz, mit tollen Hebefiguren, die für viel Furore sorgte. Und königlich ging es in diesem Ballett zu: Neben Sina Egert, Theresa Weinert, Elena Jakob, Janina Kaluscha, Julia Kruska und Lisa Haberland tanzten mit Elena Scholl die Rauenthaler Weinkönigin, mit Sabine König die zukünftige Rauenthaler Weinprinzessin, mit Julia Jakob die Martinsthaler Weinkönigin und ihre Prinzessin Lisa Seyffardt und die Winkeler Weinkönigin Katharina Fladung mit.

Ebenfalls aus Rauenthal hatten sich mit den beiden bekannten Urfastnachtern Philipp Wölfel und Anja Peglow zwei närrische „Flirt-Spezialistinnen" auf den Weg gemacht, die bei den Winkeler Bobbe viel Kundschaft fanden: So gaben die rosa gewandeten Flirtspezialisten mit einer Schaufensterpupp als „männliches Objekt" herrlich schräg zum Besten, wie man sich einem Mann vorstellt: „Schönen guten Tag, ich bin die Edith, eine taubstumme Nymphomanin, mein Vater hat einen Getränkefachhandel und ich selbst eine Dauerkarte fürs Fußballstation. „So nicht" und „So ja" hießen die Beispiele, die für tolle Stimmung sorgten.

Einen weiten Weg hatte das Männerballett der Rehbachgazellen 1. KV Limburgerhof mit seinem neuen Show-Tanz „New Generation“ auf sich genommen: Aus der Nähe von Ludwigshafen kamen die „schnuckelischen Herren", die das begeisterte Publikum gekonnt mit auf eine musikalische Zeitreise nahmen und die Blues Brothers, Sister Act und nach einem Kostümwechsel moderne Hiphop- Formationen auf das Parkett legten. Auf einer Kreuzfahrt hatten sich die Tänzer und einige Damen des Elferrates kennen gelernt und schon zum zweiten Mal ein gelungenes Gastspiel initiiert.

Der absolute Hammer des Abends war dann ebenfalls ein Gast, den die Bobbe auf einem Ausflug kennen gelernt hatten: Das herrlich schräge „alte Weiblein" „Mariele", das Original von der schwäbischen Alm direkt nach Winkel gekommen war, hatte nicht nur zwei große Körbe mit Blumen und deftigen Schwäbischen Spezialitäten wie Schinken, Käse, Landjäger, Blutwurst, Schnaps und Schokolade dabei, die sie großzügig an das Publikum, den CVW-Vorsitzenden Schneider und die Bobbe verteilte. Die quirlige, kleine Frau im schwarzen Kleid und farblich abgestimmtem Gebiss hatte es auch faustdick hinter den Ohren: „Als ich hier angekommen bin, hat ein Polizist mich angehalten und gefragt, ob ich Alkohol hätte. „Hör mal, gebettelt wird hier nicht", hab ich ihm gesagt. Er meinte dann, es gäbe jetzt eine Alkoholprobe. „Ja, in welcher Kneipe fangen wir denn an, habe ich begeistert zugestimmt". Wie praktisch Unterwäsche sein kann, demonstrierte sie und zeigte ihre „schicke Reizwäsche", die sie bereits in dritter Generation nach ihrer Mutter und Oma tragen würde. Und die Geständnisse aus dem Eheleben mit ihrem Karle ließen wirklich kein Au• ge trocken: „Der hat nie Durscht, der säuft immer schon vorher“. Und auch sie selbst war kein Kostverächter und hatte sich einen halben Roten mitgebracht: „Das ist ein SOS, eine Schorle ohne Sprudel. Denn, wo früher eine Leber war ist heute eine Minibar". Die Weiber im Saal hatten mit Mariele, die im wahren Leben Marianne Bischoff heißt und ganze Abendprogramme bietet, Riesenspaß und hätten sie am liebsten gar nicht mehr gehen lassen.

Den Rest der Sitzung gestalteten dann die Gastgeber des CVW mit lh• ren eigenen Größen. So kam als nächstes Hausherr Schorsch Eger in seiner Paraderolle als „De Hannes“ auf die Bühne und begeisterte wie bei vielen großen Sitzungen und auch im Hessischen Rundfunk mit deftigen Witzen die Damen. Stimmgewaltig und humorvoll wusste er die Vor- und Nachteile von Männern und Frauen bestens zu glossieren und zog die Damen im Saal auch selbst immer wieder durch den Kakao. Den nächsten Angriff auf die Lachmuskeln unternahmen dann zwei CVW-Urfastnachterinnen. Die Bobbe-Präsidentin Anita Basting und ihre kongeniale Partnerin Eveline Werschnik trafen sich als tratschende Freundinnen auf der Bühne und berichteten im „besten Sonntagsstaat" über ihren Ehealltag: „Mir hatte gestern einen ganz romantischen Abend bei Kerzenschein", „Quatsch, dein Alte hat doch nur vergesse, die Stromrechnung zu bezahle". Vor allem ließen „Frau Dings und Frau Bums" an den Männern kein gutes Haar, erzählten von Hochzeitstischen mit Viagra beim Apotheker für ältere Semester und warum Vegetarier keine Falten bekommen, was die Damen im Saal mit Beifallstürmen honorierten.

Einen Augenschmaus bekamen die Bobbe noch einmal von der CVW-Garde serviert. Märchenhaft war der Showtanz der großen Garde: Celina Schneider, Jasmin Jung, Juana Mulz, Katja Brudy, Kim Schmelzeisen, Myriam Szeiler, Nadine Sonntag, Nadja Pala, Rhoda Mulz und Sophie Schäfer brachten die berühmte Geschichte von Alice im Wunderland mit prachtvollen Kostümen und herrlich schräger Musikauswahl auf die Bühne. Zum krönenden Abschluss verstand es das CVW-Männerballett noch einmal die Bobbe von ihren Stühlen zu reißen und läuteten schließlich im ersten Morgengrauen das Finale der CVW-Bobbesitzung ein. In sittsamen Nonnenkostümen tanzten sie durch den ganzen Saal und „Mutter Oberin" Markus Stoll erwartete die „ Sisters" zum Gospel „I will follow him" schon auf der Bühne, wo aus den Nonnen im kurzen Kostümwechsel ganz schnell fetzige Tanzmädchen in rosa gepunkteten Röckehen wurden, die zum „BarbieSong" über die Bühne wirbelten und dem „partygeilen Ken“ tänzerisch eine gründliche Abfuhr erteilten. Dann kamen alle Akteure noch einmal auf die Bühne und ließen sich von den restlos begeisterten Bobbe im Saal gebührend feiern.
 

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