Winkeler Narren schulen Nachwuchs mit Rhetorikkurs

Erstellt: Donnerstag, 20. Februar 2014 00:00
Geschrieben von Thorsten Stötzer - Wiesbadener Kurier

Bei der 26. Kindersitzung des Carneval Vereins „Narrhalla“ Winkel (CVW) wird die Brentanoscheune am Samstag zum Dschungel. 103 mitwirkende Kinder gestalten in tropisch-tierischem Ambiente mehr als vier Stunden Programm bei der längst ausverkauften Fastnachtsfeier. Mittendrin: vier Teenager, die gleich mehrere Aufgaben übernehmen.
Pauline Kirschke, Anna Muno, Adrian Schäfer und Johann Muno haben sich auf die Kampagne besonders vorbereitet. Sie nehmen bereits seit etlichen Jahren an den Rhetorik-Seminaren teil, mit denen der CVW regelmäßig seine Redner schult. „Hochgedient in Block IV“ hat sich das Quartett, sagt der Vereinsvorsitzende Dietmar Schneider über die erworbene Qualifikation.

So sind die 13 bis 15 Jahre alten Nachwuchsfastnachter in der Kindersitzung nicht nur beim Gardetanz, beim Modenschau-Sketch, dem Bewegungsspiel und bei der Kostüm-Prämierung im Einsatz. Drei bis vier Mal steht jeder im Rampenlicht des Dschungels und kümmert sich obendrein um organisatorische Dinge. Reden schreiben für die Sitzungspräsidenten Luca Brost und Robert Fladung gehört dazu.
Dabei helfen natürlich die in den Rhetorik-Seminaren gewonnenen Fertigkeiten weiter. Jedes Jahr kurz vor den Herbstferien fährt der CVW drei Tage lang zwecks Schulung ins Turner- und Jugendheim auf der Loreley. Zuletzt betreuten dort sieben Erwachsene 24 Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Gruppen, um dem Brauchtum Fastnacht kundige Akteure zu sichern.
„Reden, ohne etwas zu sagen“ – so umschreibt Schneider den Inhalt des ersten Blocks, bei dem die Körpersprache eine große Rolle spielt. Danach wird ein Witz aus der Prosa in Reimform gebracht. In der dritten Kategorie entsteht aus einer Witze-Sammlung eine Büttenrede, und in Block IV entwickeln die Teilnehmer schließlich einen Vortrag: „Wenn man für zehn Minuten schreibt, ist man gut“, sagt Anna Muno.
Sie ist vom Nutzen der Seminare überzeugt, denn „vor allem lernt man dort, dass man keine Angst haben muss auf der Bühne“. Die anderen bestätigen: „Man ist nicht mehr so aufgeregt und kann einfach freier sprechen, auch in der Schule.“ Mittel gegen Lampenfieber sind ein Thema auf der Loreley, ebenso wie der Aufbau einer Rede, die provokative Aussage am Anfang oder der Wert von Zitaten und Anekdoten.
Auch dank der Nachwuchsarbeit ist der CVW ein vitaler Verein, der bei rund 700 Mitgliedern insgesamt 100 aktive Kinder und Jugendliche in seinen Reihen zählt. Das ist die Basis, um in der Kampagne sechs Sitzungen bieten zu können, ohne jemanden für seinen Auftritt zu bezahlen, betont Schneider. 1999 verlieh der Bund Deutscher Karnevalisten den Winklern den ersten Preis für Jugendförderung.

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