Narren gehen nicht in Rente

Erstellt: Freitag, 22. Januar 2010 21:39
Geschrieben von Barbara Dietel - Wiesbadener Kurier

FASTNACHTSZUG Wagenbauer beim Winkeler Carneval Verein sind teils seit 60 Jahren aktiv

Geschäftiges Treiben in der Berlbud. Nur noch wenige Wochen sind es bis sich der Zug des Carnevalverein Narrhalla Winkel wieder durch die Straßen schlängeln wird. Ein buntes Spektakel, das der Verein nur alle fünf Jahre auf die Beine stellt. "So etwas wie Routine gibt es folglich bei uns nicht", sagt Zugmarschall Heinz Berning. Und so wird an diesem Morgen in der Requisitenhalle am Engerweg in jeder Ecke gewerkelt. Immer dabei sind auch Ernst Grimm (80) und Günter Schwarz (79). Der "Ehrenpinoier der Fassenacht" und der "Ehrenschreinermeister der Narrhall" haben schon vor 60 Jahren - beim ersten Zug nach dem Krieg - beim Bau der Fastnachtswagen geholfen. "Ich stehe lieber hinter der Bühne als auf der Bühne", sagt Schwarz, gelernter Bau- und Möbelschreiner.

 

Vier Wagen und natürlich jede Menge Fußgruppen steuern die Winkeler diesmal zum Fastnachtszug bei, zu dem der Verein rund 150 Zugnummern erwartet. Der Bobbewagen (Puppenwagen), der das Damenkomitee chauffiert, war vor Jahren schon mal unterwegs, musste also nur etwas aufpoliert werden, erklärt Berning. Das Kinderprinzenpaar steigt in eine Burg, die Idee der Prinzenmutter, erzählt Schwarz, der mit Viktor Schay die Idee in die Realität umgesetzt hat. Den letzten Schliff wird Gerd Hoberg dem Wagen verleihen, der Künstler des Vereins. Seit 25 Jahren zeichnet er auch für das Bühnenbild bei den Kappensitzungen verantwortlich, das in diesem Jahr zweimal Verwendung finden wird. Es schmückt auch den Motivwagen des CVW. Fast fertig ist auch der Wagen des Elferrats, der vor wenigen Tagen noch als Transporter für die zerlegte Bühne diente. Er wird aus alten Teilen zusammengebaut, die sich in der Berlbud stapeln. "Bei uns wird vieles wiederverwertet, und wenn es nur das Holz ist", so Berning.

Zweimal die Woche treffen sich die fleißigen Helfer. Letzte Hand wird an diesem Morgen an den fahrbaren Essenstand gelegt, der auf einen Bootsanhänger montiert wurde. Günter Schwarz kramt aus der hintersten Ecke die Erhöhung für den Sitzungspräsidenten hervor. Denn bevor am 14. Februar mit dem Zug der Höhepunkt der Kampagne ansteht, sind natürlich noch die Sitzungen zu meistern. Doch danach gibt es nur noch eins: den Zug und da haben die Winkeler Narren einen guten Ruf zu verlieren. 143 Nummern hatte der Zug 2005. 1890 Narren waren aktiv auf den Straßen, die nach Schätzungen der Polizei von über 10000 Zuschauern gesäumt wurden, berichtet der Vereinsvorsitzende Dietmar Schneider. Aber auch die Jahre davor galten für den CVW stets Superlative, meint jedenfalls der Vereinschef.

Deshalb findet er es auch schade, dass der Aulhausener Carnevalverein, der Club Marienthaler Carnevalisten und der Johannisberger Carneval Verein, die reihum jährlich gemeinsam zum närrischen Treiben auf die Gass laden, fast zum gleichen Zeitpunkt starten wie die Winkeler. Auf einen gemeinsamen Zug konnten sich die Beteiligten nicht einigen. Und bei der Uhrzeit wollen auch die Winkeler keine Kompromisse machen. "Wir haben die älteren Rechte, wir machen das schon 50 Jahre, streng genommen schon viel länger", sagt Berninger. Denn der Vorläufer des CVW, der Rheinbankbund, benannt nach einer Alleebank am Rhein, war bereits in der Kampagne 1924/25 närrisch aktiv. Mit dem "Winkeler Narrenschiff" mit zwei PS waren die Winkeler 1926 erstmals auf einem Zug unterwegs.
Weiteres Kapitel in Chronik

Dass auch der Zug zum 85-Jährigen in die Vereinsgeschichte eingehen wird, daran hat Schneider keinen Zweifel. Ein weiteres Kapitel für die Chronik, die zum 100-Jährigen 2024 geplant ist. Durch die alten Unterlagen bis 1976 hat sich bereits Heinz Roscher gewühlt, der 87-jährige "Ehren-Kanzler" des Vereins.