18 | 11 | 2017

Vom "Karawahnsinn" gepackt

Carnevalverein Narrhalla präsentierte zum 85. Jubiläum ein Feuerwerk der Narretei


Winkel. (sf) - Das 85jährige Bestehen ihres Vereines feierten die Winkeler Carnevalisten mit einer erstklassigen Kappensitzung. Höhepunkt an Höhepunkt reihte sich an diesem Abend und das närrische Auditorium kam aus dem Lachen nicht heraus. Wer echte Rheingauer Fastnacht feiern wollte, der war bei der CVW-Jubiläumssitzung richtig. Die über 100 aktiven Narren boten Humor vom Feinsten und gratulierten ihrem Verein zum Jubiläum mit einem Feuerwerk an Spaß und Narretei. Vom feinen, leisen Humor, über sozial kritisches und närrisch durchleuchtetes Ortsgeschehen bis zum "bleede" Kokolores war beim "Karawahnsinn", wie das Motto der CVW Kampagne lautet, alles vertreten.

 

Begleitet von den Mädchen der CVW Garde waren die Mitglieder des Elferrates zu Beginn eingezogen. An der • Spitze stand Sitzungspräsident Tobias Jendreizeck im Kostüm eines Pharaos. Er führte das Publikum mit lockeren Sprüchen durch den Abend. Und wenn er es nach Mitternacht auch nicht leicht hatte, die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf die Bühne zu ziehen, verstand er es doch, im Saal die gebührende Aufmerksamkeit für die Akteure einzufordern. Dass Jendreizeck nach seiner Ankündigung, aus beruflichen Gründen das Amt abzugeben, zum letzten Mal als CVW Sitzungspräsident zu erleben war, war ein echter Wermutstropfen.

Doch von Wehmut war bei der Kappensitzung des CVW nichts zu spüren. Vielmehr wurde ein Programm geboten, das die Gäste bis hi'1. zu Lach tränen reizte. Nach dem temperamentvollen Tanz der CVW-Garde hatte das Winkeler Kinderprinzenpaar, Prinz Patrick, "Regent der närrischen Winkeler Halbheiser Dynastie, edler Callas-Spross von Vinicella", und Prinzessin Christina 11., "edle Jungfer aus dem Geschlecht derer von Monte Preso und Polanski, Holde Maid vom Winkeler Flanier Boulevard" sein Narrenvolk begrüßt. Begleitet wurde das Prinzenpaar von der CVW Nachwuchsgarde, die anschließend einen Gardemarsch in klassischen Kostümen vorführte und viel Beifall entgegen nehmen durfte.

Dem Nachwuchs-Fastnachtsadel folgte das große Prinzenpaar. Nur alle fünf Jahre zu einem Jubiläum und wenn der CVW einen Fastnachtsumzug veranstaltet, gibt es ein erwachsenes Prinzenpaar. In diesem Jahr tragen Prinz Franz-Georg I. vom Egerland, "Edler Orgeler von Dur und Moll, maskuline Balletteuse vun de Schwemmbach" und Prinzessin Sophie 1., "Edelfrau der Alten und Neuen Welt mit Residenz in der Kanzler-Villa in Badelmee", auch bekannt als Franz-Georg Eger und Sophie Schäfer, die Insignien der CVW-Tollitäten und grüßten ihr närrisches Volk. Sogar einen eigenen Prinzenpaar-Wein hatten Sophie und Franz-Georg mitgebracht, den sie, begleitet von den Pagen Adrian Schäfer und Kerstin Brudy, gemeinsam mit Herold Daniel Schäfer alle Aktiven als Geschenk überreichten. Denn das Prinzenpaar hatte auch die Aufgabe übernommen, die CVW-Karawahnsinns- Orden zu vergeben.

Seit vergangenem Jahr hat der CVW einen neuen Kanzler: Michael Schäfer brillierte mit einem gelungenen Vortrag über die Geschehnisse des vergangenen Jahres. Mit spitzer Feder glossierte er das örtliche und überörtliche Geschehen. Dabei spielte die große Politik nur eine Nebenrolle, viel lieber hörten sich die Gäste die Narreteien der CVWler an. So kam zu Tage, dass Harald Immerheiser nach einem feuchtfröhlichen CVW-Fest auf dem Lokus eingeschlafen war und was man so alles beim CVW-Ausflug erlebt hatte. Und auch die Politiker bekamen ihr Fett weg, zum Teil sogar in Liedform wie zur ergebnislosen Klimakonferenz in "Flopenhagen".

Jugendarbeit wird beim CVW groß geschrieben. Es gibt nicht nur 'sechs Nachwuchsgarden, sondern auch richtige Stars unter den kleinen Narren. Der Erste im jugendlichen Narren-Reigen war Pascal Dombach, der von seinen Erfahrungen mit dem Internet erzählte: "Des is hip, gilt als adrett, hoch lebe das Internet".

Seit vielen Jahren veranstaltet der CVW ein jährliches Rhetorikseminar für die Vereinsjugend. Eine Kostprobe der Arbeitsergebnisse des Seminars boten die Jugendlichen bei der Kappensitzung. So brachten Tamina Holz als "Estricher Lenchen", Nicola Mayer als "Hallgartener Jungfer", Konstantin Wachendorff als "Mittelheimer Edelmann", Jessica Freimuth als Winklerin und Julian Reuther als Moderator mit einer Witze-Show und mit saftigen Witzen die Gäste zum Lachen.

Wie es in der Fahrschule zugeht, erläuterten die Führerschein-Anwärter Katharina und Alexander Fladung und ihr bedauernswerter Bruder Robert: • "Jetzt ging die Prüfung endlich los, das erste Stück war kerzengrade, dann kam en Kreisel, ach wie bieg, wo en Schild mit 30 steht. Ich bieg do nei un dreh mei Runde, nach circa einer viertel Stunde, war ich im Kopp e bißche doll, hat 28 Runde voll, und fuhr im Kreisel weiter fleißig, 2 Runde nur noch bis zur 30".

Zum CVW-Nachwuchs gehören auch die 16jährige Tanja Halbritter und ihr 13jähriger Bruder Patrick. Seit Jahren sorgen sie mit ihren Zwiegesprächen für Begeisterung. In diesem Jahr verkündete Patrick, dass er auch König werden will: "Durch Ahnenforschung hab ich erfahrn, dess mir füher jo Ritter warn. Unn Ritter ohne Furcht unn Tadel, sinn alle von sehr hohem Adel. Nur weil mir verarmte, des war bitter, wurde aus uns Halbe Ritter. Doch ich nutze jetzt die Chance unn mach aus uns Halbe widder Ganze. Als König würde ich zwar ebe, von eure Steuergelder lebe, doch würde ich regiere könnt mer es wage, die Politiker all zum Teufel jage." Tanja gab dem künftigen König zwar zu bedenken, dass er aus seinem Zuhause ausziehen müsse und "ins Kino gehe unn so Sache könnst de nie alleine mache. Tag unn Nacht zu alle Zeite, würde Bodyguards dich treu begleite. Reporter schriebe sicherlich, ständig Storys über dich. Sagst du nem Meedche "Guten Tach", denkt gleich ganz Deutschland drübber nach, wann wird geheiratet nach gutem Brauch, hot sie en Prinzje schon im Bauch", doch Patrick ließ sich seine Idee von der Schwester nicht vermiesen.

Nicht fehlen durfte in der CVW-Sitzung der .kleine CVW-Clown" Theresia Fiedler, die mit ihrem Stimmungsständchen das Publikum einfach in ihre Lieder einbezog und es von den Stühlen riss.
Den massivsten Angriff auf die Lach muskeln unternahm die Fastnachtssippe Immerheiser-Halbritter mit ihrer Märchenstunde. Hannelore Immerheiser erzählte von drei Brüdern (Haraid Immerheiser, Marion und Norbert Halbritter), die aus dem Orient dem Narrenstern nach Winkel zum karawahnsinnigen Fastnachtszug folgten. Doch ein Geist, dargestellt von Tanja Halbritter und Stephanie Freimuth, bürdete den Brüdern immer wieder neue Prüfungen auf. So galt es, den Tod zum Lachen zu bringen oder der verführerischen Sirene zu widerstehen. Vor allem Nicole Immerheiser im ständigen Kostümwechsel brachte Höchstleistungen.
"Ich ließ es schneien, tagelang, da wurd es Winkels Weimann bang, daß seine Stadt in des Rheingaus Mitte, nur noch erreichbar wär mim Schlitte. Doch dann hat zu de Fassenacht, die Heilsbotschaft man ihm gebracht. Eine Wintersportidee, die Hallgarter finne die schee, an deren Schul, do baut mer schon, eine Skilift-Talstation, getarnt zwar, als "Gemeindehaus", doch guckt mer Richtung Westen raus, man mit Leichtigkeit erspäht, daß aach der erste Mast schon steht", wußte Sabine Fladung als Frau Holle zu erzählen.

Einen Augenschmaus lieferte danach das CVW Gardeballett. Die "Ladies in Red" hatten einen Gardemarsch mit vielen Hebefiguren präsentiert und beeindruckten auch im zweiten Teil mit ihrem Showtanz "Nightmare Scream".

Als "Leedig Mädche" schoß Magda Miltner zum Ende des ersten Teils den Vogel ab: "Was Glück is, des waas mer erst, wenn mer verheirat ist. Abber dann hot mern halt, vor immer und ewisch und auch noch länger", sinnierte sie als schüchterne Jungfer verkleidet trocken.
Den zweiten Programmteil eröffnete die Nachwuchsgarde mit ihrem Musical- Ausschnitt aus. Tanz der Vampire" und präsentierte eine schaurig-schöne Geschichte, einfühlsam getanzt und mit spektakulären Kostümen und Bühnenbild.
Als .Gassefeger" sind Markus Stoll und Heiko Hoffmann beim CVW seit einigen Jahren auf der Bühne. In diesem Jahr hatten sie als Asterix und Obelix ihre Paraderollen gefunden und vernichteten in Wikinger Trinkhörnern nicht nur zwei Liter Wein, sondern zielten auch wieder auf die "Estricher".

Großartig war das Zwiegespräch von Hermann Becker und Lothar Meckel. Auf dem Finanzamt musste Becker dem "Beamten" Meckel erläutern, warum sein Verein, der CVW, förderungswürdig ist: "Allein die Heimatpfleg', zur Erhaltung uns'rer Sprach: Dunse, Storze, Amberaaseh, Schnorres, Lumbe un Bagaasch, Stembel, duschberisch un Stobbe, Übberzwerch un schepp un Kroppe, Schlappe, Zoores, Uz und Schutt, Zaaraffel un Kubberdutt, Quetsche, pischbern, dotze, Pluns, Schlumbel, Schlambes, Doch un Strunz, Lubche, Roppdevuhl un Dabbes, Kuld un Knorz un Knet un Brabbes, Bajes, Dubbeh, Gaaß un Spunde - Sehn Se, des is Heimatkunde". Der Beamte Meckel staunte nicht schlecht: .Könne Sie mir mal saache, was der CVW nit macht? Wie erklärn Sie mir dann, in welcher Form Ihrn Verein Entwicklungshilfe leistet?" Doch auch darauf wußte Becker eine Antwort.

Köstlich komisch war auch das Zwiegespräch von Eveline Werschnik und Anita Basting, die sich einen Witz nach dem anderen zuwarfen und vor allem die Männer nicht gut wegkommen ließen.

Weit nach Mitternacht mischten dann die "Kemeler Allstars" das Publikum mit Unterhaltungsmusik aus den letzten vier Jahrzehnten auf. Damit nicht genug, wurde der Schau mit dem Auftritt des Männerballetts die Krone aufgesetzt. Mit Sonnenbrille, Hut und Jackett brachten sie die Blues Brother auf die Bühne und tanzten nicht nur zu deren Melodien, sondern ließen auch Stück für Stück die Hüllen fallen, bis sie nur noch in Unterhosen und Hemd ihre Zugabe geben mussten. Schließlich kamen zum Finale alle Akteure noch einmal auf die Bühne und feierten Saalfastnacht in bester Reinkultur.
 

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