Spaß und Frohsinn ohne Frage - koa Eule no Athen getrage

Erstellt: Mittwoch, 16. Februar 2011 00:00
Geschrieben von Sabine Fladung - Rheingau Echo

Winkeler Carnevalverein präsentierte großartige Kappensitzung mit vielen Debüts und Jubiläen

Rheingauer Fastnacht vom Feinsten bot die erste Kappensitzung des Winkeler Carnevalvereins Narrhalla. Zahlreiche Debütanten und viele "altgediente" Narren gestalteten ein fünfstündiges Programm.
Gleich zu Beginn ergriff der erste Debütant das Wort: Sitzungspräsident Markus Stoll hatte sichtlichen Spaß an seiner ersten Sitzung auf dem Präsidententhron und führte gut gelaunt durch den Abend.

Das CVW Kinderprinzenpaar Robert Fladung und Anna Muno grüßte sein Narrenvolk.

Königliche Grüße richtete dann das CVW-Kinderprinzenpaar an seine Untertanten: "Ja, ihr Narren, es ist an der Zeit, seid bitte bereit, feiert die Fastnacht wie es Sitte und Brauch und liegt nicht zu Hause auf dem faulen Bauch", forderten Prinzessin Anna Muno und Prinz Robert Fladung. Die Regenten machten ihre Sache prima und wurden für ihr Grußwort mit viel Beifall belohnt. Nachwuchsförderung wird im CVW groß geschrieben und welchen Erfolg das mit sich bringt, zeigte die Sitzung, die vornehmlich von jungen und ganz jungen Akteuren bestritten wurde. Dazu gehörte auch die Nachwuchsgarde mit ihrem prachtvollen Gardetanz mit tollen Hebefiguren. Später im Programm gab es dann unter dem Motto. We will rock you" noch ein Showtanzprogramm.

Die Nachwuchsgarde beeindruckte mit tollen Hebefiguren.


Der erste Mann in der Bütt war Franz Georg Eger. Der letztjährige Fastnachtsprinz wies als "Feuerwehrfranzl" auf die Brandbestimmungen hin: "Im Brandfall gehen Frauen und Kinder durch die Tür nach links raus auf die Terrasse, Männer nach rechts bis auf die Straße, vorsichtig, sonst werdet ihr plattgefahrn. Eestricher, Hallgartener, die von de ebsch Seit und Hergeloffene bleibe sitze und warte auf die Durchsage: "Vater unser im Himmel... ". Als Feuerwehrmann wusste er auch, was Feuerwehrleute lieben: Heizen Sie ihr Feuer auf 400 bis 6.000 Grad, darunter macht es uns keinen Spaß, darüber wird es uns zu heiß". Seine Weisheiten kamen beim Publikum super an und so war gleich der erste Büttenvortrag ein Knaller. Non Stopp ging es weiter mit dem närrischen Protokoll, das in gewohnt humorvoller Art Kanzler Michael Schäfer präsentierte. Er hatte alles festgehalten, was in Land, Kreis und Stadt passiert war und servierte diese Ereignisse wortgewaltig mit dem Blick in den Narrenspiegel: "Hat die hessische Politik solche Vorbilder, sacht mir mein Verstand, des kann nit besser wern in diesem Land". Dass die Bauarbeiten am Kran nicht enden wollen, schien Schäfer auch merkwürdig: "Die schaffe jo schun ewig, wann ist do dann mol Schluss und ist do überhaupt noch was original?".
Um den Lachmuskeln eine Pause zu gönnen, hatte man als nächste Nummer einen Augenschmaus serviert: Als "Ladies in Red" verzauberte die CVW-Garde mit einem prächtigen Gardereigen zu "The Final Countdown", beeindruckende Hebefiguren und akkurate Choreografie inklusive. Und auch der Showtanz der Garde, den die Tänzerinnen kurz vor Mitternacht präsentierten, war vom Feinsten.

Die große Garde entführte mit ihrem Showtanz nach Afrika.

 

Patrick Halbritter wollte auswandern.


Zum ersten Mal ohne seine Schwester stieg Patrick Halbritter in die Bütt: "Ich bin schon groß, fast ein Mann, ich schaff das auch ganz allein". Und natürlich rührte er die Gäste mit seinen "Auswanderplänen" zu Lachtränen. ln Das Land der Träume" nach Amerika wollte Patrick, denn dort gibt es alles, was er toll findet: Strände in Florida, Spielen in Las Vegas, Broadway in NewYork und schließlich Filmstar werden in Hollywood. Auch das Essen werde ihm dort sehr gut schmecken: Fastfoodkette an Fastfoodkette und Ketchup in Hülle und Fülle.

"Mauerblümchen" Magda Miltner hatte
den Deibel im Ranze.



Den massivsten Angriff auf die Lachmuskeln unternahm zum Abschluss des ersten Programmteils Magda Miltner. Seit 33 Jahren steht sie in der CVW-Bütt und überrascht jedes Jahr mit neuen Vorträgen voller Kokolores. In diesem Jahr kam sie als "Mauerblümchen", im grauen Kostüm und mit grauem Hut. Das Mauerblümchen" hatte beim Flug zwar kein Handgepäck, aber "de Deibel im Ranze". So wusste sie genau, als sie mit ihren Freundinnen im "Vineo" einen nackten Mann unter der Dusche antraf, der sich aus Scham ein Handtuch über den Kopf warf, dass dieser Mann nicht aus Winkel war. In die Pause durfte das "Mauerblümchen" dann an lässlich seines närrischen Bühnenjubiläums den ganzen Elferrat mitnehmen.

Nach der Pause eröffnete die Nachwuchsgarde den bunten Reigen mit ihren Showtanz. Aus ihrem "königlichen Haushalt" berichteten Fastnachtprinz Robert Fladung, seine Schwester Katharina, die amtierende Winkeler Weinkönigin, und Mutter Sabine, die als "Queen Mum" alle Fäden im Hintergrund zieht: "Ich beweg mich in Kreisen, wo ich mich früher nicht traute, nur vornehmes Zores und Haute Volaute. Un do sitze mir do un do kloppe mir Sprüch und ich sauf die Bagage komplett unnern Tisch." Weinkönigin Katharina sah sich schon als Regentin der ganzen Welt und versprach: "Wann ich hier im Ort was zu sagen hätt, als Königin, das fändet ihr sicher ganz nett. Jeder Winkler hätt en eigenes Haus un selbst bei Hochwasser gäb es koo Staus un Glatzeträger könnte sich wieder frisiern, de FSV Winkel tät nicht mehr verliern, un völlig umsonst wär fürs Auto de Sprit - un warum habt ihr des all nit? Des kann ich Euch ganz einfach erzähle: Was musstet ihr auch die Merkel wähle?" Prinz Robert verlangte Huldigungen: "Und zum Zeichen, das Euch das alles tiefstens bewegt, wird Eure rechte Hand jetzt auf das Herz des Nachbarn gelegt. Ich merke, das bringt einige Männer zum Schwitze, weil manche Nachbarin sehr große Herze besitze, und zur Vermeidung größrer Tumulter. Legt ihr in dem Fall die Hand auf die Schulter und jetzt sprecht ihr mir nach, nach meim Monoloch: "Unsern Fassenachtsprinz, er lebe "Hoch".

Welche Visionen der Klimawandel mit sich bringt, brachte Heiko Hoffmann, auch erstmals solo in der Bütt, auf das Papier. Wenn das Wasser des Rheines in einigen Jahren bis zum Schützenhaus stehe, könne man an der Costa del Rheingau Badeurlaub machen. Der Segelflugplatz auf den Eibinger Forstwiesen würde dann zum Ferienflugplatz ausgebaut und auf den Waldacker baute man neue Domizile, der Hurenpfad sei die Strandpromenade und in der CVW-Jokusclause auf den Honigwiesen würde man den Ballermann eröffnen. Die Hallgartener Zange hätte auch endlich eine neue Aufgabe: Als Leuchtturm.

Der Fastnachtsclan lmmerheiser/Halbritter
holte die ganze griechische Mythologie auf die Narrenbühne.


Die  griechischen Mythologie hatte sich dem Motto der CVW-Fastnacht entsprechend die Familie lmmerheiser-Halbritter bei ihre Kokolores-Show auf angenommen: Ähnlich wie heute seien die Griechen schon 1190 vor Christus einmal komplett pleite gewesen, der "Bauwahn" wie die Akropolis von Athen oder die Wunderwaffe "Trojanisches Pferd" hätten zu viel Geld verschluckt und so war guter Rat teuer. Man ging zum Orakel von Delphi und wurde dort nur noch mehr Geld los. Man befragte Pythagoras, dessen Formeln aber auch nicht helfen konnten. Achilles hatte zu sehr mit seiner Ferse zu tun und Ödipus einen Vatermord- Prozess am Hals. Blieb nur noch Odysseus, der sich mit den zickigen Töchtern des Apoll und dem köstlich schrägem "Navis" auf große Reise begab, um bei den Germanen Geld zu leihen. Navis hatte das aber nicht richtig verstanden und lotste das Schiff zur Germania am Rhein. Dort trafen die Griechen auf die "wunderbare" singende Loreley (Marion Halbritter) und einen knipsenden Japaner, der Rat wusste. So ging die Reise nach Rom zum Schuldenberater Zwegatus. Daniela, Hannelore, Harald und Nicole lmmerheiser, Marion, Patrick, Tanja und Norbert Halbritter hatten einen besonderen Glanzpunkt der CVW-Sitzung geboten.

Hermann Becker und Lothar Meckel gehörten mit
ihrem Zwiegespräch zu den Höhepunkten des Abends.


Erstklassig auch das Zwiegespräch von Hermann Becker und Lothar Meckel: Als Anhänger des evangelischen und des katholischen Glaubens warfen sie sich wortgewaltig die Bälle zu und während der eine befand, dass mit den Bischöfinnen sei doch "käs, mann", meinte der andere, dass bei den Katholiken die Frauen höchstens mal die Kirche putzen dürften. Doch schließlich sei auch Luther erst katholisch gewesen und das einzige, was man für die vielen katholischen Feiertage von den Evangelischen bekommen habe, sei der Buß- und Bettag. Auch das Zölibat lasse sich sehr gut mit dem richtigen Quantum Wein ertragen. Einen gerechten Ausgleich wollte der Katholische und bekam ihn: Gott hat dich geschaffen, de Deibel wird dich hole. Die biblische Weisheit: "Liebe Brüder, lasst fahrn, was Euch quält" gaben Becker und Meckel mit auf den Weg und was die Glocken im Rheingau so alles erzählen können, wurde dem Publikum schnell klar. Wie man ins Zölibat flüchten kann, wenn man zu Hause ein "Amazonien" hat, demonstrierte Debütant Björn Sommer. Der 26-jährige gab sich als bekennender Junggeselle aus und erläuterte, warum dies so gekommen war: Mit der Geburt seiner Schwester war die weibliche Übermacht im Elternhaus so gewachsen, dass Björn keine Chance mehr hatte. Die Oma schloss schon abends um 7 Uhr die Türen ab und machte alles ein, was ihr in die Finger kam. Die Mutter war noch schlimmer und machte die Türen schon um 5 Uhr zu und als die Schwester seinen Akkuschrauber auch noch nach München entführte, war Björn den Tränen nahe. Auch mit den Frauen aus dem Ostblock und Damen aus Italien hatte er kein Glück, so dass er dem Klerus beitrat und sich eine Gummipuppe als Hausdame anschaffe.

Damit nicht genug, gaben mit "Frau Dings" und "Frau Bums" Anita Basting und Eveline Werschnik mit einem ihrer Zwiegespräche noch eins drauf. Vor allem für die Männer im Saal gab es Saures und man erfuhr so einiges über "ausgefallenen Sex", den Unterschied zwischen Männern und Schweinen und die Verhütungsmethoden von Frauen über 1,90 Meter. Den Schlusspunkt setzte das CVW Männerballett mit einer phantasievollen Tanzvorführung: Zunächst waren die graziösen "Damen" als Schattenspiel hinter einem Vorhang zu sehen, dann präsentierten sie sich als feurige Spanierinnen, als geheimnisvolle Japanerinnen mit schwarzen Perücken und roten Seidenröcken in ihrer ganzen Pracht. Mit ihren "stilvollen" Bewegungen und ihrem unschlagbaren Rhythmusgefühl ließen sie die Lachtränen nur so fließen.

Herrlich graziös war das Männerballett.