24 | 11 | 2017

Alte Kreschtscher und ein närrischer Trump beim CVW

Winkler Carnevalverein bewies mit großartiger Kappensitzung, dass Fassenacht die Welt regiert

Winkel. (sf) - Die Rheingauer Fastnacht ist das beste Mittel gegen den politischen Irrsinn der Welt. Egal ob Trump oder Erdogan, egal ob der heimische Magistrat oder innerstädtische Konkurrenz, in Wahrheit ist es die Fassenacht, die die Welt regiert, mal mehr oder weniger närrisch. Das konnten die Gäste der Kappensitzung des Winkler Carnevalvereins hautnah erleben: Die Winkeler Narren gestalteten ein fünfstündiges Programm voller Spaß, Witz, Humor und Kokolores und eben auch immer einem kleinen Funken Wahrheit.

Gleich zu Beginn ergriff Sitzungspräsident Markus Stoll das Wort und führte dann gut gelaunt durch den Abend. Stoll machte seine Sache wieder großartig, ihm liegt die Fassenacht einfach im Blut. Königliche Grüße richtete dann die CVW-Kinderprinzessin an ihre Untertanen: ,,Feiert die Fastnacht wie es Sitte und Brauch und liegt nicht zu Hause auf dem faulen Bauch", forderte Prinzessin Maria Stavridis, die erstmals in der CVW-Historie ohne Prinz inthronisiert worden war: Es hatte sich kein Junge gefunden, der dieses Amt übernehmen wollte. Doch Maria macht das nichts aus, schließlich hatte sie tatkräftige Hilfe ihrer kleinen Schwester Katharina, die unbedingt mit auf die Bühne wollte und kräftig ins Publikum winkte. Perfekt wurde es durch die CVW Kindergarde mit ihrem prachtvollen Gardetanz unter Leitung von Silke Thomas und Michaela Kühnhackl.

Das närrische Protokoll wurde in ge­wohnt humorvoller Art von Kanzler Mi­chael Schäfer. präsentiert. Er hatte wieder alles festgehalten, was in Land, Kreis und Stadt passiert war und servierte diese Ereignisse wortgewaltig mit dem Blick in den Narrenspiegel: Zu den „beese Bube" der Welt, Trump und Erdogan hatte er ein Lincoln-Zitat parat: ,,Alles geht einmal vorbei". Zum Fernsehstar war die CVW-Bobbe Evelyn Werschnik durch den Brand im Bauhof geworden, die wunderbar in schönem Dialekt ganz Hessen erklärte, dass die Rauchwolken „schuckerabeschwarz" waren. Es wurde klar, dass der Winter nicht die Jahreszeit von Heinz Berning ist und, das Winkel und sein R-Kauf „der Nabel der Welt" sind. Denn als der R-Kauf 14 Tage wegen Renovierung zu hatte, war in ganz Winkel der Notstand ausgebrochen. Köstlich auch sein Bericht vom Benefiz-Hotelausverkauf bei Diana Nägler: ,,Was die alles hatte: Tischjer, Töpfchjer, Teppiche ... ".

Eine echte Augenweide war das Tanzmariechen Livia Jankowski vom Geisenheimer Karnevalverein. Das Mädchen präsentierte unter Leitung von Simone Lutz einen akrobatischen Tanz, der alle begeisterte. Als närrisehe Bauarbeiter heizte die Familie Fladung mit Bauleiter Sabine, Architekt Alexander und den beiden „Hanjeern" Robert und Werner Hessen Mobil und Trump tüchtig ein: ,,Hessen mobil, mobil in Hessen, das könnt ihr gerade mal vergessen! Mit Hessen mobil kann man sicher sein, ein ganzer Sommer mit Stau am Rhein und so manche Stunden standen wir im Stau. Hessen mobil: Ganz im Ernst, das war mau!". Für Trumps Mauer empfahl der Bautrupp dann auch Hessen Mobil: ,,Dann wird der Trump es nie erlebe, dass die auch nur en Fundament aushebe. Bis das was wird, bei diesem Haufe is dem sei Amtszeit abgelaufe". Fast schon poetisch war der Showtanz, den Victoria Bouffier präsentierte Das junge Mädchen hatte ganz alleine auf der Bühne einen Tanz zum Disney-Film „Mulan" kreiert und aufgeführt und bekam dafür viel Beifall.

Weiter ging es mit Christoph Stavridis, der als Kinderprinz gleich zwei Amtsperioden absolviert hatte. Jetzt ist es für ihn an der Zeit, sich Gedanken zu machen, was nach der Schule kommt, und das tat er sehr langsam. Schließlich sind Fußball und Chillen wichtiger und bis zum Praktikum war ja „noch so viel Zeit". Dass sein Vater ihn schon bei der Bundeswehr angemeldet hatte, gefiel Christoph nicht, er träumte davon, Fußballprofi oder Modell wie sein Onkel zu werden. Doch vor lauter Träumen verpasste er den Anschluss und wurde schließlich doch Rekrut.

Dann war es soweit: Donald Trump, der amerikanische Präsident persönlich war gekommen. Als erstes machte er, der das Brentanohaus zum „Weißen Haus" machte, die Weinbaupolitik zur Chefsache und erließ einen Einführzoll für Schöppchjer aus anderen Anbaugebieten, denn „Rheingau Riesling First". Die neue Schranke am Weg durch die Weinberge zwischen Oestrich und Mittelheim fand er gut und deklarierte sie als „Ausreiseverbot für Estricher Leit". Doch Heiko Hoffmann hatte noch mehr als Trump zu bieten: ,,Da twittert mein Wahlkampf-Team gerade, dass es in Hallgarten gewittert", mein Tweet dazu: Ein Unwetter in Hallgaade, tut in Winkel nit schade".
Nach nur einer kurzen „Pause" mit einer Schunkelrunde mit den CVW-Musikern Franz Georg Eger und Dr. Axel Bau kam der nächste Angriff auf die Lachmuskeln: Die CVW-Callas Marion Halbritter plauderte anlässlich ihres 40-jährigen Vereinsjubiläums aus dem Nähkästchen und blickte zurück, wie alles so gekommen war. Als Kind einer Narrenfamilie stand sie schon mit zehn Jahren mit ihrem Vater auf der CVW-Bühne, der sie auch zum Singen aufforderte, ein Jodler mit 17 brachte für die Callas vun Winkel den Durchbruch. Bis heute ist sie mit ihrer Familie Garant für die CVW-Sitzungen und wie das so läuft bei Familie lmmerheiser-Halbritter verriet sie auch: ,,Wenn es Jahr zu Ende geht, es Christkind von der Türe steht, denk ich vor allem Tag unn Nacht an Texte for die Fassenacht Zu Inspiration do schmück ich genau de Weihnachtsbaum in rot, weiß, gold, blau. Unn iss verklunge die „Stille Nacht" wird vom Baum die Spitz abgemacht. Als Krönung krieht der dann zu guter Letzt en Narrekäppche uffgesetzt. So sitz ich vorm Baum unn bet monoton: ,,Komm Liebe Muse unn küss mich schon!"

Damit nicht genug, wurden die Lach­muskeln des Publikums vor der Pause noch einmal strapaziert. Als „en alt Kreschtche" schoss Magda Miltner mit ihrem Bericht von den Tücken des Al­ters 9en Vogel ab: ,,Ich bin jetzt schun 88 Jahre alt. Gell, ich hab mich gut gehalle. Saan se mol, hör'n Sie aach nix. Ich waaß nitt - mei Ohr is jo ganz daab. Wie kimmt dann des, alles daab! Ja, du liebe Zeit, was hab' ich dann do? Des is jo mei Rheumazäppche. Jetzt waaß ich aach, wo mei Hörgerät steckt".

Bevor es in die Pause ging, gab es noch einen Augenschmaus mit der CVW-Garde, die einen temperamentvollen Tanz zeigte, den die Damenriege mit dem neuem „Hahn im Korb" Patrick Halbritter unter Leitung von Ni­chole und Daniela lmmerheiser und Yvonne Scheer-Bouffier einstudiert hatte. Später im Programm war die Formation auch mit ihrem fantasievollen Showtanz zu sehen: ,,Shrek der tollkühne Held und seine Freunde" war wie ein kleines Musical mit tollen Hebefiguren und wunderschönen Kos­tümen ein weiterer Höhepunkt.

Nach der Pause eröffnete die Tanz­gruppe „Flash" aus Sprendlingen das Bühnengeschehen mit einem Tanz der Extra-Klasse. Viel Beifall gab es für den wundervollen Jazztanz der jun­gen Damen in tollen Kostümen, zu de­nen auch die ehemalige CVW-Prinzessin Sophie Schäfer gehört.

Eine besondere Variante einer Stadtratssitzung zum Thema „Tourismus in Winkel" bot die Familie lmmerheiser­Halbritter dem Publikum und Bürgermeister Heil: Die gestrengen Stadträte Harald und Hannelore lmmerheiser ließen jeden Stadtrat ein Konzept ausarbeiten, von denen eines närrischer als das andere war, wie auch Putzfrau Tanja Halbritter fand und zum Wutbürger wurde. So hatte die Callas von Winkel (Marion Halbritter) einen Gesangsworkshop ins Auge gefasst, Nicole lmmerheiser verkaufte „Krempel". wie „Gänseschiss" als Merchandising und Daniela lmmerheiser gab eine Führung durchs Ort in Englisch. Patrick Halbritter gar machte Vollrads zum Festspielort: ,,Unsre Schauspieler sinn all koa Niete, ich hab es beste nur zu biete. Für's Genre· Fantasie wie kann's anners sein, das bekannte Stück „Die Brücke am Rhein" Den Bauherr der Brücke, was liegt ferner, spielt unser Stadtrat, s'Fladungs Werner. Als Musical hab ich gekrieht: ,,Ich war noch nie in Espeschied". Die Hauptroll heißt nit Hinz odder Kunz, sondern Callas von Winkel, mer freie uns. Für Leit, die schlimme Horror liebe, wurd en ganz neues Stück geschriebe. Schon beim Titel sitzt mer stramm: ,,Die Windräder am Taunuskamm". Der Protagonist wird in seinen Träumen bei Nacht von Windrädern um seinen Schlaf gebracht. In jeder Lage, bei jedem Wetter, verfolge ihn schlimme Rotorblätter, er will sie be­kämpfe mit Säge unn Beil, die Hauptroll krieht Bürgermeister Heil". Der Hit war aber ein Heimatabend mit Tanz und zum krönenden Abschluss durfte das heißgeliebte Winkeler Fastnachts­lied „Allez Hopp" nicht fehlen.

Dann kam der Rathauschef persönlich auf die Bühne: Bürgermeister Michael Heil und sein Partner Pavlos Stavridis fanden viele Unterschiede zwischen Frau und Hund heraus: ,,Dein Hund gehorcht dir stets aufs Wort, weil er als Herrn kennt dich sofort. Bei einer Frau passiert das nie, die fällt niemals dir vor die Knie. Die hält dagegen, - das ist Mist, weil Gehorsam ihr ein Fremdwort ist".
Als „Fantasy Girls" zeigten die CVW­Tanzschläppscher einen wunderschönen Tanz mit riesigen Flügeln, der temperamentvoll in die Zugabe überging.

In vierfarbunter, handgestrickter Unterwäsche erläuterte der bekennende Junggeselle Björn Sommer, wie es einem so ergeht, wenn man mit einer Frau zusammen zieht, die jeweils zur Hälfte Hallgartenerin und Johannisbergerin ist. Und damit nicht genug, der Oberbahner wurde durch den Um­zug zum Unnerbahner und lebt jetzt mit einer Vegetarierin zusammen, die von ihm verlangt, die Wurst im Kühlschrank zu verpacken, damit der Käse nicht nach Worscht riecht.

Für Superstimmung sorgte auch Tobias Jendreizeck als Jamaikaner mit den drei groovy Girls Juana und Rhoda Mulz und Ehefrau Myriam. Unter dem Motto „Mein lieber Herr Gesangsverein" brachte er mit Liedern wie „I like to move it" und beliebten Volksliedhits den Saal zum Kochen.

Weit nach Mitternacht kam es dann zum krönenden Schlusspunkt des Abends: Das CVW-Männerballett präsentierte eine rockige Tanzvorführung und verwandelte die Bühne in ein Hardrock-Cafe. Mit Luftgitarren, die aufblasbar waren, rockten sie ab, was das Zeug hielt. Mit ihrem unschlagbaren Rhythmusgefühl ließen die Herren die Lachtränen nur so fließen. Natürlich mussten sie eine Zugabe drauf­legen und die Trainerinnen Michelle Greifenstein und Paulina Kirschke durften stolz auf ihre Jungs sein.

Heiko Hoffmann als Donald Trump.Magda Miltner war „en alt Kreschtche".Marion Halbritter als närrische Jubilarin.Der Fastnachtsclan lmmerheiser/Halbritter mit seinem Tourismus-Kon­zept.Die Tanzschläppcher mit ilJren fantasievollen Kostümen.Die große Garde glänzte mit toller Choreografie.Die Jazztanzgruppe Flash aus Sprendlingen war schon zum dritten Mal dabei.Die CVW Kinderprinzessin Maria grüßte ihr Narrenvolk.

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