Das Estricher, Schneewittchen, Ur-Närrinnen und tolle Clowns

Erstellt: Donnerstag, 28. Januar 2016 01:00
Geschrieben von Sabine Fladung - Rheingau Echo

Winkeler Carnevalverein präsentierte eine erstklassige Kappensitzung mit viel Tanz, Musik und närrischem Kokolores

Die sechs Clowns aus Bretzenheim schossen den Vogel ab: in einer fast 20minütigen Tanzshow wirbelten die jungen Herren in tollen Clownkostümen mit Frack und Schleife, karierten Pluderhosen und Ringelshirts über die Bühne, dass die ganze Brentanoscheune ins Wackeln kam. Als Artisten mit akrobatischen Hebefiguren, als Comedians mit Dreirad und Blitzergerät, als Marionetten und als Drehorgelspieler zeigten sie sich in diesem Tanz und brillierten mit einer Choreografie, die selbst im Fernsehen zum Besten der diesjährigen Kampagne gehören könnte. Mit der Showeinlage „Clowns-Parade" des Männerballett U30 aus Bret­zenheim an der Nahe hatten die Winkeler sich ganz großes Kino in ihre Prunksitzung geholt. Die Truppe um die Trainerinnen Simone Henrich und Tessa Pöpping bekam nicht nur zum Schluss und nach der Tanzvorführung Standing Ovations, die Gäste waren auch während des Tanzes mehrfach aufgestanden und klatschen begeistert mit.


Rheingauer Fastnacht vom feinsten erlebte das Publikum der ersten Kap­pensitzung des Winkeler Carnevalvereines Narrhalla vergangenen Samstag in der Winkeler Brentanoscheune, auch liebevoll „Hölle" genannt. Hier führte Sitzungspräsident Markus Stoll gut gelaunt, witzig und schlagfertig durch eine fünfstündige Sitzung, die eigentlich nur Höhepunkte zu bieten hatte. Der erste dieser Höhepunkte war schon gleich Kanzler Michael Schäfer mit dem närrischen Protokoll, das er in gewohnt humorvoller Winkeler Art präentierte. Er beklagte zunächst ein­ mal, das ihm die diesjährige kurze Kampagne keine Zeit für seinen „geistigen Erguß" gelassen habe „bei mir muss des do obbe siede" und hatte dann aber doch alles festgehalten, was in Land, Kreis und Stadt passiert war. Brillant servierte er alle diese Ereignisse wortgewaltig mit Blick in den Narrenspiegel und spannte den Bogen vom den VW Kratzern und Dellen über das Fußball-Sommermärchen mit Kaiser Franz ohne Happy End bis hin zum aus dem Dornröschenschlaf geretteten Brentanohaus: ,,Do find'st heut noch dem Goethe sein Krempel drin, des Bett in des er gefortzt hot und aach sei Pissdippche" Das keiner der Familie von Brentano je gesagt habe „Alleweil rome mer mol uff" wunderte Schäfer sehr. Über sein eigenes Jubi­ läum als Silberbräutigam und die anschließende närrische Reise ins Adlon nach Berlin in Fastnachtsklamotten ließ sich Michael Schäfer so köstlich aus, dass die ersten Lachtränen flossen. Und beim Kommentar zum verkauften Josefshaus: ,,Hät des in Hallgarte gestanne, wär des nit in fremde Hände gegange" jubelte das Publikum

Königliche Grüße richtete dann das diesjährige CVW-Kinderprinzenpaar an seine närrischen Untertanten: ,,Ja, ihr Narren, es ist an der Zeit, seid bitte bereit, feiert die Fastnacht mit uns in der Hölle", forderten Prinzessin Joy König und Prinz Christoph Stavridis das Publikum auf. Die beiden jungen Regenten machten ihre Sache prima, sind sie doch schon alte Hasen: Die beiden sind das 26. und 27. CVW-Kin­ derprinzenpaar und stehen an der Spitze der diesjährigenKampagne der Kinderfastnacht in Winkel.Weil man in diesem Jahr keine Nachfolger gefun­ den habe, sei man einfach im Amt ge­ blieben, erklärte der gewiefte Prinz. Das habe es schon einmal gegeben: auch Dr. Norbert und Marion Halbritter waren wegen des Golfkrieges einst zwei Jahre in Amt und Würden. ,,Dass sie dann aber auch geheiratet haben, müsste mer nit unbedingt nach­ machen, hot die Marion gesagt", ver­ riet Prinz Christoph sehr zur Freude des Publikums.

Nachwuchsförderung ist eines der größten Projekte im CVW und welchen Erfolg das mit sich bringt, zeigte auch die Sitzung, die vornehmlich von jungen und ganz jungen Akteuren bestritten wurde. Dazu gehörte auch die CVW-Nachwuchsgarde mit ihrem prachtvollen Gardetanz. Anna Krum­ meich, Anna Muno, Jasmin Sctiirn­ beck, Kerstin Brudy, Milana Rota und Paulina Battis zeigten unter der Lei­ tung von Pauline Kirschke und Chiara Denzer in Prachtkostümen einen wun­ derbaren Gardetanz und später im Programm einen tollen Showtanz, der das Publikum begeisterte.
Aus dem königlichen Haushalt der Familie Fladung berichtete wieder ein­ mal die Queen Mum Sabine Fladung und verriet, dass sie bei der Wahl zur deutschen Weinkönigin, ,,wo Töchterchen Katharina Prinzessin is worn", or lauter Aufregung das Geländer erborgen hatte und das trotz einer alben Packung Baldrian. Auch einen euen Weinspruch hatte sie parat: Badischer Wein - mim Schneebesen erührt".

underbare Tanzformationen mit tolen Hebefiguren und einer gewaschen Zugabe hatten auch die „großen" Gardemädchen des CVW zu bieten: Daniela lmmerheiser, die mit Mutter Nicole auch die Truppe trainiert, Jennifer Worm, Jessica Freimuth, Joline Rahn, Leonie Thomas, Lisa Zimmer, Pauline Kirschke, Tamina Holz und Tanja Halbritter fegten auch später noch als tanzende Püppchen über die Bühne und faszinierten das Publikum auch mit einem wundervollen Showtanz.

Auch die nächste Nummer zeigte, welches Potential der CVW durch seine engagierte Jugendarbeit hat: mit einer urkomischen modernen Version von Aschenputtel begeisterten Emil Kirschke, Jessica Firle, Eva Krayer, Julia Zimmer und Patrick Halbritter, der mit seiner Mutter Marion diese Nummer einstudiert hatte, im blauen Samtkleid als böse Stiefmutter, alle im Saal. Vor allem, dass die NSA sich als gute Fee erwies und der FSV Winkel jetzt Bundesliga spielt, statt Erbsen Bilder nach Jacken- und Sockenfarbe am PC sortiert werden mussten, ließen die Lachtränen fließen.
Für Superstimmung im Saal sorgte dann auch der ehemalige CVW-Sitzungspräsident Tobias Jendreizeck als gestandener Bayer mit den drei feschen Madeln Juana und Rhoda Mulz und Ehefrau Myriam Jendreizeck. Mit Liedern wie „So a schenner Daach", ,,I sing a Lied für di" und vielen anderen beliebten Volksliedhits brachte er den Saal zum kochen und das Publikum sang lauthals mit.
In die Pause ging es dann mit einem wundervollen Jazztanz der Gruppe „Flash" aus Sprendlingen. Die jungen Damen in tollen Kostümen sorgten schon im letzten Jahr beim CVW für Furore und servierten auch diesmal wieder einen exklusiven Augenschmaus.

Nach der Pause ging es gleich mit einer Tanzshow weiter: Diesmal war es die vor zwei Jahren neugegründete Formation „CVW Tanzschläppcher'', die dem Publikum einheizte. Mit einem
„Battle der 90er Jahre" und T-Shirts mit Gameboys und Smilies wirbelten Bettina Fritsch, Janina Dinies, Jenny Lang, Juana und Rhoda Mulz, Michelle Greifenstein, Myriam Jendreizeck, Sandra Maus und Tina Scheidmadel über die Bühne. Doch es kam noch viel besser: die erste und bisher einzige ,,Ehren-Ur-Närrin" des Winkeler Carnevalvereines Magda Miltner, die von je her zu den Größen in der närrischen CVW-Bütt gehört, war zur Eröffnung der neuen Kampagne zum besonderen Ehrenmitglied ernannt worden. Und wie für die „Ulknudel" üblich, hatte Magda Miltner ihre hohe Auszeichnung auch gleich zum Anlass für eine besondere  Büttenrede  genommen: ,,39 Jahre schon steh ich hier am Mikrofon. 39 Jahr in de Fassenachtszeit, zu bringe Euch un mir nur Freid, 39 Jahre Versjer mache, 39 Jahre Leit, die lache. Aktiv hielt ich dem Verein die Treue un keinen Tag tat ich je bereue. Ich bin heut geehrt für Spaß un fürs Lache, für all die Kniddelversjer mache. Ich bin geehrt für die Fassenacht in de Narrhall, für die uff de Gass un übberall. Ich bin geehrt für dorsch die Gasse laafe un an die Leit Zugplakettcher verkaafe."

Als „Feuerwehrfranzl" stieg zum vierten Mal in dieser Rolle Franz Georg Eger, einst CVW-Fastnachtsprinz und zusammen mit Dr. Axel Bau für die ge­ samte musikalische Begleitung der CVW-Sitzungen verantwortlich, in die Bütt und plauderte heftig aus dem Nähkästchen. Sein Bericht, wie es bei der Feuerwehr hinter den Kulissen so zugeht und was die freiwilligen Helfer bei ihren Einsätzen alles so erleben, kam super an.

Dann ging es Schlag auf Schlag: denn den Vogel schoss wieder mal die närrischste Winkeler Familie lmmerheiser-Halbritter bei ihrer berühmt-be­ rüchtigten Kokolores-Show ab: das bereits in der vorletzten Kampagne angekündigte Musical „Ich war noch nie in Espeschied" wurde jetzt als Hommage an Udo Jürgens in der Kap­ pensitzung des CVW von den Famili­ en lmmerheiser und Halbritter uraufgeführt. Zu den berühmten Jürgens­ Melodien „Griechischer  Wein", ,,Anouschka" und „Ich war noch nie­ mals in New York" wurde von Hannelore lmmerheiser eine irre komische Geschichte erzählt: Lisje (Marion Halbritter), eine Winkeler Winzerstochter, verliebt sich in den Espeschieder Bau­ ernsohn Karl (Patrick Halbritter), was beide Elternpaare gar nicht erfreut. Sie wollen, dass der Fortbestand ihrer Höfe durch die Hochzeit mit einem ort­ sänsässigen Partner gesichert wird, und lehnen die drohende Liebeshochzeit kategorisch ab. ,,Die Meedcher hier, dess iss doch bekannt, sinn irgendwie all mit mir verwand. Ich will oa, die aach gewiss, hübscher wie unser Kuh hier iss", forderte Karl und stieß bei seinen Eltern Daniela Immerheiser und Norbert Halbritter auf taube Ohren. Auch Lisjes Eltern Tanja Halbritter und Harald lmmerheiser haben andere Pläne: ,,De Freimuth und es Lisje, des wär doch schee, denn wenn ich an den Dachsberg geh, steht unser kloa Wingertche ziemlich dumm neber dem große vons Freimuths rum. Dess det doch so gut zusamme passe, soll mer sich die Chance entgehe lasse?". Doch dann trafen die Eltern in einem stimmungsvollen Lokal in Rüdesheim aufeinander und als es hier wieder zu Meinungsverschiedenheiten kam, half die Wahrsagerin Nicole lmmerheiser weiter. Sie prophezeite dem Winzerhandwerk eine rosige Zukunft,  so dass sich Karl entschied, mit Lisje zusammen, das Weingut in Winkel zu übernehmen. Da die Wahrsagerin auch die Energiegewinnung durch Windkraft voraussagte, planen Karls Eltern ihr Land mit Gewinn zu verkaufen. So steht der Hochzeit und dem großen Fest auf der Fastnacht in Winkel beim CVW nichts mehr im Wege. Und natürlich durfte das legendäre ,,Allez Hopp" als Zugabe nicht fehlen.

Den krönenden Schlusspunkt des Abends setzte das CVW-Männerballett mit einer fetzigen Tanzvorführung: zunächst waren Alexander Bauschke, Andreas Jendreizeck, Franz-Georg Eger, Heiko Hoffmann, Mario Kirschke, Martin Schneider, Nils Carius, Rai­ ner Firle und Tobias Schütze in Kittelschürzen als närrische Putzfrauen in den Saal gestürmt. Doch dann ließen die „Hausfrauen" ihre Hüllen fallen und animierten das Publikum in knappen Turnanzügen zur sportlichen Aerobic. Damit war der Höhepunkt der gelungenen Sitzung in den frühen Morgen­ stunden des Samstages erreicht. Zum abschließenden Finale kamen dann alle Aktiven noch einmal auf die Bühne und feierten bis in das Morgengrauen hinein die Fastnacht.

Einen ganz besonderen Augenschmaus servierten die Clowns aus Bret­zenheim. Magda Miltner ist die CVW-Ur-Närrin. Tobias Jendreizeck und seine Madeln sorgten für Superstimmung. Der CVW-Nachwuchs präsentierte sich in Höchstform. Die Garde beeindruckte mit einem tollen Marsch. Sitzungspräsident Markus Stoll und sein Elferrat boten ein wundervolles Narrenprogramm. Kanzler Michael Schäfer brachte ein erstklassiges Protokoll mit in die Bütt.