18 | 11 | 2017

Kokolores

Des Sängers Gruß

Gegrüßt seit ihr, ihr die do hocke,

lasst euch des Sänger Gruß entlocke.

Gegrüßt seit ihr, mein Publikum,

wer jetzt verschwind, ich nemm`s nit krumm.

 

Hier uff de Welt, halt überall,

nennt man mich nur, der Sängerkarl.

Bei mei Geburt, der Vater schwor,

der kreisch so laut, der wärt Tenor.

Caruso hab ich,  übertroffe,

nach obbe is mei Kunst, noch offe.

Manch Saal, den hab ich leergesunge.

Wem von eisch, is des gelunge?

 

Bei dem Verein, der „Dorschdisch Brüder“,

die bekannt für Stimmungslieder.

Hab ich mich damals angemel`t.

Beim erste Ton, war ich de Held.

 

Die Brüder habbe nur gelacht.

Und mich zum Vorsinger gemacht.

Bevor die singe, saufe die.

Bei diesem Brauch, hab ich ko Müh!

 

Nodeblätter, sie nit kenne nit  habbe.

Doch on der Theke, meist  zwa, drei Lappe.

die am Lohndach se misse berappe.

So dut Vereinskultur hier klabbe.

 

Unseren Dorscht, den Wirte erfreut.

Wir sind die Sippe der dorschtige Leut.

Nach jeder Strophe, die wir ebe singe,

Eilet der Wirt, um ein Bierchen zu bringe.

 

Zum Feste der Sänger sind wir eingelade.

Do fahren mer hie, des konn jo nit schade.

Bis wir in Frankfurt angekomme,

hänn wir im Bus, schunn paar Schobbe genomme.

 

Als „Dorschdische Brüder“ins Festzelt wir kamen,

Ein Jubel erschallt, weil bekannt unser Namen.

Wir singe als letzter der Chöre im Zelt,

Man hot uns als Bester nach Hinne gestellt.

 

Für alle Sänger, hot`s geheiße,

gelde im Zelt, heut niedriscche Preise.

Äbbelwoi wird hier wie Wasser gesoffe,

Wir Dorschdische Brüder sind wie immer, ganz offe.

 

Egal was nix kost und dazu noch billisch,

das trinkste in Eile, und dazu noch willisch.

Nach zehn der Gläser, do merkte ich,

mein Inneres, des meldet sich.

 

Mei Därm, die habe rebelliert.

Ich hab jede Schlinge im Bauche gespürt.

Ich glab jetzt muss ich hin, zum Abort,

So eilte ich eilisch,  zum heilische Ort.

 

Vor der blauen Häus`cher Front,

stehe die, die noch nicht gekonnt.

Hier ist deine Chance gleich Null und nit mehr,

Sängerkurt, eine Rettung muss her!

 

Ich bog um die Ecke, da war ich allein.

Ich hockte mich nieder, es musste halt sein.

Die weiße Wand, an der ich jetzt sitze,

mit brauner Farb, tat ich sie bespritze.

 

Meist hab ich Verstopfung, des ist nun nicht mehr.

Des Stöffsche, des macht dir die Darmwände leer.

Will dir dein Doktor ein Mittel verschreibe,

nimm nie was zum schlucke, nur ebbes  zum Reibe.

 

Donn kam unser Ufftritt, wir waren in Form,

es jubelt die Masse, wir toppte die Norm.

Frau Wirtin hatte einen Sohn….

Der tat`s mit jungen Jahren schon….

 

Des Liedsche war fetzisch, nicht ganz jugendfrei.

Das Volk unne klatschte, wir waren dabei.

Hochwürden ganz vorne, hot die Miehn nit verzoche.

Er war etwas sauer, des war nit geloche.

 

Uff Stühl, uff de Tische, sind se gegrabbelt.

Noch Jahre danach von dem Tach mer hier babbelt.

Ee  Zugab wollte die Leit, von uns sehe.

Do machte mer mit, mer konns jo verstehe.

 

Wir „Dorschdischen Brüder“,  wir zogen uns aus.

Jetzt könnt ihr mal höre, jetzt tobt das Haus.

Gonz nackisch, das Ave Maria wir sangen.

Ich sag wie es ist, die Glocken sie schwangen.

 

Ich erwähn es nur ungern, es lässt sich nicht tobbe.

Im Festzelt die Menschen um en Foto sich klobbe.

Die Käpp von uns, sollte nicht auf das Bild,

Ebbes nach unne, do druff warn die wild.

 

Dort unten in Festzelt, da waren paar Frauen,

die wollten ihren Augen, nicht trauen.

Sie verglichen was von zu Hause sie kennen.

Mich packte das Mitleid, weil einige flennen.

 

Als eine der Frauen ein Zollstock hoch zeigte,

sich plötzlich die Stimmung, zum Chaos hin neigte.

Sie wollte das messen, was unser Besitz.

Die meine er Ernst, und das war kein Witz

 

Es begannen die Frauen, nach Oben zu stürmen.

Die Dorschdischen Brüder, sie mussten nun türmen.

Wir haben die Bühne im Trubel verlassen.

Es sind hier die Männer, die plötzlich uns hassen.

 

Der Siegerpokal, wurde mir übergeben.

Sowas erlebste nur einmal,  im Leben.

Noch auf der Bühne, erklang unser Schwur,

so macht mer fürs Fernseh`n, deutsche Kultur!

 

Japan und China, do solle mer hie.

Für diese Tournee is es ebbes zu frieh.

Für Saki und Bier, was in Honkong gebraut,

sind wir Brüder, so gar nicht gebaut.

 

Wenn wir mal nicht singe, dann trinke wir mächtig.

den Winkeler Woi, den der schmeckt und prächtig.

Des Winkeler Lied, wir singen es alle,

wie habbe eisch nun, meine Versscher gefalle?

 

Helmut Eckert, geschrieben in Lübeck, 08.06.2016

Am 05.08.2016 im Wingerttreffen als Vorversion persönlich vorgelesen.

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