Kokolores

Die Kaffeefahrt

Erstellt: Mittwoch, 09. Oktober 2013 20:00
Geschrieben von Helmut Eckert

Neulich war ich arg verdattert,
als Werbung mir in`s Haus geflattert.
Ne Tagesfahrt ins Land am Meer,
von dort grien mer die Tulpe her..
Da mach ich mit, bin do dabei,
wo`s hie geht  is mir einerlei.

Hauptsach umsonst und ohne Koste,
der brave Rentner därf net roste.
Um drei Uhr Frie der Bus soll komme,
wer pünktlich ist, wird mitgenomme.
Per Telefon meld ich mich an,
dort war ein nettes Fräulein dran.
Sie fragte mich fast tausend Frage,
ob meine Frau hat noch die Tage.
Ob meine Rente gut und viel,
Ob ich dort unne hab Gefühl.
Ob mei  Häus`che schuldfrei,
Ob ich gar reich und ledig sei.
Ich hab do alles brav berichtet,
dann  hat des Dämche mir berichtet,
jeder Gast wird noch beschenkt,
mit ebbes wo er niemals denkt.
Mittagessen mit drei Gänge,
wobei große Künstler sänge.
All des wär`s noch nit gewese,
zum Abschied geb`s  ein Stück vom Käse.
Nach der Stund am Telefon,
dröhnte meine Birne schon.
Nun war die Fahrt für mich beschlosse.
Was war ich stolz auf hohem Rosse.
Für all die mir die Fahrt nit gönne,
und übber meine Dummheit schänne,
schreib ich die Nummer aufs Papier,
Null hundertneunzig acht drei vier.
Die anner Woch am Tag der Fahrt,
ich am Kerbeplatz do wart.
Es ist jetzt sechs zur frühen Stunde,
ich frier und laf schon hundert Runde.
Um drei Uhr sollt der Bus mich hole.
Nun hänn ich Löscher in de Sohle.
Donn endlich, als ich fast zu Eis.
Kam er an, dem Herrn ich preis.
Jetzt geht’s in Land der tausend Tulpe,
dachte ich, ich doofe Nulpe.
Drauße war es bitterkalt.
Der Bus fuhr durch de Westerwald.
An jedem Milchbock tat er halten.
Es stiegen ein, vom Dorf die Alten.
Gut getarnt im Walde versteckt,
hat der Fahrer sie entdeckt.
Die Hütte nennt sich Waldlokal,
Einst gebaut, es war einmal.
Die Sonne hoch am Himmel stand,
Alles raus, ins Feindesland.
J W D die Postleitzahl,
die Natur is Speisesaal.
Wo nix ist, do ist nix do.
Trotzdem warn wir Gäste froh,
Zum Plumpsklosett für unsre Frauen,
konnte hin, wir Männer schauen.
Vom Donnerbalken zwischen Fichten,
durfte wir dann froh verrichten,
was uns im Bus schon arg bedrückte
wo manchem Furz die Freiheit glückte.
Um uns rum die Hühner scharrten,
als wir auf unser Essen harrten.
Persönlich uns der Koch servierte,
was er auch in die Schürze schmierte.
Gulasch mit Kartoffelbrei,
schleppt der brave Mann herbei.
Wobei von Fleisch nicht viel zu finden,
Zwei Brocken glichen eher Rinden,
die vom Kastanienbaum geschnitten,
jetzt in der Soß die Gäste bitten,
spuckt mich aus nach langem Kauen.
Ihr dürft auch nicht der Soße trauen,
die ist gekocht aus Dosenfutter.
So kochte einst die Hexenmutter.
Ein Süppchen hat man uns gereicht,
darin der Koch die Wäsche bleicht.
Als Hühner um die Tische scharrten,
wir alle auf den Nachtisch warten.
Die Nachspeise mein Leibgericht,
war nicht da, sie gab es nicht.
Den Pudding hät der Hund gefresse,
weil der Koch ihn hat vergesse,
vor dem Hunde zu verstecken.
So durft der Hund den Pudding lecke.
Künstler ware ach zur Stelle,
davon erzähl ich auf die Schnelle,
Ein Mann blies in sein Saxophon,
wobei heraus kam so ein Ton,
als würde eine Sau geschlachtet,
und der Metzger dabei trachtet,
das arme Tier erst noch zu fangen.
Nebenbei drei Greise sangen,
wunderschön wie Rabdigallen,
deren Lieder weithin hallen,
zu uns hinein, in unsre Ohren.
So sang ich einst, als ich geboren,
damals war`s, vor vielen Jahren.
Alle durften jetzt erfahren,
wie mein Vater es beglückte
als er mich hörte und erblickte.
Dann war mit Mittagesse Schluss.
Alle musste in den Bus.
Der brachte uns ins Land des Käses.
Wer schunn dort war, ja der wes es.
Käs gibt’s dort als große Räder.
Doch vom Käs erzähl ich späder.
Unser Bus hat uns gebracht,
in ein Lokal, dort an der Dracht.
Um uns Wasser Kieh und Gras.
Hollandreise, die macht Spaß.
In dem Saal ging es zur Sache,
jetzt gab es wärklich nix zu lache.
Rheumadecke, Wundersalbe,
alles da, zum Preis dem Halbe.
Hier und jetzt soll ich bestelle,
sonst droht man mir mit der Hölle.
Zitternd hab ich unerschribbe,
sunst wer in Holland, ich geblibbe.
Nachts um Zwölf war ich daheim.
Etwas muss erwähnt noch sein.
Beim Verlasse von dem Bus,
kam was endlich komme muss.
Ich bekam den Käs gereicht.
Was war der Käsewürfel leicht.
Auf dem Wärfelche ganz klein,
Saß ein Träubchenkugel fein.
Ein winzig Fähnchen ich entdeckte,
womit das Kügelche man steckte.
So war gesichert und erfüllt,
was uff dem Werbeblättchebild,
Als Käsgescheck  dort angepriesen.
Man sieht, die sich nit lumbbe ließen.
Nun die Moral der Kaffeefahrt,
Geld hab ich dabei, wohl nit gespart.
Die Rheumadeck, ein Traum von Decke,
die konnt ich in de Müllsack stecke.
Da sie gestunke wie des Klo.
uff dieser Fahrt, im Dörfche do.
Eintausend Euro war ich los,
für diesen Rheumafetze blos.
Die Wundersalbe schaffte es,
als ich sie rieb auf mein Gesäß,
das ich ein Monat konnt nit  sitze,
da do wo zwische Backe is die Ritze,
dicke Blase war`n entstande,
und irgendwo am Rand vom Rande,
wo eigentlich die Mitte sei,
jetzt ein hühnergroßes Ei,
mir den Stuhlgang hat gestoppt.
Diese Salbe hat gefloppt!
Ein Monat später kam das Ende,
Null Hundert Neunzig, das spricht Bände.
Sechs Hundert Dreißig soll ich butze,
weil ich die Neunzig tat benutze.
Das Fräuleinche am Telefon,
die wusste es ja damals schon.
Die Hundertneunzig kostet Kohle,
man sollte mir den Arsch versohle.
Ne Kaffeefahrt, nie mer im Lebe,
Mein letztes Hemdche will ich gebe,
für Fröhlichsein beim WCV,
Do mach ich mit, Helau, Helau!

 


Lübeck, Oktober 2013
Helmut Eckert