18 | 11 | 2017

Kokolores

Der Zahnarzt

Der Zahnarzt
Ein Drama in drei Akten.
Ort der Handlung: Mainz und Winkel und 1624 2013.
Personen der Handlung:
2013 in Mainz Zahnarzt Dr. Bohrmeister


Anno 1624 in Mainz
Barbier und Zahnmedicus Wenzel Bormeester
Mainzer Kurfürst Georg Friedrich von Greiffenclaubr /> Sohn des Bohrmeester
Diener des Kurfürsten
Mainz 2012 Juni

Der Zahnarzt Dr. Bohrmeister sitzt in seinem breiten Ledersessel. Er verabschiedete seine Ehefrau nebst seinen beiden Sprösslingen. Sie ist vor wenigen Minuten mit den siebenjährigen Zwillingen Thomas und Edmund nach Presberg gefahren. Dort besitzt die Familie ein Wochenendhaus.


Er beabsichtigt, im Laufe des heutigen Tages nachzureisen. Bis gegen 14 Uhr stand er noch in seiner Praxis und erreichte, mit seinem neuen Porsche, erst gegen 16 Uhr seine 12 Zimmer Villa in Mainz.
Jetzt endlich kann er aufatmen. Die Bedienstete des Hauses brachte ihm eine Flasche „Winkeler Honigberg Jahrgang 1953“ und das Funkeln des edlen Tropfens in dem alten Kristallglas erwärmte sein Herz. Genüsslich trinkt er langsam und bedächtig. Er spürte das Feuer des Weines. Endlich Urlaub. Die nächsten drei Wochen will er genießen und sich aktiv erholen. Mit seinen, jetzt dreiundvierzig Lenzen fühlt er sich im Zenit seines Lebens.

 

Eine bildhübsche Frau, zwei gesunde Knaben, eine prächtige Villa, den neuen Porsche den Zweitwagen seiner Frau und das geräumige Ferienhaus in Presberg, was will er mehr!In seinem Bankschließfach und auf dem Konto lagert eine knappe Millionen an Wertpapieren und Schmuck seiner Frau.
Er hat längst das dritte Glas geleert.
Ganz langsam schließen sich seine müden Augen. Der wohlverdiente Schlaf beendet alle seine Gedanken.

Eine dunkle Kammer in einer alten Kate in der Nähe des Rheinufers in Mainz. Zwei Personen bewohnen das windschiefe Haus. Der Barbier Bormeester und sein minderjährig Sohn. Man schreibt das Jahr des Herrn 1624.

Sein Weib war ihm vor Jahren schon entlaufen.
Mit einem Fremden einfach durchgebrannt.
Er konnte ihr kein Gold und Silber kaufen.
Der Neue tat am Tag nur saufen.
Im Hurenhaus ein böses End sie fand.

Eine kleine Ölfunzel beleuchtet notdürftig die kleine Stube. In seinem Holzstuhl ist der Barbier vor einiger Zeit eingeschlafen.

Der Sohn des Barbiers:
Wach auf Herr Vater!Hörst du die Glocke an dem Tor,
ein Mann im bunten Rock steht dort davor.
Er schreit herfür,
er müsse eilig zum Barbier
und zerr`et an der morschen Tür.

Barbier Bormeester:
Lasst ihn herein und leuchtet ihm,
bis hier zu meiner Kammer.
Tritt näher zu dem Licht.
Willst du zu mir, brauchst meinen Rat,
dann schweige nicht, doch lasse dein Gejammer.
Wie ist dein Nam` sag` was dein Begehr?
Was führt dich her,
zur später Stunde?
Die Torwache dreht vierte die Runde.

Diener des Kurfürsten Greiffenclau:
Barbier, mich schickt mein Herr.
Dein Hülf ist arg von Nöten.
Ihm hülft schon lange nicht,
das Jammern und das Beten.
Sein Maul ist dick und arg geplagt.
Er wimmert nur und hat seit Tagen nicht gelacht.

Barbier:
Doch sag, wer ist der mauldicke Gebieter,
der meiner Hülfe rufet?
Was will er mir, was hat er dir gesagt?
Der Herr in sieben Tagen einst die Welt erschufet,
doch hat er niemals solchen Lärm gemacht.

Diener:
Der Kurfürst selbst es sei,
der mir gebot mit Jammer n und Geschrei,
zu deiner armen Kate her zu eilen.

Bormeester:
Der Eminenz hat`s Maul geschwollen.
Weil er da fresset nur das best` Gericht.
Wie eine Qualle ist er längst gequollen.
Doch Maß beim Fressen kennt er nicht.

Diener:
Quacksalber hüt deine lose Zunge,
denn an der Tür,
dort lauscht bestimmt der Junge.
Wie sprichst du schlecht,
vom ersten Kurfürst dieser Stadt,
der dir erlaubt einst, hier zu leben.
Der dich beschützt und dir gegeben hat,
vor Jahren schon das Bürgerrecht.
Kamst du nicht her als armer Bettelknecht?

Bormeester:
Studiert hab ich im fernen Prag,
die Medizin war mein Pressier.
drei Jahr ist`s her, jetzt auf den Tag,
das mich die Stadt willkommen hieß.
Als Medicus darf ich,
dem Bürger nicht zum Wohle sein
Darf nur dem Volk in`s Maule schauen,
und bei Geburte helfen armen Frauen.
Ich hause hier in dieser alten Klause.
Zwei kleine Kammern nenn ich mir zu Eigen.
Schau hin, ich kann dir diese Armut zeigen.

Diener:
Lass Dein Geschwätz und folge mir,
packe flugs dein Werkzeug ein,
zum Dome hin gilt`s jetzt zu eilen.

Bormeester:
Gemach, gemach, alt sind die Beine,
ein Klepper läuft nicht mehr Galopp.
der fette Fürste voll vom Weine,
er hat ja noch sein Kopp.

Im Domhaus angekommen:

Georg Friedrich der Kurfürst:
Wo bleibest du?
vor einer Stund` hab ich nach dir befohlen.

Bormeester:
Verzeih mein hoher Herr,
auf schnellen Sohlen,
eilt ich sofort hier her.
Wie darf ich dir zu Diensten sein?

Kurfürst:
Schau mich nur an,
die linke Backe ist geschwollen.
Kaum das ich Essen, Trinken kann.

Bormeester:
Ein Zahn wird`s sein,
der dir bereitet Schmerz und Pein.
Der muss heraus aus deinem edlen Munde.
Kurfürst:
Dann tu`s, so mach`s in dieser Stunde.
Befrei mich jetzt,
vor dieser Höllenqual.
Bei gutem Werk, soll es dann allemal,
dein Schaden es nicht sein.
br /> Zwei „ Silberthaler Mark“ lob ich als Lohn,
treibst du den Schmerz
aus meinem Kopf davon.

Bormeester:
Gemach, gemach,
erst soll der Herr das Tränklein zu sich nehmen,
das hier in diesem Krüglein fest verschlossen.
Die Römer taten einst sich nach dem Zaubertranke sehnen,
als sie bei Varus Tod, ihr teuer Blut vergossen.

Kurfürst:
Ein Zaubertrank willst du mir reichen,
wo mir vor Schmerz die Haare bleichen!
Ist dieser Trank von Hexen hergestellt?
Kommt er gar aus der Teufel Welt?
Ist es ein Gift, das mir die Manneskraft beraubt?
Zu oft ich schon an Ehrbarkeit geglaubt.

Bormeester:
Gemach, gemach,
vertraue mir und meinem Wissen.
Schon bald wirst du mein Herr,
den Schmerz vermissen.
Vom Morgenland war`d mir das Heil gebracht.
Und schon nach dieser lauen Sommernacht,
wirst du geheilt , den neuen Tag erleben.
Und freudig mir, verdienten Lohne geben.

Kurfürst:
Medicus ich will dir trauen.
Seit ihr auch schlimmer als zehn alte Frauen.
Ich war`n euch nur, erfolgt kein Heil,
halt ich für euch das Schwerte feil.
Ist der Teufel dein Gevatter,
so endest du am Galgengatter!

Nach dem der Herr geschluckt den Trank,
bewusstlos er zu Boden sank.
So wur`d der Zahn da selbst entfernet.

Doch liebe Leser daraus lernet,
einst kam der Zahnarzt noch ins Haus.
Heut sieht das etwas anders aus.
Jetzt brauchst du erst mal ein Termin.
Dann schleichst du zu dem Zahnarzt hin.
Nun wartest du im Wartezimmer,
hörst nur Stöhnen und Gewimmer.
Bist du dann dran, dann musst du müssen…..
und hast dir in die Hos` geschissen….

Bormeester nahm seinen Lohn und eilte nach Hause. Kaum war eine Woche vergangen klopfte der gleiche Diener wieder an der morschen Tür. Nichts Gutes ahnend, öffnete der arme Mann:

Bormeester:
Was willst erneut du nun von mir?
Hab ich nicht Deinem Herrn den Zahn gezogen?

Diener:
Das stimmet schon, du alter Salber.
Jetzt sitzt der Herr auf seinem Nachtgeschirr,
und hat seit diesem Tag die böse Scheißerei.
Er ist dir gar nicht mehr gewogen.
Du hättest ihn gar arg belogen.
Er fluchet Deiner.
Will Häscher nach dir senden.
Pack schnell dein Bündel!
Eile geschwinde aus der Stadt,
noch vor dem Morgengrauen.
Lass liegen hier dein darbes Hab.
Sonst wird`s noch heut dein Grab.
Du kannst nicht auf die Gnad` des Herren bauen.
Er will sein Geld zurück,
und dich am Galgen baumeln seh`n.
Wenn du ein Stück des Weges bist gegangen,
und Häscher haben dich nicht aufgehangen,
dann such Dein Glück, in einer neuen Stadt,
der keinen solchen Kürfürst hat.

Dem armen Bormeester gelang es eilig, der Stadt Mainz den Rücken zu kehren.
Genau in diesem Moment erwachte unser Zahnarzt Dr. Bohrmeister aus seinem Schlaf. Sein“ Lacoste Hemd“ klebte auf seiner nassen Haut. Ganz langsam begriff er, dass er nicht dieser arme Teufel Burmeester ist. Alles war nur ein böser Traum….

Was er nie erfahren wird, dieser arme Barbier war tatsächlich ein Vorfahr von ihm. Nach Jahren der Wanderschaft fand er in Winkel eine Bleibe, hatte ein braves Weib und zeugte noch drei wackere Kinder. Sein Erstgeborener zeugte wieder einen Sohn und so weiter und so weiter..

Geschrieben am 12.05.13 von Helmut Eckert
Zursatanischen Freude für jeden armen Bürger, der von Zahnschmerzen geplagt ist.

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